Taubenfraß im Versuchsgarten?

Unstimmigkeiten wegen Taubenhaus im Landsberger Jesuitengarten

Versuchsgarten des Agrarbildungszentrums im Nordteil des Jesuitengartens
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Der Versuchsgarten (Foto) des Agrarbildungszentrums im Nordteil des Jesuitengartens könnte sich zu einem Festbankett für umgesiedelte Stadttauben entwickeln.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landkreis – „Tauben sind miese Viecher!“ Dieses Urteil fällt ein leidenschaftlicher Gärtner. Denn die gurrenden Tierchen picken gerne Körner. Und dazu gehört auch das Saatgut für Gemüse- oder Obstpflanzen. Der Stadtrat hatte letztes Jahr die Errichtung eines Taubenhauses beschlossen, und zwar im Jesuitengarten neben dem Heilig-­Geist-Spital. Dass dort der Versuchsgarten des Agrarbildungszentrums Landsberg unfreiwillig ein Festbankett für die Tauben bieten wird, scheint die Stadt aber nicht bedacht zu haben. 

„Das Saatgut in unserem Garten wird erfahrungsgemäß von Tauben sehr gerne gefressen“, informiert Andrea Butscher, die seit über zwölf Jahren als Versuchsfeldtechnikerin den Versuchsgarten betreut. Der Taubenbestand in Landsberg wird auf 700 Tiere geschätzt. Das Taubenhaus ist bisher nur für 40 Tiere geplant. Aber auch diese Anzahl reicht laut Butscher aus: „Bei unseren kleinparzelligen Versuchen können schon 40 Tauben viel Schaden anrichten.“

Das Phänomen nennt sich ‚Taubenfraß‘. Dabei konsumieren die Tiere nicht nur Samen, auch Pflanzen oder Obst und Gemüse werden gepickt. In ihren Anfangszeiten habe es immer wieder Probleme mit Tauben gegeben, erzählt Butscher. Die habe sie aber gut in den Griff bekommen. Zwar könnte man Vogelnetze aufspannen. Aber die Tauben und auch andere Tiere würden sich darin verfangen, eine tägliche Kontrolle sei zeitlich nicht möglich. Die Tiere würden leiden, deshalb seien Netze „eigentlich keine Lösung“.

Auch der Taubenkot werde zur Belastung, weiß Butscher. Momentan ernte man die Grün­flächen und gebe sie an einen Landwirt, der sie als Grünfutter verwerte. Wenn das wegen des Taubenkots nicht mehr möglich sei, müsse man das Grüngut mehrmals im Jahr selbst entsorgen.

„Nicht zuletzt haben sich bei uns in der Stadtmauer Turmfalken angesiedelt, die im Frühjahr brüten“, sagt Butscher. Ob sich hier deshalb überhaupt dauerhaft Tauben ansiedeln würden, sei eher fraglich.

„Mit uns ist leider vor der Wahl des Standortes nicht gesprochen worden“, bedauert der Leiter des Agrarbildungszentrums Wolfgang Stützle. Man habe erst aus der Presse den Beschluss des Stadtrates erfahren. „Daraufhin haben wir die Stadt nochmals angeschrieben, aber bisher keine Antwort auf das Schreiben erhalten.“ Dabei sei der Standort natürlich problematisch. Taubenfraß könne teilweise bis zum Totalverlust im Versuchsgarten führen, der den Schülern für Kurse und auch zur Anschauung diene. Wo genau das Taubenhaus stehen soll, ob eventuell auf dem vom Agrarbil­dungszentrum gepachteten Grundstück, sei ihnen zudem nicht bekannt. „Das ist schade, denn wir haben eigentlich ein gutes Einvernehmen mit der Stadt“, so Stützle. Er sei auch ein Tierfreund, aber vielleicht könne die Stadt doch nochmals Alternativstandorte prüfen? Er glaube, dass man da sicher eine Regelung finden werde, „aber wir wünschen uns, dass man auch mit uns redet.“

Doch ein Austausch?

Auf Anfrage des KREISBOTEN an die Stadtverwaltung, warum das Agrarbildungszentrum nicht in die Planung mit einbezogen wurde, antwortet Simone Sedlmair von der Pressestelle hingegen: „Mit dem Agrarbildungszentrum wurde sich über den Standort bereits ausgetauscht.“ Es sei bekannt, dass das Agrarbildungszentrum durch das Taubenhaus eine Beeinträchtigung bei der Ansaat der Versuchsflächen befürchte. Aber: „Die Stadt Landsberg geht davon aus, dass bei einem Taubenhaus mit regelmäßiger Fütterung der Tiere die Futtersuche außerhalb nicht mehr in großen Umfang stattfinden wird.“ Derzeit gebe es auch keine Alternativen zum Standort Jesuitengarten.
Susanne Greiner

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