Authentisch, keine Imitation

Über seinen neuen Posten als Trainer des EC Peiting: Anton Saal im Interview

Anton Saal Trainer EC Peiting Eishockey Oberliga Interview
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Anton Saal erwartet keinen großen Umbruch im Oberligateam des ECP.
  • Roland Halmel
    VonRoland Halmel
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Peiting – Anton Saal als Nachfolger von Sebastian Buchwieser als Trainer des EC Peiting dürften nur wenige auf den Zettel gehabt haben. Wie der frühere Kapitän zu diesem Job kam, was ihn antreibt und was er plant, verriet der 35-Jährige im Interview.

Herr Saal, wie ist Ihre Entscheidung gereift, eine Herrenmannschaft zu trainieren?

Saal: „Einen richtig einschneidenden Punkt, an dem ich sagte: ‚Ich mache Trainer‘, hat es nicht gegeben. In den letzten Jahren meiner Spielerkarriere war ich oft mit ECP-Coach Sebastian Buchwieser zusammengesessen, da haben wir über taktische Dinge gesprochen. Da habe ich gemerkt, dass der Trainerjob vielleicht was wäre, was mir Spaß machen würde und wo ich auch gar nicht schlecht drin wäre. Die Entscheidung, mich konkret mit dem Thema zu befassen, ist daraus entstanden, dass die Vereinsverantwortlichen auf mich zugekommen sind und mich fragten, ob ich den ECP übernehmen will. Erst danach hab ich mich richtig damit beschäftigt. Auch wenn ich sicher mal mit dem Gedanken gespielt habe, hatte ich es nicht auf meiner Agenda stehen, dass ich in der Saison 21/22 Trainer in Peiting bin. Diese Chance hat sich ergeben und jetzt will ich sie auch nutzen.“

Sie haben ihre aktive Karriere beendet, weil die Familie und die eigene Landwirtschaft vorgehen. Als Trainer muss man noch mehr Zeit für das Eishockey investieren. Funktioniert da dieser Spagat zwischen dem Sport, der Familie und der Arbeit?

Saal: „Ich habe das Thema natürlich zuhause mit der Familie geklärt und die hat grünes Licht gegeben. Ich habe in den zwei Jahren nach meinem Karriereende gemerkt, dass es bei mir ohne Eishockey nicht funktioniert. Das Eisstadion und der Sport lassen mich nicht los. Meine Frau meinte im letzten Jahr, als ich aushilfsweise acht Spiele machte, dass man merkt, dass ich viel ausgeglichener bin.“

Gibt es in Ihrer langen Karriere als Spieler Trainer, die Sie prägten, die vielleicht sogar Vorbild sind?

Saal: „Ein Vorbild habe ich nicht, weil ich glaube, dass man keinen anderen nachmachen kann. Man sollte authentisch bleiben und das machen, was man selbst als wichtig erachtet. Klar nimmt man von jedem Trainer etwas mit. Wenn ich an Sebastian Buchwieser in den letzten Jahren denke, der achtete sehr auf Kleinigkeiten und war ein akribischer Arbeiter. John Sicinski, der davor ja auch Spieler war, ist sehr über die Emotion gekommen. Franz Steer, den ich in Rosenheim als Trainer hatte, war ein harter Hund. Auch von Ken Latta in Kaufbeuren hab ich einiges mitgenommen. Diese verschiedenen Trainercharaktere sind wichtig für mich. Alle vereint, dass, wenn man seine Ansichten und Ideen glaubwürdig rüberbringt, die Mannschaft auch hinter einem steht. Wenn man nur jemanden imitiert, wird das nicht funktionieren.“

Wie stehen Sie den Themen Spieler- und Videoanalyse gegenüber, die in der Oberliga immer mehr Verbreitung finden?

Saal: „Das gehört zum Eishockey inzwischen dazu und das werde ich natürlich auch machen. Die ganzen Daten muss man nutzen und man kann sich da auch etwas rausziehen. Ein moderner Trainer heutzutage sollte diese Möglichkeiten nutzen. Gerade die Videoanalyse erachte ich als sehr wichtig, denn es ist einfacher, einem Spieler etwas klar zu machen, wenn er es auch sieht und nicht nur, wenn man es erklärt.“

Zur Trainertätigkeit gehören auch die Weiterbildung und die nötigen Lizenzen. Wie ist da der Stand?

Saal: „Ich habe aktuell den C-Schein. Für die Oberliga benötigte man den B-Schein, diese Ausbildung läuft aktuell aber schon. Dafür muss der Verein einen Trainer anmelden. Das wird der ECP tun, damit ich in der nächsten Runde dabei bin. Klar ist natürlich, dass ich mich individuell vorbereiten werde. Dazu gehört beispielsweise, dass ich mich mit anderen Trainern austausche.“

Mit den meisten Spielern im aktuellen ECP-Kader haben Sie noch selbst zusammengespielt, sehen Sie das vielleicht als Problem, weil dann vielleicht die Distanz fehlt?

Saal: „Das ist und war natürlich ein Thema, das ich auch mit den ECP-Verantwortlichen besprochen habe. In der Kabine wird es nicht mehr so sein wie früher. Man muss eine gewisse Distanz finden, schließlich habe ich ein neues Aufgabengebiet. Das ist aber auch im normalen Arbeitsleben so, wenn ein Arbeiter oder Angestellter zum Vorgesetzten aufsteigt. Ich werde jetzt bestimmt nicht den großen Chef raushängen lassen. Aber es werden auch unangenehme Entscheidungen nötig sein und da ist etwas Distanz besser.“

Gibt es schon Überlegungen zum Sommertraining?

Saal: „Das ist ein schwieriges Thema, weil wir nicht wissen, wie es mit Corona weitergeht, ob die Arbeitgeber der Spieler irgendwelche Vorgaben machen und wann die Saison losgeht. Wir können nicht fünf Monate Sommertraining machen, wenn es beispielsweise erst spät im Jahr losginge. Da gibt es viele Fragezeichen. Bei einem normalen Saisonstart im Oktober würden wir im Mai starten. Einen genauen Plan gibt es aber noch nicht, weil wir warten müssen, was die Regierung in Sachen Lockerungen und Freigaben entscheidet.“

Wird es mit dem neuen Trainer einen großen Umbruch im Team geben?

Saal: „Nein. Wie eigentlich immer in Peiting wird ein Großteil des Kaders zusammen bleiben. Wir holen nicht einfach mal zehn neue Leute. Wir haben viele Spieler, die über Jahre bewiesen haben, dass sie Oberliga spielen können, deswegen sind keine großen Veränderungen nötig. Auf einzelnen Positionen wollen wir uns verändern, wie beispielsweise jetzt mit den zwei Ausländern im Angriff.“

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