Verena Bentele ist begeistert vom Inklusionsprogramm des DAV

Mit "No Limits" auf Tour

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 Auf Skitour: Verena Bentele mit Bergführer Tom Listle.

Tannheim – Vor Kurzem unternahm Verena Bentele die erste Skitour ihres Lebens. Gemeinsam mit einem Bergführer stieg die blinde, zwölffache Paralympics-Siegerin im Biathlon in einer kleinen Gruppe rund 300 Höhenmeter bis zu einer Hütte auf und fuhr mit ihren Ski anschließend wieder ab.

Die Tour war der Abschluss ihres Aufenthalts in der Jugendbildungsstätte Bad Hindelang im Oberallgäu. Dort hatte Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, zuvor am „No-Limits“-Programm der Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) teilgenommen.

„No-Limits ist ein einzigartiges Angebot für junge Erwachsene mit und ohne Behinderungen. Gemeinsam Sport treiben, die Natur erleben und Grenzen überwinden, das ist für mich ein gelebtes Miteinander.“, sagte Verena Bentele im Anschluss an ihre No-Limits-Erfahrungen. Zusammen mit 14 teils behinderten und teils nicht behinderten jungen Erwachsenen war Bentele eineinhalb Tage lang bei verschiedenen Bergsportaktivitäten dabei – beispielsweise auf Schneeschuhtour.

No-Limits-Kurse gibt es seit 15 Jahren. „Jeder redet von Inklusion“, sagt Annika Höllerl, in der JDAV-Bundesjugendleitung für dieses Thema zuständig. „Wenn es dann aber wirklich drauf ankommt, ist oft nichts mehr mit Chancengleichheit. Deshalb setzen wir Inklusion um, wo die meisten denken, es geht nicht: in den Bergen und beim Bergsport.“ „Vieles ist im sportlichen Bereich für Menschen mit Behinderung möglich, wenn wir es nur ausprobieren“, fügt Verena Bentele an und wird konkret: „Man müsse sich viel öfters fragen, wie, mit welcher Technik und welcher Assistenz kann ein Aufstieg oder eine Abfahrt gelingen.“ Bentele weiter: „Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, unterschiedlicher Fitness und verschiedenen Bedürfnissen brauchen genauso individuelle Unterstützung wie andere Sportler auch. Ich selbst beispielsweise bin nicht ängstlich und brauche daher vor allem jemanden, der bei schnellen Abfahrten präzise reagieren kann.“

Dass es geht, stellt Verena Bentele dann selbst unter Beweis: Zusammen mit Bergführer Listle macht sie von Schattwald im Tannheimer Tal eine Skitour auf die Stuibenalpe. Mit einer sehbehinderten Weltmeisterin auf Skitour: Das ist auch für Bergführer Listle eine Premiere. Seit zwölf Jahren ist er für das No-Limits-Programm tätig. „Das macht mir viel Spaß“, sagt der Oberbayer, der 22 Jahre lang als Leiter einer Behindertenwerkstatt tätig war. „Fast alle alpinen Sportarten kann man mit Menschen mit Behinderungen betreiben“, sagt er. „Vom Bergwandern bis zum Klettern.“

Eine perfekte Mischung

Leichte Hochtouren seien genauso möglich wie ein mehrtägiges Trekking. „Skitourengehen mache richtig Spaß und sei ganz entspannend.“, sagt Verena Bentele bei der ersten kurzen Pause: „Das ist die perfekte Mischung zwischen Langlauf und Alpinfahren.“ Ohne Probleme meistern die beiden auch die Abfahrt. Wie beim Aufstieg beschreibt der Bergführer das Gelände und gibt Verena Bentele Tipps: links, rechts, stopp oder weiter. Sie hat den ruhigen Aufstieg ebenso genossen wie die zügige Abfahrt berichtet die 33-Jährige von der ersten Skitour ihres Lebens. Richtig gut habe sie sich gefühlt mit ihrem Bergführer: „Thomas hat wirklich super begleitet. Das war bestimmt nicht meine letzte Tour.“

Verena Bentele ist eine ehemalige deutsche Biathletin, Skilangläuferin, vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-Siegerin. Sie ist von Geburt an blind und wuchs auf dem Bio-Bauernhof ihrer Eltern bei Tettnang in der Bodensee-Region auf. Sie studierte in München Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Im November 2011 erklärte sie das Ende ihrer sportlichen Karriere. 2013 bestieg sie den Kilimandscharo, mit 5895 Metern Höhe der höchste Berg Afrikas. Im Januar 2014 wurde sie zur Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen bestellt. Bereits zweimal hat sie mit einem Partner in Norwegen einen Radmarathon über 540 Kilometer nonstop auf dem Tandem absolviert.

No-Limits

Integration durch Herausforderung und Anerkennung ist das Ziel der No-Limits-Kurse bei der Jugend des Deutschen Alpenvereins. Das Programm richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Bei gemeinsamen Unternehmungen im Sommer und Winter sollen behinderte und nicht behinderte junge Menschen „Grenzen erfahren und verschieben“, so das Motto des Programms. Bei verschiedenen Aktivitäten wie Wandern, Klettern oder Schneeschuhgehen lernen sich gehandicapte und nicht behinderte Jugendliche kennen. Zudem wird einmal im Jahr eine mehrtägige Gebietsdurchquerung von Hütte zu Hütte angeboten. Im Mittelpunkt stehen gegenseitige Hilfe, Respekt und Anerkennung. Seit 2000 gibt es die No-Limits-Kurse, die in der Jugendbildungsstätte des Alpenvereins in Bad Hindelang abgehalten werden. Der No-Limits-Sommerkurs findet heuer vom 21. bis 27. August in Bad Hindelang statt. Mehr über im Internet unter: www.jdav.de.

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