Landsberg rüstet auf!

Trainer-Trio mit Top-Scorer für Bayernligist TSV Landsberg

Steffen Krautschneider - TSV Landsberg - Mittelfeld
+
Dynamisch, beidfüßig und torgefährlich: Mittelfeld-Ass Steffen Krautschneider (rechts; noch im Trikot von Pipinsried) spielt die nächsten beiden Jahren beim TSV Landsberg.
  • Dietrich Limper
    vonDietrich Limper
    schließen

Landsberg – Trotz der Pande­mie und ruhendem Spielbe­trieb vermelden die Fußballer des TSV Landsberg geradezu sensationelle Neuigkeiten: Mit Steffen Krautschneider konnte einer der besten Spieler der Bayernliga verpflichtet werden. In der neuen Spielzeit werden Muriz Salemovic und Michael „Mike“ Hutterer gemeinsam als Spielertrainer arbeiten. Co-Trainer und „Mann an der Linie“ wird Tomas Tomic, der den Überblick von außen behalten.

Anfang März übergab der sportliche Leiter Muriz Salemovic seinen Posten an Jürgen Meissner (der KREISBOTE berichtete). Nach eigener Aussage wollte er den aktuellen Coach Eddy Weiler als spielender Co-Trainer unterstützen und eine klare Trennung zwischen Funktionären und Spielern ziehen. Doch nun wird deutlich, dass die Pläne längerfristig angelegt waren. Eddy Weiler wird den Verein nach Ablauf der Spielzeit 2020/21 verlassen und Muriz Salemovic wird die Rolle als spielender Cheftrainer übernehmen. Doch nicht alleine: Mike Hutterer, seit 2016 beim SV Pullach aktiv, wechselt an den Lech und wird ebenso Trainer wie Abwehrspieler. Mit Tomas Tomic kommt ein prominenter Co-Trainer zum TSV Landsberg. Er wird während der Spiele an der Seitenlinie stehen.

Mike Hutterer ist der neue spielende Trainer beim TSV Landsberg.

Mike Hutterer ist mit seinen 31 Jahren ein gestandener Bayernligaspieler, der bereits für Haching II, BC Aichach und Dachau 65 auflief. Der beidfüßige Defensivspezialist verlässt den SV Pullach und schließt sich den Landsbergern an. „Ich kenne Muriz Salemovic schon sehr lange und wir haben immer wieder mal über den TSV Landsberg geredet. Im vergangenen Winter wurden die Gespräche mit ihm, Jürgen Meissner und Sebastian Gilg konkreter und sie haben mich davon überzeugt, meine Trainerlaufbahn beim TSV zu beginnen“, erzählt der Münchener. Und fügt schnell hinzu: „Ich möchte aber durchaus noch drei bis vier Jahre spielen. Ich fühle mich fit und wir wollen mit dem TSV in der neuen Saison oben angreifen. Kein Verein verpflichtet neue Spieler und Trainer, um dann im Mittel­feld herumzudümpeln.“ Der Angestellte im Bayerischen Wirtschaftsministerium schätzt die Anlage des TSV Landsberg, findet das Umfeld „attraktiv“ und freut sich auf die neue Aufgabe. „Ich hoffe, dass die Saison am 1. Juli starten wird, aber natürlich kann das derzeit niemand genau sagen. Wenn wir Pech haben, wird dieses Jahr gar kein Fußball mehr gespielt.“

Weltenbummler

Der neue Co-Trainer Tomas Tomic kommt vom FC Pipinsried und hat schon einiges von der Welt gesehen: Er durchlief als Torwart die Jugendmannschaften des FC Bayern München, trainierte mit den Profis, stand mehrmals im Kader für ein Bundesligaspiel und wechselte 1998/99 zum österreichischen Erstligisten Grazer AK, wo Klaus Augenthaler Regie führte. Einer der Höhepunkte seiner Laufbahn waren zwei Spiele gegen den AS Monaco im UEFA-Pokal, der heutigen Europaliga. Es folgten weitere Stationen in Portugal, wo er auch seine Karriere beendete. Der 44-Jährige mit kroatischen Wurzeln ist seit 2019 Torwarttrainer beim FC Pipinsried und wird der U16/17 des FC Augsburg als Trainer erhalten bleiben. Beim TSV Landsberg wird er zum Co-Trainer befördert: „Muri hat mich schon seinerzeit nach Pipinsried geholt und wir möchten unsere fruchtbare Zusammenarbeit nun gerne fortsetzen.“

Der aktuelle TSV-Torwarttrainer Mario Schmid darf bleiben und sieht der Ankunft des weitgereisten Kollegen zuversichtlich entgegen: „Ich freue mich, dass ich mit einem so erfahrenen Trainer an meiner Seite arbeiten darf. Ich bin mir sicher, wir alle werden davon profitieren, dass Tomas Tomic für den TSV Landsberg aktiv wird.“

Weiler muss gehen

Auf die Frage, warum die Lechstädter nicht mit Coach Eddy Weiler in die neue Saison gehen, antwortet Abteilungsleiter Sebastian Gilg: „Jürgen, Muri, Eddy und ich hatten ein Gespräch und haben ein Resümee gezogen: Was lief gut? Was lief schlecht? Wir sind dann gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit im Sommer zu beenden. Eddy selbst hat gesagt, dass es mal mehr und mal weniger gepasst hat. Unterm Strich hat es auch aus seiner Sicht einfach nicht funktioniert. Wir müssen aber festhalten, dass es unter Eddy nur eine einzige Pflichtspielniederlage gegeben hat. Die fiel zwar gegen Nördlingen etwas heftig aus, aber insgesamt ist seine Bilanz positiv.“

