Im großen Interview

Neuer Coach der Peißenberg Miners: »Ich kann mit dem Druck umgehen.«

Christian Kratzmeir Eishockey Peißenberg Miners
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Der neue Trainer der Miners: Christian Kratzmeir.
  • Roland Halmel
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Peißenberg – Nach einigen Jahren im Nachwuchs wagt Christian Kratzmeir den Sprung in den Seniorenbereich. Wie der 45-Jährige seinen neuen Posten hinter der Bayernligabande bei den Miners sieht und was er vorhat, verriet er im Interview.

Herr Kratzmeir, wie ist Ihre Trainerkarriere so angelaufen? War das so nach dem Ende der aktiven Zeit geplant und zu erwarten?

Kratzmeir: „Das hat sich schon während meiner Spielerzeit angedeutet. In einigen Spielen habe ich eine längere Kabinenansprache gehalten als die Trainer. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die gleichen Sachen angesprochen habe, wie der Trainer. Ich bin mit dem Sport so eng verbunden, da ist immer alles andere hinten angestanden, deshalb war mir eigentlich klar, dass ich nach meiner aktiven Zeit dem Eishockey verbunden bleibe. Gleich einen Tag, nachdem ich 2016 als Spieler aufgehört habe, bekam ich einen Anruf von Bully Frei, der in Peißenberg für den Nachwuchs zuständig war, ob ich die U15 übernehmen könnte und da habe ich gleich zugesagt. Das war für mich eine gute Chance das Trainergeschäft zu lernen. Mit der Mannschaft bin ich dann auch weiter in die nächsten Jahre gegangen. Ich habe versucht alles dann immer professioneller aufzubauen. Beispielsweise ein regelmäßiges Sommertraining zu etablieren und Co-Trainer zu holen. Wir waren in der Hochphase zu dritt, das ist im Nachwuchs schon etwas. Die Jungs haben davon auch enorm profitiert.“

Gab es Trainer, die Sie besonders geprägt haben?

Kratzmeir: „Paul Sommer hat eine Mannschaft unheimlich professionell geführt. Rudi Sternkopf hat es anders gemacht, aber das Team auch super im Griff gehabt. Auch von Ken Latta oder Ignaz Berndaner habe ich mir das eine oder andere abgeschaut. Ich habe viele Trainer kennengelernt. Bei denen gab es viele positive Dinge, aber auch Sachen, die ich mir fest vornahm, nie selbst mal so zu machen. Dazu gehört beispielsweise, Spieler in der Kabine vor der versammelten Mannschaft zur Schnecke zu machen. So etwas wird es bei mir nicht geben. Das wichtigste ist, dass man gegenüber den Spielern authentisch rüberkommt. Du darfst dich nicht verstellen, aber man sollte auch nicht die Dinge, die einen selbst ausmachen, verbergen. Ich bin eher impulsiv und emotional. Wenn ich jetzt den stummen Schweiger auf der Bank geben würde, nimmt mir das keiner ab.“

Wie schaut Ihre Trainerphilosophie aus?

Kratzmeir: „Bei mir gibt es drei Regeln. Disziplin, Respekt und Wille. Disziplin heißt für mich nicht nur, keine Strafzeit zu machen, sondern sich auch an Regeln zu halten, die wir gemeinsam aufstellen. Bei Nichteinhaltung muss man auch die Konsequenzen tragen. Respekt bedeutet nicht, gegenüber den Trainer den Bückling zu machen, sondern sich gegenüber dem Gegner ordentlich zu verhalten. Beispielweise bei einem hohen Sieg keinen Affen zu machen. Wille ist das Thema, dass man bei einem 1:8-Rückstand kurz vor Schluss auch noch einen Schuss blockt. Oder wenn im Training eine Übung so ausgelegt ist, dass man sie eigentlich nicht schaffen kann, will ich sehen, dass man es zumindest probiert. Ich bin ein sehr kommunikativer Trainer. In einem Vier-Augen-Gespräche rede ich mit dem Spieler anders als in der Kabine. In der Kabine gibt es Distanz, da ist der Trainer der Chef.“

Wie schätzen Sie das Miners-Team in der kommenden Saison ein und wo gibt es noch personelle Baustellen?

Kratzmeir: „Wir sind hinten top besetzt. In der Verteidigung gehören wir zu den Besten der Liga und das mit ausschließlich eigenen Leuten. Trotzdem werden wir die Abwehrarbeit noch intensivieren. Das macht Sepp Staltmayr, an dem war schon in seiner aktiven Zeit immer schwer vorbeizukommen. Wir haben große, körperlich robuste Verteidiger. Da sollte jedem Gegner klar sein, dass es kein Zuckerschlecken ist, nach Peißenberg zu kommen. Wir haben elf Stürmer, da sind aber sehr viele junge dabei. Letztere hatten das Pech, dass sie die komplette letzte Saison für ihre Entwicklung verloren. Man muss jetzt schauen, ob sie es in der Bayernliga schaffen. Drauf haben sie es auf alle Fälle. Wir sind noch auf der Suche nach Verstärkungen. Zwei oder drei gestandene Stürmer wären schon noch gut. Vielleicht kommt auch ein Ausländer für die Offensive. Da muss man aber erst mal schauen, wie die Gespräche mit den potenziellen Neuzugängen so laufen.“

Das Peißenberger Umfeld und auch die Fans gelten als nicht so einfach. Als Trainer steht man da ordentlich im Fokus und auch unter Druck, oder?

Kratzmeir: „Ja das stimmt und ist mir auch bewusst. Ich hab ja lange Zeit in Peißenberg gespielt und war da auch Kapitän der Mannschaft. Da wird man beim Bäcker oder im Supermarkt schon mal angesprochen. Es gab in den letzten Monaten viele Änderungen im Peißenberger Eishockey, was den Druck auf alle Beteiligten erhöht. Ich kann damit umgehen und bin auch nicht unbedingt auf den Mund gefallen.“

Wie schätzen sie die Chancen auf eine halbwegs normale kommenden Saison ein?

Kratzmeir: „Es gibt drei geplante Szenarien was die Zuschauer angeht. Normal, beschränkt oder ohne Zuschauer. Letzteres geht für mich ehrlich gesagt, aus finanziellen Gründen, nicht. Ohne Zuschauer wären wir in der Bayernliga nicht mehr im Leistungs- sondern im Breitensport. Ich denke aber positiv. Bis in den Herbst haben wir die Situation, dass wir eine ganz normale Saison spielen können. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Vereine dann Zuschauerzahlen haben werden, die es noch nie gab, weil die Leute raus, zusammenkommen und was erleben wollen und das bietet das Eishockey.“

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