Die Stunde der Luftpistolen-Wahrheit

Entscheidungs-Wochenende für den SV Peiting in der Luftpistolen-Bundesliga

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Peiting will erstklassig bleiben: Für Thomas Schneider, Georg Müller, Michael Redl, Hermann Helmschrott, Michaela Brosselt-Guggemos (v. links) und die Bundesliga-Mannschaft des SV Peiting entscheidet dieses Wochenende über Abstieg oder Klassenerhalt.

Peiting – High Noon in der 1. Bundesliga Süd: Wenn am heutigen Samstag die Luftpistole-Teams des SV Peiting und des SV Altheim Waldhausen im schwäbischen Murrhardt aufeinander treffen, kann jeder Schuss den Tabellenkeller-Krimi entscheiden – und über Abstieg oder Klassenerhalt. Auch der Sonntag, wenn die Marktgemeinde-Mannschaft auf die Gastgeber trifft, kann noch den Ausschlag geben. Nach oben oder nach unten.

Als James Hetfield brüllt, knallt es am Peitinger Sonnenbichl. Hermann Helmschrott verzieht leicht das Gesicht, schüttelt den Kopf und senkt leise grantelnd seine Pistole. Dann schaut er auf den kleinen Monitor neben sich – und ein Gitarrensolo setzt ein.

Es ist kein rauchender Colt, den Helmschrott da am Freitagabend vergangener Woche in Händen hält, kein Steppenläufer rollt von links nach rechts durch die Szenerie. Der SV Peiting bereitet sich im Schützenheim auf das wichtigste Wochenende der Saison vor. Der Kampf um den Klassenerhalt geht in die finale Phase. Nebenher schallt Metallica aus den Boxen.

„Am Samstag müssen, am Sonntag können wir gewinnen“, blickt Teammanager Friedrich Aigner voraus. Soll der Sprung auf den rettenden zehnten Platz noch gelingen, führt für die in der Tabelle hinter dem SV Altheim Waldhausen rangierenden Peitinger überhaupt kein Weg an einem Erfolg über den direkten Konkurrenten vorbei.

Gleichzeitig gilt es, auch die am Ende womöglich entscheidenden Einzelpunkte im Auge zu behalten. Insofern könnte sich auch der Sonntag noch als ausschlaggebend erweisen: „Altheim Waldhausen sieht da gegen Kelheim-Gmünd kein Land“, ist sich Aigner sicher, während er seinen Peitingern gegen Murrhardt-Karnsberg durchaus ein gutes Resultat zutraut.

Die härteste Liga weltweit

Der zweite Klassenerhalt hintereinander in der deutschen Bel­etage, er wäre ein bemerkenswerter Erfolg für die Peitinger. „Die deutsche Bundesliga ist die härteste Luftpistolen-Liga der Welt“, ist sich Aigner sicher. Beleg dafür: Aus aller Herren Länder fliegen teilnehmende Teams ihre ausländischen Spitzenkräfte zu den Wettkämpfen ein. Anreise, schießen, ab nach Hause.

Zahlreiche Schützen betreiben den Sport als Sportsoldaten, Polizisten oder in ähnlicher Konstellation auf höchstprofessionellem Niveau. „Die nationalen Verbänden legen Wert darauf, dass ihre Top-Leute in der Bundesliga antreten“, beschreibt Aigner. In einigen Vereinen sei mit dem Schießen wohl auch Geld zu verdienen.

In Peiting nicht. Übernachtung und Anfahrt sind durch Sponsoreneinnahmen abgedeckt. „Uns ist das Mannschaftsgefüge wichtig“, sagt Aigner. „Und das passt.“ Die Bundesliga-Mannschaft des SVP versteht der Teammanager als erweiterte Oberland-Auswahl. Und in der Region gebe es durchaus noch treffsichere Kandidaten, die seiner Mannschaft gut zu Gesicht stünden.

„Das Team ist top“, lobt auch Trainer Arben Kucana. Er selbst tritt für den Bundesliga-Konkurrenten HSG München an. Daneben betreut er den SVP, gibt seinen Erfahrungsschatz an Helmschrott und dessen Kameraden weiter. Im Schießen geht das. Ein bis zwei Verstärkungen würde Kucana sich für die Peitinger noch wünschen. Doch sieht er eine gute Zukunft für die Marktgemeinde-Mannschaft. „Der SVP hat es verdient, in der Bundesliga zu schießen.“ Diese sei eine sportliche Zwei- bis Dreiklassengesellschaft, so Aigner. Die Tabelle bestätigt das.

Trainingsmethode Metallica

Und noch eine Besonderheit – neben dem hohen Niveau – weist das deutsche Oberhaus auf: „Es herrscht ein Lärmpegel wie im Fußballstadion, man versteht manchmal das eigene Wort nicht.“ Schaute zuletzt in Fürth so gut wie gar kein Zuschauer vorbei, waren es beim Peitinger Heimwettkampf in der Schloßberghalle rund 200. Derer 500 bis 600 locken die Heim­auftritte des SV Waldkirch an.

Dabei verhält sich das Publikum keineswegs so leise, wie man das bei einem Sport, bei dem Konzentration entscheidend ist, erwarten würde. Trommeln, Ratschen und Anfeuerungsrufe gehören dazu. Deshalb läuft beim Peitinger Training auch Musik – samt Gitarrensoli und Metallica-Frontmann Hetfield.

Um auf höchstem Level zu bestehen, ist ein entsprechendes Training unabdingbar. „Mindestens zwölf bis 15 Stunden wöchentlich“, umreißt Aigner das Pensum. „Unter zehn geht gar nix.“ Dabei sind die Pistoleros keineswegs nur am Schießstand anzutreffen. Körperliche Fitness spiele eine große Rolle, so Aigner. Sie sei die Basis für die Konzentrations-Kondition. Und diese wiederum werde voll beansprucht bei den 40 Schuss, die jeder Bundesliga-Schütze binnen 50 Minuten abgibt.

Genau jener tausendfach wiederkehrende Ablauf – zielen, halten, abbrechen oder -drücken – sei es, der den Reiz ausmache. „Schießen ist kein Zufall“, hält Kucana fest. „Es ist das Streben nach Perfektion, das uns antreibt“, beschreibt Teammanager Aigner und wandelt einen Ausspruch Otto Rehagels ab: „Die Wahrheit liegt auf der Scheibe.“ Die Stunde der Wahrheit, sie schlägt dem SVP an diesem Wochenende.

ras

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