Von Los Angeles "gepickt"

In die Weltelite: Landsbergerin Leonie Fiebich wechselt 2021 in die Damen-NBA

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Leonie Fiebich aus Landsberg wird demnächst in der NBA spielen.
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Leonie Fiebich aus Landsberg wird demnächst in der NBA spielen.
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Leonie Fiebich aus Landsberg wird demnächst in der NBA spielen.
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Leonie Fiebich aus Landsberg wird demnächst in der NBA spielen.
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Leonie Fiebich aus Landsberg wird demnächst in der NBA spielen.
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Leonie Fiebich aus Landsberg wird demnächst in der NBA spielen.
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Leonie Fiebich aus Landsberg wird demnächst in der NBA spielen.

Landsberg – Obwohl es mitten in der Nacht war, dürfte Leonie Fiebichs Smartphone in den Stunden von Freitag auf Samstag heiß gelaufen sein vor lauter Glückwünschen. Gegen 1 Uhr deutscher Zeit begannen die „Drafts“ der weiblichen NBA, der amerikanischen Elite-Liga im Basketball, wo sich die Spitzenclubs bei der alljährlichen Nachwuchsrekrutierung die Dienste der derzeit talentiertesten Korbjägerinnen sicherten. Mit Spannung verfolgte das Großevent auch die Landsbergerin Leonie Fiebich, die eine der Hauptrollen einnehmen sollte: Sie wurde überraschend in der zweiten Runde von den Los Angeles Sparks ausgewählt.

„Das ist immer noch ein Gänsehautmoment“, erklärt Fiebich wenige Stunden nach der Draft-Veranstaltung im Gespräch mit dem Kreisboten. „Klar war das für mich eine Überraschung, ich hätte niemals damit gerechnet.“ Denn zur Erklärung: Jahr für Jahr haben die Vereine in der nordamerikanischen Basketball-Spitzenliga wie etwa auch beim Eishockey oder beim Football die Möglichkeit, aus einer Liste an zuvor gescouteten Top-Talenten die besten auszuwählen und vertraglich zu binden. Fiebich war in der Einschätzung der Scouts auf Rang 64 gelandet, tatsächlich „gepickt“ werden davon jedoch nur 36 Talente (drei pro Verein). Auch der deutsche Basketball-Bundesverband, in dessen Trikot die 20-Jährige seit Oktober 2018 auch Länderspiele bestreitet, hätte ihr den Schritt deshalb aktuell noch nicht zugetraut, wie im Laufe der letzten Woche auf der Verbandshomepage zu lesen war. Fiebich werde „wohl dieses Jahr noch nicht gedraftet“ - es sei denn, ein Team erkenne die „Allround-Fähigkeiten“ der 1,92 Meter großen Flügelspielerin schon jetzt.

Und so sollte es schließlich kommen: Schon in den letzten zwei Wochen hätten sich insgesamt vier WNBA-Coaches telefonisch bei Fiebich gemeldet – unter anderem Los Angeles Lakers-Legende Derek Fisher, der nach seiner ruhmreichen Karriere mit 10.713 Punkten inzwischen die Damen der LA Sparks trainiert. „Er hat mich auch fünf Stunden vor den Drafts nochmal angerufen und ist sehr sympathisch. Wir haben über LA geredet, das war von beiden Seiten total entspannt“, verrät Fiebich. Und auch unmittelbar nach der Bekanntgabe ihres Drafts habe Fisher gleich den Kontakt gesucht, um zu den ersten Gratulanten zu zählen, freut sich die 20-Jährige, die nun zusammen mit Luisa Geiselsöder aus Ansbach, die ebenfalls gedraftet wurde, als erste Bayerin in die WNBA wechselt.

Was die Jungnationalspielerin ausgezeichnet? „Leo ist eine extrem vielseitige Spielerin mit einem starken Wurf aber auch gutem Abschluss am Brett, dazu ist sie noch extrem clever und ungemein athletisch“, lobt Maximilian Allert, Co-Trainer des Nachwuchsbundesligateams der TS Jahn München, der Fiebich zwischen 2015 und 2018 zur Bundesligaspielerin formte. „Super ausgebildet“ worden sei seine einstige „Allzweckwaffe“ zwar schon bei der DJK Landsberg. An der Isar habe Fiebich dann aber noch die Möglichkeit bekommen, sich Woche für Woche „auf hohem Level zu messen“, so Allert gegenüber dem Kreisboten.

Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen, hatte die Lechstädterin in der letzten Saison aber kaum. Bei der U19-Weltmeisterschaft im letzten Sommer hatte sie sich ihren zweiten Kreuzbandriss zugezogen und musste unters Messer. Nach der Reha kämpfte sich die Landsbergerin erst in den Tagen vor der Corona-Pause endgültig aufs Bundesligaparkett zurück, wo sie seit Sommer 2018 im Dress des TSV 1880 Wasserburg aufläuft: In ihrem einzigen Saisoneinsatz gegen Heidelberg Anfang März sammelte die 20-Jährige prompt 23 Punkte und drei Rebounds und war damit Garantin für den 73:66-Sieg. Während Coach Sidney Parsons ihrer Rückkehrerin ein „herausragendes Spiel“ bescheinigte, sei Fiebich selbst schlichtweg „froh gewesen, wieder schmerzfrei gespielt“ zu haben, wie sie nun sagte.

Die Corona-Pandemie, die danach auch in Bayern ihre ersten Opfer suchte, brachte das Comeback der Landsbergerin aber gleich wieder ins Stocken. Und nicht nur das: Auch die WNBA, die immer während der Sommermonate ausgetragen wird und deren Start für Mitte Mai vorgesehen war, dürfte sich nun verschieben. Deshalb hält es Fiebich für sehr wahrscheinlich, dass sie erst im Sommer 2021 nach Los Angeles wechselt und die nächste Bundesligasaison noch für Wasserburg absolviert. Die Vertragsverhandlungen für eine weitere Saison in Deutschland habe sie mit ihrem Verein bereits aufgenommen, sagt sie.

Die Corona-Pause nutzt Fiebich ansonsten zum Laufen und für Home-Workouts. Auf den Basketball muss sie allerdings verzichten. „Die Hallen sind hier in Wasserburg auch zu und einen eigenen Korb habe ich leider nicht“, bedauert sie. Der Gedanke, sich in den nächsten Jahren mit den weltbesten Basketballerinnen auf dem Spielfeld messen zu dürfen und sich damit einen echten Traum zu erfüllen, dürfte die coronabedingte Auszeit aber wohl etwas erträglicher machen.
Marco Tobisch

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