Überraschung am Karsamstag

Trainersuche beim EC Peiting: Der Toni macht‘s

Saal Borberg Fritzenschaft EC Peiting Trainer
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Der neue Pressebereich des ECP, der schon seit geraumer Zeit fertiggestellt ist, der aber in der zuschauerlosen vergangenen Saison nicht benötigt wurde, bekam seine Feuertaufe bei der Vorstellung des neuen Trainers. Pressesprecher Simon Fritzenschaft (Mitte) fühlte Teammanager Gordon Borberg (links) und Toni Saal (rechts) auf den Zahn.
  • Roland Halmel
    vonRoland Halmel
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Peiting – Die vorgezogene Osterüberraschung ist gelungen. Am Karsamstag stellte der ECP Anton Saal als neuen Trainer vor. 

„Das war auch für uns überraschend“, bekannte Captain Andreas Feuerecker stellvertretend für das praktisch vollzählig anwesende Team. Die Verantwortlichen, die sich allesamt ein Schweigegelübde auferlegt hatten, schafften es, die Personalie bis zur Veröffentlichung im Rahmen einer Online-Konferenz auf dem ECP-Facebook Kanal, bei der bis zu 140 Teilnehmer reinschauten, unter dem Deckel zu halten.

„Wir haben Bewerbungen gesichtet und analysiert, aber letztlich ist immer mehr der Gedanke gereift, dass Toni als Trainer zu uns passt“, berichtete Teammanager Gordon Borberg vom Entscheidungsprozess, der letztlich dazu führte, dem ehemaligen Stürmer, der bisher nur beim jüngsten ECP-Nachwuchsteam Trainererfahrung sammelte, eine Chance zu geben. „Ich weiß, auf was ich mich einlasse“, ist sich der 35-jährige Saal, der nach über 750 Spielen in der DEL2 und in der Oberliga vor zwei Jahren seine Schlittschuhe an den Nagel hängte – das Kurzzeit-Comeback in der Vorsaison nicht eingerechnet – des Formats seiner neuen Aufgabe bewusst.

»Bringt alles mit«

Die ECP-Verantwortlichen sind aufgrund der Erfahrungen mit jungen Trainern wie John Sicinski aber auch Sebastian Buchwieser, die den nahtlosen Übergang von der Spieler- zur Trainerrolle schafften, von Saal überzeugt. „Wir kennen Toni, er war schon immer ein Leader, hat ein großes Herz für den Verein und bringt alles mit, was ein Trainer braucht“, erklärte Borberg.

Der Teammanager bedankte sich zudem ausdrücklich bei Buchwieser für die fünfjährige Zusammenarbeit. Dessen Nachfolger Saal, der über den C-Schein verfügt und die kommende Saison mit einer Ausnahmegenehmigung bestreiten wird, ehe der erforderliche B-Schein absolviert ist, freut sich auf seinen neuen Job. „Bis auf wenige Ausnahmen kenne ich alle in der Mannschaft und ich weiß, wie die Jungs ticken.“ Er sei sich aber bewusst, dass „es jetzt auch unangenehme Entscheidungen zu treffen gilt“. Zusammen mit Borberg wird der Bayersoier in den nächsten Wochen die Gespräche mit den Spielern führen, um den Kader für die nächste Saison zusammenzustellen.

„Wir sind da noch nicht so weit wie sonst, aber das war der Trainerfrage geschuldet, die wir erst klären wollten“, berichtete Borberg. Fest steht aber bereits, dass Markus Keppeler dem ECP erhalten bleibt. „Wir wollten ihn in seiner Dreifach-Funktion als Co-Trainer, Stadionwirt und Mannschaftskoch unbedingt an Bord behalten“, meinte Borberg. Nicht bauen können wird Saal auf Verteidiger Dennis Neal, der den ECP nach nur einer Spielzeit wieder verlässt. Der 29-Jährige wechselt zum Ligakonkurrenten HC Landsberg, für den er bereits in der Bayernliga von 2017 bis 2019 spielte.

Buchwiesers Fazit

Zuvor hatte Saals scheidender Vorgänger Sebastian Buchwieser sein Saisonfazit gezogen. „Ich denke schon, dass wir diese sehr schwierige Saison positiv gestalten konnten“, urteilte Coach Buchwieser nach seinem letzten Einsatz für den ECP. Der 41-Jährige hatte bekanntlich schon frühzeitig erklärt, die Peitinger nach fünf Jahren nach der Saison zu verlassen.

