Verband gegen Geisterspiele

Amateurfußballer im Kreis Zugspitz warten auf Signale

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„Wir können nur das umsetzen, was Söder und Co. uns vorgeben“, sagt Heinz Eckl, Spielleiter im Kreis Zugspitz. Dort treten auch Benedikt Multerer (rot) und sein TSV Peiting an.

Landkreis – Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) und seine Vereine haben am Gründonnerstag eine eindeutige Botschaft formuliert: Partien unter Zuschauer-Ausschluss infolge der Covid-19-Pandemie, sogenannte Geisterspiele, wird es im Freistaat nicht geben. Diese Grundhaltung des BFV haben die Vertreter der über 4.600 bayerischen Vereine entsprechend bestätigt, teilte der Verband mit.

„Der Amateurfußball und seine Vereine leben auf ganz unterschiedliche Art und Weise von Zuschauern“, sagt BFV-Präsident Rainer Koch. Das bestärke in dem Vorgehen, Profis und Amateure in dieser Hinsicht gänzlich differenziert zu betrachten. Sein BFV als größter Landesverband unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hatte zuvor in fast 70 Video-Konferenzen mehr als 5.100 Vereinsvertreter über die aktuelle Lage sowie die weitere Vorgehensweise informiert und dabei auch Meinungsbilder abgefragt. Regionalkonferenzen auf Bezirksebene sollen sich anschließen.

Klar sei auch, so der BFV, dass der Verband sich bei seinen weiteren Überlegungen nicht über staatliche Erlasse und Vorgaben hinwegsetzen könne. „Letztlich geht es darum, dass die Vereine eine mittelfristige Planungssicherheit erhalten, was den Spielbetrieb und die aktuell unterbrochene Saison angeht. Auch das war der klare Tenor aus den persönlichen Gesprächen“, sagt BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der im Präsidium für den Spielbetrieb verantwortlich zeichnet: „Entscheidend wird sein, welche weiteren staatlichen Einschränkungen auch für die Zeit nach dem 19. April gelten. Danach müssen wir uns zwingend richten und darauf die richtigen Antworten liefern.“ Oberstes Gebot bei den Überlegungen sei es, allen Vereinen größtmögliche Flexibilität zuzugestehen. Einen Saisonabbruch bezeichnete er als stupide. „Das sehen wir alle gerade in England, wo Klubs eine Klagewelle auslösen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen und die Annullierung sogar wieder einkassiert werden muss, weil sie rechtlich nicht haltbar ist.“

Der BFV hat seine Spielordnung entsprechend der DFB-Beschlüsse hinsichtlich einer Saisonverlängerung, der Anpassung der Wechselperiode, des Insolvenzrechts und der Wechselfrist bei Spielern mit sechsmonatiger Inaktivität, geändert. Der DFB hatte beschlossen, die Statuten zu lockern, um den Landesverbänden mehr Handlungsspielraum zu geben. Sie können nun die aktuelle Saison bis hinunter zur C-Klasse beliebig lange verlängern. Selbst der Ausfall der Spielzeit 2020/2021 wäre möglich. Inzwischen macht sich allerdings die Skepsis breit, ob in diesem Jahr überhaupt noch dem Ball hinterher gejagt werden kann.

„Wir können nur das umsetzen, was Söder und Co. uns vorgeben“, sagt Kreisspielleiter Heinz Eckl. Solange das öffentliche Leben ruht und die Sportplätze und -hallen geschlossen sind, steht für ihn eine Rückkehr zum Spielbetrieb im Amateurbereich völlig außer Frage. „Erst wenn diese Maßnahmen gelockert werden, können wir weiterreden.“

Geisterspiele sieht auch Eckl als keine Alternative – nicht zuletzt, weil es in den unteren Ligen nur schwer umsetzbar ist. Die meisten Plätze sind nicht umzäunt und von vielen Seiten zugänglich. Eine Absperrung wäre praktisch nicht machbar und „fernab jeglicher Realität“. Er hofft auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs, wann auch immer das sein sollte. Im Vordergrund sieht er dabei die Wahrung der sportlichen Fairness. Über allem steht aber letztlich die Gesundheit und deshalb wäre für Eckl auch ein Saisonabbruch denkbar. „Dann verlieren wir zwar eine Saison, aber dafür sind wir alle noch am Leben.“

kb/hal

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