Im Kreis fahren ist die Kür

Jan Kasperlik und sein Allied-Team wollen in die GT3-Serie aufsteigen

Jan Kasperlik mit dem neuen Porsche für die GT3-Serie
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Jan Kasperlik mit dem neuen Porsche für die GT3-Serie, der in der Huglfinger Werkstatt für die kommende Saison fit gemacht wird.

Huglfing – Das Allied-Team aus Huglfing macht sich in der Rennsportszene einen immer besseren Namen. In diesem Jahr holte sich die Truppe um Jan Kasperlik in der GT4-Klasse zwei Meisterschaften. Was der Teamchef dazu sagt und was seine Pläne sind, verriet er dem Kreisboten.

Herr Kasperlik, wie fällt Ihre Bilanz nach der Rennsaison aus?
Kasperlik: „Nicht zuletzt wegen Corona war es schon schwierig. Die Termine waren sehr eng gesteckt, weil letztlich keine Rennserie ausfiel. Die Rennen, die wir normalerweise in sieben Monaten bestreiten, wurden in vier Monaten gefahren. Das führte natürlich zu etwas Stress. Trotzdem lief es für uns sehr gut. Aus Team-, aber auch Fahrersicht, war es ein Megajahr. Zwei Meistertitel in der GT4 Europe Serie und in der ADAC Serie einzufahren ist schon toll.“
Was war für Sie das persönliche Highlight?
Kasperlik: „Jeder Sieg ist etwas besonderes. Der Sieg in Zandvoort zusammen mit Bastian Buus in überlegener Manier war aber schon ein herausragendes Ereignis.“
Mit Bastian Buus, der erst 17 Jahre alt ist, sind Sie in diesem Jahr zum ersten Mal gefahren. Wie sind Sie auf den jungen Dänen gestoßen?
Kasperlik: „Bastian haben wir beim Kartsport selbst entdeckt. Wir schauen da selbst nach Talenten. Wir laden dann Kandidaten ein, bei uns am Simulator zu fahren. Da sieht man relativ schnell am Bremsverhalten, wer Talent hat und wer nicht. Die möglichen Fahrer kommen dann mit auf die Rennstrecke, wer sich da als geeignet erweist, wird in unser ‚Juniorprogramm‘ aufgenommen. Die Kandidaten bekommen dann die komplette Fahrausbildung und da ist Bastian einfach herausgestochen.“
Vom Alter könnte man fast ein Vater-Sohn-Gespann mit Ihnen und Bastian vermuten.
Kasperlik: „Nein, nein. Ich fühle mich vom Kopf deutlich jünger. Und Bastian ist gefühlt deutlich älter. Dadurch ist der Unterschied nicht so groß. Ich bin im Vergleich zu Bastian sogar eher der Kindskopf. Beim geistigen Alter liegen wir vielleicht nur fünf Jahre auseinander. Vater und Sohn auf ein Auto würde auch nicht funktionieren.“
Man fährt als Fahrer alleine, ist aber im Team unterwegs. Wie muss man sich das vorstellen?
Kasperlik: „Als Fahrer musst du die Gemeinschaft in den Vordergrund stellen. Du willst gewinnen, aber das will auch das Team. Das war heuer das große Glück bei uns, weil alle für ihre eigenen Befindlichkeiten Abstriche in Kauf genommen haben. Sie haben den Teamerfolg über alles andere gestellt, weil alle wussten, dass wir viel erreichen können. Jeder hat alles gegeben. Da schaute keiner auf die Uhr oder jammerte. Nach der Rennstrecke ging es in die Werkstatt und dann gleich wieder los. Unterm Strich war es eine tolle Mannschaftsleistung.“
Apropos Mannschaft. Wie groß ist der „Allied-Tross“ inzwischen geworden?
Kasperlik: „Im Motorsportteam sind wir inzwischen 25 Leute. Je nachdem wie viele Autos wir am Start haben sind dann zwischen 17 Leuten bei den ADAC-Rennen und 14 bei der GT4 European Series auf der Rennstrecke dabei. Unsere Stammmannschaft sind vier bis sechs Mechaniker, zwei LKW-Fahrer und drei bis vier Ingenieure.“
Bei der Teamgröße ist die Organisation der Reisen, Unterkünfte, das Planen der Tests und so weiter wohl deutlich mehr Arbeit, als auf der Rennstrecke schnell im Kreis zu fahren, oder?
Kasperlik: „Schnell auf der Rennstrecke zu sein, ist wirklich der kleinere Teil. Der aufwendigste Teil ist die Vorbereitung. Es fängt mit der Reisebuchung an. Sobald der Rennkalender heraus ist, wird sie gemacht, wobei wir darauf achten das möglich kostengünstig zu halten. Dann muss geplant werden, wie der Einzelne an die Rennstrecke kommt, mit unserem Teambus oder mit dem Flugzeug. Auch da wird geschaut, wie der Zeitaufwand ist und was es kostet. Wenn auf der Rennstrecke alles startklar ist, ist die Hauptarbeit getan. Im Kreis fahren ist dann nur noch die Kür.“
Das Allied-Team ist in diesem Jahr kreuz und quer durch Europa getingelt. Wie viele Kilometer sind da zusammengekommen?
Kasperlik: „Wir haben inzwischen drei Sattelzüge im Einsatz. Alles in allem waren es 45 000 Kilometer.“
Sie planen bestimmt schon die kommende Saison. Was hat das Allied Team in 2021 vor?
Kasperlik: „Das Programm steht. Wir bleiben im GT4-Sektor aktiv, der hat uns ja auch stark gemacht. Das bleibt unser Hauptgeschäft. Wir entwickeln uns aber auch in dem GT3-Bereich weiter. Wir werden mit einem Porsche bei der GT World Challenge starten, das ist das absolut höchste Profiniveau.“
Was wird sich in der neuen Rennklasse ändern, werden Sie selbst auch fahren?
Kasperlik: „Ich werde mich auf den GT3-Bereich konzentrieren und aus dem GT4-Auto aussteigen. Es gibt auch in der Serie weiterhin einen Fahrerwechsel während des Rennens. Ich werde einen neuen Partner bekommen. Nic Schöll, der ein Jahr woanders fuhr, kehrt zu uns zurück und fährt die Serie zusammen mit mir. Die GT3-Fahrzeuge kommen der Formel-Technik nahe. Sie haben mehr Leistung und sind deutlich schneller. Der Hauptunterschied ist die Aerodynamik. Das GT4-Auto hat bei 200 km/h etwa 140 Kilo Anpressdruck und bei der GT3 sind es 1 000 Kilo. Das heißt, man kann die Kurven viel, viel schneller fahren. Es wirken aber auch höhere G-Kräfte. Es ist ein komplett anderes Fahren. In der GT3 muss man ganz sauber, ganz rund fahren, weil man den Grip-Verlust aufgrund der Aerodynamik nicht merkt. Man muss wissen, wie sich das Fahrzeug im Grenzbereich verhält. Drei km/h mehr kann schon bedeuten, dass man aus der Kurve fliegt.“
Wann geht es los mit den Tests und wann mit den ersten Rennen der neuen Saison?
Kasperlik: „Wir waren schon bei den ersten Tests in Portugal. Jetzt im Januar und Februar folgen weitere Tests. Eine richtige Winterpause haben wir eigentlich nicht. Die ersten Rennen sind im italienischen Monza im April.“

Von Roland Halmel

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