Sport-Kolumne „Ganz nah dran“

Warten auf die Leichtathletik

Bruno Risi
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Holte 2004 Silber: Schweizer Radprofi Bruno Risi.
  • Thomas Ernstberger
    VonThomas Ernstberger
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Na, mal ganz ehrlich: Ist der „Olympia-Funke“ schon auf Sie übergesprungen? Sind Sie im Olympia-Fieber? Sitzen Sie stundenlang vorm Fernseher, um live zu verfolgen, was gerade in Tokio passiert? Oder nehmen Sie die Spiele eher beiläufig zur Kenntnis? Dann geht es Ihnen wie mir.

Vielleicht wird’s ja besser, wenn die Leichtathletik-Wettbewerbe, traditionell das „Herz der Spiele“, beginnen – aber bislang kann ich mich mit dieser seltsamen, teils absurden Veranstaltung in Japan nicht so recht anfreunden. Ich hab‘ tatsächlich versucht, mir die Eröffnungsfeier anzuschauen. Hat nicht besonders viel Spaß gemacht. Quälend lang - und lauter Athleten, die sich selbst mit dem Handy filmten und einem Publikum zuwinkten, das – von ein paar Offiziellen abgesehen – gar nicht da war. Geisterspiele eben. Wenn ich so sehe, was die Kollegen aus Tokio posten: Fast alle Wettbewerbe vor leeren Rängen, während die Einheimischen gegen Olympia protestieren. Dazu eine deutsche Fußball-Mannschaft, die als Rumpfteam antreten muss. Von Axel Kruses irrem Heiratsantrag mal abgesehen sind das bis jetzt nicht „meine“ Spiele.

Dabei war ich von Jugend an großer Olympia-Fan. 1972 hatte ich einen Job im Münchner Organisationskomitee. Ich habe damals alle großen Sportler live gesehen. Mark Spitz, Walerij Borsow, Ulrike Meyfarth, Klaus Wolfermann, Hildegard Falck, Heide Rosendahl und so viele mehr. Und ich habe die gedrückte Stimmung nach dem Attentat direkt vor Ort gespürt. Später u.a. Los Angeles, Seoul, Barcelona, Atlanta, Sydney, Athen, Rio – das waren alles TV-Pflichttermin. Egal, zu welcher Zeit die Wettbewerbe stattfanden. Das war dann die Geschichte mit den „olympischen Augenringen“.

Einmal bekam ich sogar eine echte Olympia-Medaille umgehängt – die silberne, die mein Schweizer Freund, der Radfahrer und Sechstage-Held Bruno Risi (Foto), 2004 in Athen gewonnen hatte. Beim Besuch bei ihm im berühmten Kanton Uri „lieh“ er mir sie kurz. Ein tolles Gefühl, mal so ein Objekt der sportlichen Begierde tragen zu dürfen.

Apropos Medaillen: Zu diesem Thema gibt’s dann doch noch eine gute Nachricht aus Tokio: Die Medaillen sind nachhaltig wie nie zuvor. Sie wurden aus 6,2 Millionen recycelten Handys hergestellt. Daraus wurden 32 Kilo Golde, 3,5 Tonnen Silber und 2,2 Tonnen Bronze für 5000 olympische und paralympische Medaillen gewonnen

Und jetzt warten wir auf die Leichtathletik (ab Freitag)...

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