Pokalspektakel im 3C-Sportpark

Torfestival im Landsberger Pokalspiel: aus 1:4 wird 7:5

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Belastungstest für die neue Anzeigentafel: zwölf Mal musste sie auf den neuen Spielstand gestellt werden. Der TSV Landsberg hatte im Toto-Pokal gegen den SV Pullach das bessere Ende für sich.

Landsberg - Nur 140 Zuschauer waren zum Toto-Pokalspiel des TSV Landsberg gegen den SV Pullach in den 3C-Sportpark gekommen, aber die wurden Zeugen eines ganz besonderen Spektakels. 7:5 gewannen die Lechstädter und das nicht durch Elfmeterschießen, sondern nach regulären 90 Minuten.

Coach Rietzler machte seine Ankündigung wahr und schickte mit Sören Göbel, Julian Sachs, Wolfgang Baumann und Philip Gmell einige Spieler ins Rennen, die bislang wenig oder gar keine Spielzeit erhalten hatten. Auch die Rekonvaleszenten Jonas Meichelböck und Lukas Göttle standen in der Startelf, während Rainer Stohas neben dem wundersam genesenen Philipp Siegwart und Alessandro Mulas auf der Ersatzbank Platz nahm. Nur 13 Feldspieler standen Hermann Rietzler an diesem Abend zur Verfügung.

Auch der SV Pullach brachte nicht die erste Elf an den Start und dementsprechend verliefen die ersten 20 Minuten der Partie: Beiden Mannschaften mangelte es an Abstimmung, Konter wurden nicht sauber zu Ende gespielt oder die Angriffsbemühungen endeten kurz hinter der Mittellinie. Das Spiel war ereignisarm und plätscherte mehr wie ein Freundschaftsspiel dahin. Das sollte sich nach knapp 25 Minuten allerdings ändern.

Ohne große Not spielte Torwart Nicolas Schestak den Ball in die Füße von Leon Ritter. Der konnte ohne besondere Hast in den verwaisten Strafraum eindringen und problemlos zum 1:0 für Pullach einnetzen. Fast im Gegenzug nahm Bonfert einen Pass von Philip Gmell in aller Seelenruhe an und vollendete aus 16 Metern zum 1:1. Es folgten erschütternde 20 Minuten aus Sicht des Gastgebers, denn die Abwehr und vor allen Dingen der junge Keeper waren völlig von der Rolle.

Leon Ritter hätte für Pullach nachlegen können, köpfte aber aus zwei Metern an die Latte. Ein weiteres Tor für die Gäste wurde wegen eines Handspiels aberkannt und als Schestak einen harmlosen Freistoß nur abprallen ließ, konnte der frisch eingewechselte Ziad gar nicht anders, als das 2:1 für die Mannschaft aus dem Isartal zu erzielen. Der völlig verunsicherte Keeper der Heimmannschaft stürzte sich und seine Hintermannschaft von einer Verlegenheit in die nächste. Michael Hamberger stand nach 31 Minuten völlig frei und zog ab: 1:3. Neun Minuten später wehrte die tragische Figur Schestak eine Ecke nur halbherzig ab und erneut bedankte sich Hamberger und schob ein: 1:4. Zum Glück gelang Wolfgang Baumann zwei Minuten vor der Pause noch das 2:4, so dass wenigstens ein letzter Funke Hoffnung für den TSV glimmte. Halbzeit. Durchatmen.

Coach Hermann Rietzler tat in der Pause das einzig richtige: Er ließ Schestak zwischen den Pfosten. Für Baumann und Wolf kamen allerdings Stohas und Mulas ins Spiel, das nun eine wahnwitzige Wende nahm. Innerhalb von elf Minuten stellte der TSV Landsberg das Zwischenergebnis auf 5:4. Doch der Reihe nach: Zunächst hatte Philip Gmell über die linke Seite kommend eine gute Gelegenheit, der Ball trudelte aber am zweiten Pfosten vorbei. Besser machte es in der 48 Minute Joker Mulas über rechts, er zirkelte das Leder im Fallen am Keeper vorbei zum 3:4 ins lange Eck. Nur kurze Zeit später schlug Andreas Fülla endlich eine brauchbare Ecke und Kapitän Bonfert nutzte die Verwirrung in der Hintermannschaft der Gäste und brachte den Ball aus dem Gewühl über die Linie: 4:4.

Wenn der TSV in der ersten Halbzeit dunkle Minuten erlebt hatte, so war es nun der SV Pullach, der einige Minuten lang völlig den Überblick verlor. Den schönsten Angriff leitete schließlich Rainer Stohas mit einem Pass auf Bonfert ein, der in den Lauf von Sören Göbel spielte, welcher seine Schnelligkeit ausnutzte, seinem Gegenspieler davonlief und mit einem strammen Schuss für das 5:4 sorgte. Da rieb sich mancher Zuschauer die Augen.

Rainer Stohas sorgte dann auch dafür, dass die Partie weiterhin spannend blieb. „Die Sonne stand so tief, der Torwart und ich haben den Ball gar nicht richtig gesehen und er prallte gegen meinen Fuß und war drin“, erklärte er lakonisch sein Eigentor nach einem Freistoß zum 5:5 nach 55 Minuten. Und wieder einmal zeigte sich die unbändige Moral der Landsberger - mit einem Unentschieden wollten sie sich nicht zufrieden geben. Nun kam auch noch „Lazarus“ Philipp Siegwart in die Partie und sollte mit seiner Schnelligkeit weiteren Druck aufbauen.

Zehn Minuten vor Schluss gelang Andreas Fülla eine bemerkenswerte Balleroberung in der gegnerischen Hälfte. Danach rannte er mit der Kugel am Fuß auf der linken Seite in den Strafraum, bewies Übersicht und flankte auf Mulas, der das Leder über die Linie brachte. 6:5, aber kein Grund zu entspannen, denn heute war anscheinend alles möglich.

Es war dann ein berechtigter Elfmeter, der die Entscheidung brachte: Lukas Göttle schickte den Keeper mit einer Körpertäuschung in die linke und den Ball mit dem Fuß in die rechte Ecke. 7:5. Damit gab sich der SV Pullach geschlagen, der bis zu diesem Augenblick ebenso aufopferungsvoll gekämpft hatte wie die Heimmannschaft.

„Ein bisschen geschnauft habe ich am Anfang schon, aber es fühlte sich sehr gut an“, beschrieb Rainer Stohas sein Comeback, „und ein so verrücktes Spiel habe ich noch nicht erlebt.“ Damit war er nicht alleine. Auch Trainer Rietzler war geschafft: „Meine grauen Haare werden nach so einer Partie immer mehr. Es ist natürlich schön, dass wir so viele Tore geschossen haben, aber die Defensivleistung war phasenweise eine Katastrophe. Aber zum Glück auf beiden Seiten. Rainer hat sich auch noch in die Torschützenliste eingetragen und sehr effektiv gespielt.“ Wie immer man dieses verrückte Spiel auch bewerten möchte, eines ist sicher: Es wird nicht langweilig bei den Heimspielen des TSV Landsberg und ganz nebenbei ist man auch noch im Pokal eine Runde weiter.

Dietrich Limper

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