Muriz Salemovic war in der Saison 2018/19 bereits als Spielertrainer für den TSV tätig und der Aufstieg in die Bayernliga Süd war auch sein Verdienst. Beim FC Pipinsried agierte er in der folgenden Saison in derselben Position, bevor es ihn zurück in die Lechstadt zog. Eigentlich wollte er sich auf die Rolle als Spieler konzentrieren, nun hat er sich für den Trainerlehrgang mit B-Lizenz angemeldet. Was bewog ihn zum plötzlichen Umdenken? „Ich hatte durch die Pandemie viel Zeit nachzudenken, konnte meine Akkus wieder aufladen und am Trainerschein arbeiten. Jürgen hat nicht locker gelassen und mich letztendlich überzeugt. Aber ich wollte es nicht alleine machen. Mit Mike Hutterer und Tomas Tomic habe ich nun zwei Leute an meiner Seite, die ich sehr gut kenne und auf die ich mich verlassen kann. Ich freue mich nun darauf, die Sache so schnell wie möglich anzugehen.“

Ein echter Coup

In seinen letzten Tagen als sportlicher Leiter fädelte Salemovic gemeinsam mit Jürgen Meissner einen Deal ein, der in der Bayernliga aufhorchen lässt: Sie konnten mit Steffen Krautschneider einen der begehrtesten Spieler auf dem Markt von einem Engagement beim TSV Landsberg überzeugen. Mit 20 Treffern und 19 Assists in 24 Spielen ist der offensive Mittelfeldspieler derzeit Top­scorer in der Spielklasse der Lechstädter. Der gebürtige Unterfranke, von Beruf Kriminalbeamter in Fürstenfeldbruck, war Dreh- und Angelpunkt beim FC Pipinsried und maßgeblich am Höhenflug des Vereins beteiligt. Transfermarkt.de beziffert seinen Marktwert auf 100.000 Euro, allerdings ist so viel Geld nicht ansatzweise geflossen, wie Salemovic gut gelaunt versichert: „Natürlich nicht, aber es waren einige andere Vereine im Rennen, die ihre Angebote ständig nachgebessert haben. Es war ein Kampf. Jürgen und ich haben viele intensive Gespräche mit Steffen geführt und wir sind froh, dass dieser Traum für den TSV wahr geworden ist. Steffen kann nicht nur auf dem Platz alles, sondern ist auch in der Kabine ein absoluter Zugewinn. Und das Beste an dem Transfer ist: Steffen hat für zwei Jahre unterschrieben. Wir werden lange viel Freude an diesem Spieler haben!“

Steffen Krautschneider schildert seine Motivation für den Wechsel mit den Worten: „Ich kenne Muri und Jürgen seit vielen Jahren und mit Muri habe ich mich schon auf dem Platz bestens verstanden. Mir gefällt es, wie er über Fußball denkt und wie er spielen lassen möchte. Natürlich hat es meine Entscheidung beeinflusst, dass er nun in Landsberg wieder am Ruder steht. Auch die Gespräche mit Mike Hutterer haben mich positiv gestimmt. Da sind junge Leute am Werk, die was bewegen wollen und das hat mich überzeugt.“

Der 29-Jährige spielte sechs Jahre in der Regionalliga für den 1. FC Schweinfurt 05 (49 Tore/25 Assists), bevor er sich 2019 dem FC Pipinsried anschloss. Sieg folgte auf Sieg und auch der TSV Landsberg durfte die Spielstärke des souveränen Tabellenführers hautnah erleben: Am 15. Spieltag setzte es eine 1:5-Heimpleite. Krautschneider erzielte zwei Treffer. Woher kommt diese Torgefahr als Mittelfeldspieler? „Vieles ist einfach Talent und Instinkt. Ich weiß, wo ich stehen muss und kann zum Glück beide Füße einigermaßen benutzen (lacht). Aber ich muss auch sagen, dass wir in Pipinsried eine tolle Mannschaft hatten, die mir diesen Lauf möglich gemacht hat. Manches war auch leichter, weil das Niveau in der Bayernliga dann doch nicht so hoch ist wie in der Regionalliga. In Pipinsried hat alles gepasst und die Mitspieler haben mir geholfen.“

Wann geht‘s weiter?

Muriz Salemovic versichert, dass die Verpflichtung von Steffen Krautschneider nicht der letzte Zugang gewesen sei. Man wolle die Mannschaft weiter verstärken und in der Bayernliga Süd konkurrenzfähig aufstellen. Bleibt nur die allgegenwärtige Frage, wann und ob überhaupt wieder Fußball im Amateurbereich gespielt werden wird? Die Nachrichten aus den politischen Schaltzentralen in München und Berlin sind widersprüchlich und schwammig. Die Verbände können nur tatenlos zuschauen, während der mögliche Terminplan zunehmend absurder wird.

Die allabendlichen Talkshows im Fernsehen sind mittlerweile auf Facebook-Niveau herabgesunken: Es gibt viele populistisch formulierte Meinungen, aber keine konkreten Lösungsvorschläge. Und während eine FIFA-Fußball-Europameisterschaft in zwölf verschiedenen europäischen Städten mit Publikum wie ein großangelegtes Corona-Superspreading-Event anmutet, werden die Amateure weiterhin an der Ausübung ihres Sports gehindert.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare