"Ich gehe aufs Feld, um zu gewinnen"

+
Quarterback Jason Bertrand: „Ich hatte vorher nie Probleme mit meinen Trainern.“

Landsberg – An irgendeiner Stelle muss es wohl ein größeres Missverständnis zwischen dem Landsberg X-Press und seinem Quarterback Jason Bertrand gegeben haben. Der Kanadier verabschiedete sich nach der Saison sichtlich frustriert aus Landsberg, beim Football-Drittligisten waren einige zum Schluss mit seiner Vorstellung ebenfalls nicht mehr zufrieden.

Dabei war bereits ab Mitte der Saison offenbar klar, dass sich die Wege trennen würden, wie Präsident Knut Dins auf Anfrage des KREISBOTEN bestätigt. Er räumt auch die „starken Differenzen“ zwischen Bertrand und X-Press-Cheftrainer Martin Hintermayr ein. Diese gipfelten darin, dass Bertrand nach seiner Kritik an Abläufen in Training und Spielen bereits im Sommer sogar eine vorzeitige Heimreise angeraten wurde. Dieses „interne Thema“ wolle man allerdings „nicht in den Medien breittreten“, so Dins.

Der Spieler selbst hatte zuletzt moniert, dass er mit falschen Vorstellungen zurück an den Lech geholt worden sei. „Es war die Rede davon, dass man den Aufstieg in die 2. Liga schaffen will und langfristig wieder ein Projekt in Richtung 1. Liga aufbauen will, wie es Landsberg schon einmal hatte“, sagt der 26-Jährige. „Wäre das nicht so gewesen, hätte ich sicher eines der anderen Angebote angenommen, die ich hatte.“

In der Kabine geklärt

Eine Aussage, die Dins nicht nachvollziehen kann. Über ein solches Ziel sei weder nach der Saison 2013 noch vor der Saison 2014 gesprochen worden. Bereits vor dem ersten Spiel in der Regionalliga sei das in der Kabine endgültig geklärt worden. Präsident Dins: „Somit war das allerspätestens vor der Saison, im März, klar, auch wenn er es anschließend bei der Spielervorstellung wieder von sich gab.“

Zwar sei es tatsächlich „ein längerfristiger Plan“, Landsberg wieder in die 2. Liga zu bringen, daran sei aber im Moment überhaupt nicht zu denken. Der Aufstieg würde alleine „ein Minimum von 50000 Euro an Verbandsabgaben und technischen Anforderungen“ kosten, „ohne den Mehraufwand für Trainer und Spieler zu berücksichtigen.“

Einen weiteren Kritikpunkt des Spielmachers will man ebenfalls so nicht stehenlassen. Nachdem man drei der vier Spiele zu Saisonbeginn gewonnen hatte, sei das Ziel Klassenerhalt praktisch geschafft gewesen, habe man ihm bedeutet, so Bertrand. Danach sei der Aufwand in Training und Spiel merklich gesunken. Negativer Höhepunkt aus seiner Sicht: „Vor dem Spiel in Ingolstadt hat die Mannschaft offenbar vereinbart, dass man diesen Gegner nur zu Beginn in Rückstand bringen will, was bis dahin noch kein Team geschafft hatte. Das Endergebnis wäre gleichgültig. Davon wusste ich nichts. Ich gehe aufs Feld, um zu gewinnen.“

Tatsächlich schaffte man das 6:0 bei den Dukes, verlor die Partie dann aber ebenso wie alle Spiele nach dem letzten Sieg im Mai in Feldkirchen. Einem vorzeitigen „Abschenken“ der Saison widerspricht Dins dennoch klar. „Kein Team geht aufs Feld, um zu verlieren. Auch wir fanden es schade, dass häufig das letzte Quäntchen Glück gefehlt hat. Die Jungs mussten sich an das gestiegene Niveau gewöhnen und Lehrgeld bezahlen. Dennoch haben sie nie aufgeben und bis zuletzt gekämpft.“ Der Wille sei immer erkennbar gewesen, „sowohl im Training als auch auf dem Feld. Und das rechne ich jedem hoch an.“

Wunderbare Zeit

Bleibt die Frage, wie es für alle Beteiligten weitergeht. Bertrand sondiert derzeit sowohl Angebote aus der Canadian Football Legue (CFL) als auch von europäischen Vereinen und äußert Bedauern über die Begleitumstände seines Abschieds: „Ich spiele seit 18 Jah- ren Football und hatte vorher nie Probleme mit meinen Trainern. Es war eine wunderbare Zeit in Landsberg, schade, dass sie so zuende geht.“ 

Im Nachwuchs dürfte man die engagierte Arbeit des Kanadiers künftig durchaus vermissen, wie zu hören ist. Bei den Seniors geht man die nächste Saison dagegen durchaus ruhig an, wie Dins betont. Dass einige Spieler angeblich nicht mehr weitermachen wollen, lässt ihn nicht bange werden. „Jedes Jahr gab es nach der Saison Spieler, die aus verschiedenen Gründen die Mannschaft verlassen haben. Wir sind froh, dass unsere Spieler hier schon früh auf uns zugekommen sind und uns die Möglichkeit geben, rechtzeitig zu planen.“

Man werde aber für die Saison 2015 „eine schlagkräftige Truppe“ für die Regionalliga beisammen haben, sagt der Vereinschef. „Es ist logisch, dass das bei einem Verein wie dem X-Press, der nicht von einem finanzstarken Investor, aber dafür umso mehr vom Engage- ment und der Leidenschaft der Spieler selbst lebt, etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.“ Für die kommende Saison sei aber klar: „Wir werden wieder einen Weg finden!“

Christoph Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

Riverkings weiterhin wie eine Dampfwalze
Riverkings weiterhin wie eine Dampfwalze
Guido Kandziora coacht künftig TSV-Kicker
Guido Kandziora coacht künftig TSV-Kicker
Markus Klingl erfolgreichster WM-Starter
Markus Klingl erfolgreichster WM-Starter
Weiter mit beiden Teams
Weiter mit beiden Teams

Kommentare