Auch Vorstand Thomas Zeck zeigte sich nicht unzufrieden. „Durch die ständigen Corona-Pausen, wir waren ja dreimal davon betroffen, war es für die Mannschaft extrem schwer, die Leistung abzurufen, zu der sie normalerweise imstande wäre. Deshalb bin ich mit dem Abschneiden situationsbedingt zufrieden.“ Das Duell gegen Rosenheim spiegle die ganze Saison gut wider. „Wir waren oft am Drücker, haben uns nicht unterkriegen lassen. Aber letztlich haben ein paar Prozent gefehlt.“

Für seinen ECP sei es wichtig gewesen, die Spielzeit zu Ende zu bringen und wirtschaftlich ordentlich dazustehen, nannte Buchwieser zwei Ziele, die auch erreicht wurden. „Die Sponsoren haben uns die Treue gehalten und natürlich auch durch die staatlichen Ausgleichszahlungen konnten wir die Saison ganz gut meistern“, zog Zeck unmittelbar nach dem letzten Spiel eine erste wirtschaftliche Bilanz.

Talente auf gutem Weg

Aus sportlicher Sicht gaben die Peitinger trotz schwierigen Umständen ein gutes Bild ab. „Wir hatten uns vorgenommen, den jungen Spielern viel Eiszeit zu geben“, erklärte Buchwieser. Durch die vielen Ausfälle – gleich zu Saisonbeginn brachen Stammkräfte wie Dominic Krabbat oder Tim Rohrbach weg, weil sie von ihrem Arbeitgeber keine Freigaben erhielten und im Laufe der Saison fehlten immer wieder Leistungsträger – erhielten die Talente wie Maxi Söll, Pius Seitz und Markus Czogallik immer wieder Verantwortung.

„In den Playoffs war es dann schön zu sehen, dass wir gegen die Rosenheimer absolut mithalten konnten, und das mit Leuten, die im letzten Jahr im Nachwuchs in der DNL3 spielten“, freute sich Buchwieser. Einen Sprung machte auch Lukas Gohlke. „Er hat sich von einem Dritte-Reihe-Kämpfer zu einem Spielmacher gemausert“, lobte Buchwieser, der auch mit den Specials Teams, also dem Über- und Unterzahlspiel, sehr zufrieden war.

In der Statistik beider Disziplinen mischte der ECP vorne mit. „Wenn man unser Budget anschaut, das im Vergleich zu anderen Teams der Liga deutlich geringer ausfällt, dann ist das ganz erfreulich“, urteilte der Peitinger Coach, der allerdings ein wenig mit der Chancenverwertung haderte. „Wir waren da leider nicht so effektiv.“

Mit Schwankungen

Wobei es für sein Team aber durch die drei längeren Corona-Pausen auch nicht leicht war, einen ordentlichen Rhythmus zu finden. Bei einigen Spielern führte dies zu deutlichen Leistungsschwankungen. Neuzugang Martin Hlozek, „ein aufstrebendes Talent“, so Buchwieser, legte los wie die Feuerwehr, um danach abzutauchen. Erst im neuen Jahr fand er langsam in die Spur zurück, um am Ende mit 15 Treffern als zweitbester ECP-Scorer ins Ziel zu kommen.

Nardo Nagtzaam erzielte 20 Tore, was ihm zum teaminternen Scorerkönig machte. Die wichtigen Impulse in den entscheidenden Situationen konnte der Holländer in seiner zweiten Saison bei den Peitingern allerdings nur selten setzen. Der zweite Ausländer Martin Mazanec kam etwas schwer in die Gänge. „Er war dann aber die erwartete Stütze“, meinte Buchwieser, der mit der Abwehrleistung durchaus zufrieden war.

Auch an der Torhütern gab es nichts auszusetzen. „Über Florian Hechenrieder braucht man nicht diskutieren. Er ist einer der stärksten Torhüter der Liga“, sagte der ECP-Trainer, der der neuen Nummer zwei, Elias Fischbacher gerne mehr Einsatzzeiten gegeben hätte, was aber die Corona-Ausfälle verhinderten. „Trotzdem hat er sich super entwickelt.“

Einen richtigen Tiefpunkt machte Buchwieser in dieser Saison nicht aus, wobei die 3:8-Pleite gegen Riessersee im ersten Heimspiel schon schmerzte, „Weil wir da eigentlich die bessere Mannschaft waren,“ erklärte Buchwieser, der sich durchaus mit etwas Wehmut aus Peiting verabschiedet. „Weil mir der ECP schon ans Herz gewachsen ist.“ Seinem Nachfolger Anton Saal (s. Kasten) wünscht er alles Gute. „Ich hoffe, dass er den erfolgreiche Weg im Verein, wegen der engagierten Leute im Management und auch für die Mannschaft fortsetzt.“

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