"Mittelfristig etwas aufbauen"

TSV Landsberg Coach Hermann Rietzler im Interview

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Sie sagen wo es langgeht: Co-Trainer Florian Mayer und Chefcoach Hermann Rietzler (rechts).

Landsberg – Die Vorbereitung beim frischgebackenen Bayernligisten TSV Landsberg geht in die heiße Phase und erste Eindrücke konnten bei den Spielen gegen den FV Illertissen und Türkgücü-Ataspor München gesammelt werden. Coach Hermann Rietzler zieht eine Zwischenbilanz und spricht über das Spielsystem, den Kader, seine veränderte Rolle und seine Wünsche für die Zukunft.

Herr Rietzler, welche Lehren können Sie und die Mannschaft denn aus dem letzten Wochenende und den beiden Testspielen ziehen?

Rietzler: Nach den ersten Trainingseinheiten waren wir mit den beiden Spielen eigentlich zufrieden. Dass nicht alles rund läuft, war ja klar. Gegen Illertissen haben wir die taktische Marschroute eingehalten und die zweite Halbzeit besser gestaltet. Über die gesamten 90 Minuten sind wir der verdiente Sieger gewesen (lacht), natürlich auch mit einer Portion Glück und einem sehr starken Torwart. Am Samstag gegen Ataspor habe ich in der ersten Halbzeit zu defensiv spielen lassen und wir hatten keine Entlastung nach vorne.

Ihr wurdet bei diesem Spiel ja schon am eigenen Strafraum attackiert und hattet ein paar Problem hinten raus zu spielen.

Rietzler: Ja, das stimmt. Wir versuchen zwar immer, die Sachen spielerisch zu lösen, aber der Gegner war ein bis zwei Klassen besser, das muss man einfach sagen. In der Halbzeit haben wir dann umgestellt und sind besser ins Spiel gekommen, aber die Münchner haben auch Gas raus genommen und haben nach dem Spiel zugegeben, dass sie platt waren. Insgesamt haben wir uns noch gut aus der Affäre gezogen.

Welche Systeme wollen Sie denn spielen lassen?

Rietzler: Wir trainieren im Moment das 4-2-3-1 System und alternativ 4-1-4-1, wobei die Außenverteidiger sehr offensiv sind. Das haben wir letztes Jahr schon so einstudiert und wollen das natürlich für die Bayernliga übernehmen.

Der TSV stand ja in der letzten Saison für ein sehr flinkes Umschaltspiel, das schon fast ein Markenzeichen war. Wollt ihr das beibehalten oder gilt nun erst einmal die Vorsicht?

Rietzler: Wir sind weiterhin offensiv ausgerichtet und trainieren das Umschaltspiel intensiv. Aber das ist gerade für die neuen, jungen Spieler ein langer Prozess, weil sie sich erst einmal an das gestiegene Niveau gewöhnen müssen.

Werden Sie das System je nach Gegner ändern? Also manchmal mehr Wert auf die Defensive legen?

Rietzler:Grundsätzlich wollen wir uns auf unsere Stärken konzentrieren und uns gar nicht allzu sehr am Gegner ausrichten, allerdings werden wir das in der Bayernliga wohl machen müssen. Wir müssen einen Mix aus den eigenen Stärken und den Fähigkeiten des Gegners finden und uns entsprechend darauf einstellen.

Was sagen Sie zum Kader? Ist der zu groß?

Rietzler: Mit der Verpflichtung von Alessandro Mulas haben wir einen Kader von 25 Feldspielern und drei Torhütern. Kevin Gutia und David Anzenhofer werden uns ja Mitte August noch Richtung USA verlassen, aber vielleicht kommen sie in der Rückrunde wieder zum Einsatz. Ich denke, der Kader ist überschaubar.

Welche Rolle werdet ihr in der Bayernliga spielen?

Rietzler: Unser Saisonziel ist natürlich ganz klar der Klassenerhalt. Der Kader ist jetzt zwar absolut konkurrenzfähig, aber es darf halt nicht passieren, dass Führungsspieler und Leistungsträger wie beispielsweise Rösch, Fülla, Bonfert, Mayer oder Tugbay länger ausfallen. Wir haben im Vergleich zu den vorherigen Jahren eine sehr gute Mischung von der Altersstruktur her und für Landsberg ist dieser Kader eine echte Hausnummer.

Wird die Verpflichtung von Alessandro Mulas die letzte gewesen sein?

Rietzler: Eigentlich schon, aber wenn David Anzenhofer weg ist, würde ich zu einem weiteren Innenverteidiger nicht nein sagen. Vielleicht hat ja die Abteilungsleitung noch jemanden in der Hinterhand.

Wie waren jetzt die ersten Wochen als Cheftrainer? Ist das für Sie eine große Umstellung?

Rietzler: Klar ist das eine Umstellung. Ich habe nun eine andere Verantwortung gegenüber dem einzelnen Spieler und der Mannschaft. Ich muss die Spieler nun anders anpacken. Als Co-Trainer war ich eher so ein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft, jetzt muss ich viel direkter werden und bin gelegentlich auch der Überbringer schlechter Nachrichten, schließlich mache ich die Aufstellung. Es ist dann zwar unangenehm, wenn die Spieler sauer sind, weil sie nicht spielen, aber so ist das nun einmal.

Wie wollen Sie die Spieler denn alle bei Laune halten? Ein paar werden ja immer auf der Tribüne Platz nehmen müssen.

Rietzler:Ja, das ist ein schwieriges Thema. Aber die Spieler müssen auch kapieren, dass wir nun nicht in der Kreisklasse spielen, sondern in der Bayernliga. Wer spielen will, der muss sich durchsetzen und mit einem harten Konkurrenzkampf rechnen. Ich kann dann keine Rücksicht mehr nehmen und es gibt immer Gründe dafür, warum es jemand nicht in den 18er Kader am Spieltag geschafft hat, und die erkläre ich auch jedem Spieler in Einzelgesprächen.

Was wünschen Sie sich vom Publikum in der neuen Saison? Vor allem Geduld, oder?

Rietzler: Wir werden aber jetzt nicht mehr jedes Spiel gewinnen und auch die Gegner nicht dominieren. Gerade bei den jungen Spielern muss man Fehler verzeihen. Der Verein macht nun einfach mal einen Schnitt und mit ein bisschen Geduld in der Geschäftsleitung, den Sponsoren und den Zuschauern kann sich hier wirklich mal etwas entwickeln. Ich möchte hier schon über die nächsten Jahre etwas aufbauen und wenn ich die Zeit bekäme, wäre das eine schöne Geschichte.

Was wünschen Sie sich für den Verein?

Rietzler: Es stehen ja bald Neuwahlen an und egal wie sich der Verein aufstellen wird, ist es für mich wichtig, dass mehr Augenmerk auf die Jugend gelegt wird. Die Jugendarbeit beim TSV war und ist schon lange eine Baustelle. Hin und wieder sollte man mal den Blick von der ersten Mannschaft abwenden und auf andere Bereiche im Verein schauen, wo meiner Meinung nach zu wenig gemacht wird. Und das ist auf jeden Fall die Jugendarbeit. Als A-Jugendspieler hat man hier kaum eine Perspektive, der Sprung in die Bayernliga ist viel zu groß. Ich würde mir eine strukturierte Jugendarbeit mit Plan wünschen.

Dietrich Limper

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