Üben in Geduld

Fußball-Verband verschiebt Re-Start um zwei Wochen nach hinten

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Auf Anweisungen – hier folgt der SV Raisting den Ausführungen seines Trainers Johannes Franz – warten die bayerischen Fußballer in Sachen Saisonfortsetzung.

Landkreis – Die Fußballer müssen weiter warten. Nachdem aktuell nicht davon auszugehen ist, dass die Bayerische Staatsregierung vor dem 1. September 2020 über eine Wiederaufnahme des Wettkampfspielbetriebs im Amateurfußball entscheidet, hat der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) gezwungenermaßen den für Anfang September geplanten „Re-Start“ um 14 Tage verschieben müssen. Schwierig ist auch im Fußball die Situation rund um das Thema Zuschauer.

Nun soll die wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Spielzeit am Wochenende 19./20. September fortgesetzt werden, sofern es die staatlichen Vorgaben dann zulassen. Der BFV legte aber auch fest, dass Spiele, etwa Nachholpartien oder solche im Toto-Pokal, ausgetragen werden können, wenn es beide Vereine ausdrücklich wünschen und es von staatlicher Seite gestattet ist.

Der BFV machte mit diesem Beschluss deutlich, dass es wichtig sei, den Vereinen „eine gewisse Vorlaufzeit zur Umsetzung der dann hoffentlich geltenden Hygienekonzepte einzuräumen“. BFV-Präsident Rainer Koch stellte klar, was die Fußballer von den politischen Entscheidungsträgern erwarten. „Der Ball liegt jetzt in der Spielhälfte der Politik, sie muss entscheiden, ob sie mitspielt oder ob sie Euch, unsere über 4.500 Vereine, weiter im Abseits stehen lässt und damit Eure Existenz aufs Spiel setzt“, schreibt Koch.

Dem zuständigen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration (StMI) hatte der BFV bereits am 13. August ein entsprechend detailliert ausgearbeitetes Hygiene-Musterkonzept für einen Re-Start mit Zuschauern zum 5. September vorgelegt.

„Wir wissen um die große Ungeduld bei unseren Fußballern“, erklärte Koch. „Bei alledem, was jetzt entschieden wird, muss die Gesundheit aller an oberster Stelle stehen. Das ist uns absolut bewusst. Deswegen waren wir quasi durchweg im Kontakt mit der Politik und haben zugleich einen Weg aufgezeigt, wie wir den Spielbetrieb mit einem Höchstmaß an Gesundheitsschutz umsetzen können – nicht nur im Fußball, sondern für alle Mannschaftssportarten mit Körperkontakt, die im Freien stattfinden.“

Blick zum Nachbarn

In dem Schreiben an das Ministerium verweist Koch unter anderem darauf, dass beispielsweise kulturelle oder religiöse Veranstaltungen unter freiem Himmel längst wieder stattfinden können und dabei bis zu 400 Besucher zugelassen sind. „Wir sind der festen Auffassung, dass zumindest diese Vorgaben, die sich als sicher erwiesen haben und mittlerweile etabliert sowie anerkannt sind, auch für den bayerischen Amateurfußball gelten müssen“, sagt Koch. Ein Fußballplatz biete in den meisten Fällen weitaus mehr Platz, um Abstandsregelungen einhalten zu können, als etwa eine Freilichtbühne.

Gleichzeitig führte er als Beispiel, wie es gehen kann, das benachbarte Württemberg an, wo von staatlicher Seite aktuell schon wieder 500 Zuschauer bei Fußballspielen zugelassen sind.

»Sonst geht zu viel kaputt«

„Warum also nicht auch beim Amateurfußball in Bayern?“, fragt sich der Kreisspielleiter Heinz Eckl. Seine Vereine hätten die Hausaufgaben gemacht und seien wie die anderen bayerischen Clubs startklar. „Es muss jetzt losgehen, ansonsten geht zu viel kaputt“, macht Eckl unmissverständlich klar. In Sachen Spielplan bittet er weiter um Geduld. Diesen wird es erst geben, sobald die Regierung die Freigabe erteilt. „Wir haben die klare Ansage, dass keine Spiele angesetzt werden, solange es kein grünes Licht gibt“, betont Eckl.

Doch nicht nur in Württemberg, auch woanders sind bereits wieder Zuschauer zugelassen. Genau 1.895 waren es etwa, die in der Vorwoche das 1:1-Unentschieden in der Regionalliga Nordost zwischen Drittliga-Absteiger Carl-Zeiss Jena und dem SV Babelsberg verfolgten. Das waren exakt 1.895 Fans mehr, als in allen mehreren hundert Testspielen auf bayerischem Boden in der vergangenen Woche – zumindest offiziell.

Denn trotz dem Verbot der bayerischen Staatsregierung suchen und finden Zuschauer Lücken, um beim Fußball vor Ort dabei zu sein. Vereine mit einer öffentlichen Gaststätte, wie beispielsweise der TSV Altenstadt, befinden sich dabei in einer relativ komfortablen Lage: Rechtlich werden die Besucher, die auf der Terrasse sitzen und von dort das Fußballspiel verfolgen, als Gäste der Gastronomie bewertet und eben nicht als Zuschauer. Dies hatte der Bayerische Fußball-Verband in Abstimmung mit der Bayerischen Staatsregierung vor kurzem konkretisiert.

105 Minuten Gassipause

Reine Vereinsheime, die von Ehrenamtlichen des Clubs bewirtschaftet werden, und die zum Teil auch über große Frei­flächen weitab vom Spielfeld verfügen, wie beispielsweise beim SV Polling oder dem ASV Habach, dürfen hingegen keine Gäste bewirten. Ganz vom Fußball ausschließen lassen sich die hartnäckigen Fans deshalb aber freilich nicht, auch wenn wie in Peiting, nachdem alle Spieler, Betreuer und Schiedsrichter im Stadion sind, ganz einfach zugesperrt wird.

Wenn die Plätze direkt an Straßen grenzen, und davon gibt es in der Region viele, versammeln sich nach Spielbeginn die interessierten „Spaziergänger“ hinter dem Zaun, um eine 105-minütige Pause einzulegen, bei der sie zufällig in Richtung Sportplatz schauen. Für die Vereine hat diese Situation nur Nachteile.

Bilder in der Zeitung mit Fans am Zaun im Hintergrund sehen schlecht aus und für die Einhaltung von Abstandsregeln gibt es keinerlei Handhabe. Zudem könnten die Clubs bei einer Bewirtung der Zuschauer bei den Testspielen durchaus den einen oder anderen Euro einnehmen. Was angesichts der großen Löcher in der Kasse, da die Vereine seit März keinerlei Einnahmen verzeichneten, ein großes Problem ist.

Die Situation zum Thema Publikum wird sich in Bayern allerdings erst einmal nicht ändern. Das bayerische Gesundheitsministerium hat die sechste Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die am vergangenen Sonntag ausgelaufen wäre, bis 2. September verlängert, und damit bleiben die Zuschauer offiziell weiterhin ausgeschlossen. 

hal

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