X-Men im Nachteil

Ein paar entscheidende Fehler mehr

+
Taktik hin, Taktik her – am Ende verloren die X-Men (Foto) gegen Neu-Ulm, weil sie ein paar entscheidende Fehler mehr machten als die Spartans.

Landsberg – „Wer weniger Fehler macht, gewinnt das Spiel“ – das wäre in etwa die jugendfreie Variante des Satzes, mit dem Co-Trainer Christian Kerz das 34:48 des Landsberg X-Press gegen die Neu-Ulm Spartans gegenüber seinem Präsidenten Knut Dins nach Spielschluss zusammenfasste. Genau wie die 250 Zuschauer hatte auch er gesehen, dass sich die Gastgeber gegen den ungeschlagenen Tabellenführer zwar keineswegs zu verstecken brauchten, aber eben in den entscheidenden Situationen des Spiels durch Patzer einen möglichen Erfolg selbst aus der Hand gaben.

Allerdings trugen auch die Schiedsrichter an diesem Tag ihr Scherflein zur Landsberger Niederlage durch eine ganze Reihe von umstrittenen Entscheidungen bei. Als etwa beim Stand von 8:8 zweimal zu Unrecht Passbehinderung durch die X-Men verkündet wurde, stieß dies zum einen auf hörbaren Unmut der Zuschauer und verursachte außerdem sichtliche Verunsicherung in der Defense, die dann von der 1-Yard- Linie den Touchdown der Gäste nicht mehr verhindern konnte.

„Es waren ein paar Calls dabei, die uns das Leben schon sehr schwer gemacht haben“, sagt auch Dins, selbst mit jahrelanger Erfahrung im Schiedsrichter-Bereich. „Aber weggegeben haben wir das Spiel letztendlich schon selbst.“

Zu sehen war das exemplarisch kurz vor der Halbzeit. Zweimal hatte sich Brandon Watkins durchgetankt, zweimal hatte Antonio Harris die 2-Point-Conversion genutzt, die Gastgeber führten mit 16:15. Dins: „Wenn dann Ulm 37 Sekunden vor der Pause in Ballbesitz kommt, sollten die nicht mehr punkten können.“ Genau das taten die Gäste aber. Die Landsberger ließen den Passempfänger sträflich frei stehen, der bedankte sich mit dem Touchdown zum 16:21 auf seine Weise.

Der nächste Lapsus folgte in ähnlicher Weise direkt nach Wiederanpfiff – schon musste der X-Press einem 16:28-Rückstand hinterherlaufen. Zwar verkürzte Watkins durch einen weiteren schönen Lauf, doch dann schlug auch sein Gegenüber zu. Robin Otto kann es zwar bei knapp 100 Kilo Körpergewicht nicht mit der Schnelligkeit von Watkins aufnehmen, doch „wenn der einmal in Bewegung ist, ist er schwer wieder zu stoppen“, weiß Knut Dins. Einmal hingen drei Verteidiger an Otto, einmal sogar vier, trotzdem schaffte er es bis an die 2-Yard-Linie und später sogar zum nächsten Touchdown zum 22:40.

Unverhofft kam man allerdings doch noch einmal durchaus in die Nähe eines Sieges. Nach zwei weiteren Touchdowns, einmal durch Watkins und einmal nach einem schönen Pass auf Christian Raphael hieß es eine Minute vor Schluss nur noch 34:41. Dann vergab man jedoch auch die letzte Chance. Als die Verteidigung den Angreifer der Neu-Ulmer im 4. Versuch in der Mitte schon gestoppt hatte, riss sich dieser doch noch los und sprintete zum Erstaunen der Defense in die Endzone – mit dem 34:48 war das Spiel dann endgültig entschieden.

Die Fehler müsse man in den eigenen Reihen suchen, befand Dins und ließ auch die zahlenmäßige Überlegenheit der Gäste (42 Spieler gegenüber 28 beim X-Press) nur teilweise gelten. Andererseits habe man sich in den letzten Wochen auch schwer getan, entscheidende Abläufe in der Offensive einzuüben. „Im Training sind oft viele Receiver aus Verletzungs-, Krankheits- und anderen Gründen ausgefallen. Da passt dann einfach im Spiel das Timing mit dem Quarterback nicht.“ Dementsprechend schwer tat sich Watkins immer wieder, Anspielstationen zu finden, diesmal musste der Amerikaner mehrere „Sacks“ hinnehmen. „Da muss unsere Offense Line ihn in Zukunft aber auch besser warnen“, meint der Präsident, „wenn der Gegner von hinten kommt, sieht er den nun einmal nicht.“

Für die X-Men hat die Niederlage in der Tabelle keine direkten Auswirkungen. An den Play-Offs zur 2. Liga hätte man aus finanziellen Erwägungen ohnehin nicht teilnehmen können, mit 8:6 Punkten hat man andererseits auch mit dem Abstieg nichts zu tun, weil definitiv Feldkirchen (0:16) und Burg- hausen (2:14) den letzten Platz untereinander ausmachen. „Trotzdem war es schon unser Ziel, den Tabellenführer zu schlagen“, stellt Dins klar, „und das wird es auch in zwei Wochen in Neu-Ulm wieder sein.“

Zuvor steht noch am Sonntag, 19. Juli (16 Uhr), die Partie beim Nachbarn in Fürstenfeldbruck an. „Nach der unnötigen 14:31-Niederlage im Heimspiel haben wir da auch noch eine Rechnung offen“, so der Präsident.

Christoph Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

X-Press rollt ungebremst weiter
X-Press rollt ungebremst weiter
Vorzeitige Rettung verpasst
Vorzeitige Rettung verpasst
Weiter ungeschlagen
Weiter ungeschlagen
Das Schicksal in der eigenen Hand
Das Schicksal in der eigenen Hand

Kommentare