Die Defensiv-Leitwelfin aus Altenstadt

Sara Schramm will in die Fußball-Bundesliga

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Mit einem wuchtigen Freistoß leitete Sara Schramm den Treffer ein, der das WGS zum bayerischen Meister machte.

Altenstadt – Nürnberg, Frankfurt, Potsdam – Schongau hat es im Sommer mit klangvollen Namen aufgenommen. Am Ende wurde das Mädels-Schulteam des Welfen-Gymnasiums (WGS) deutschlandweit siebtbeste Mannschaft. Eine, die die Hintermannschaft beisammen hielt und damit prägend für das historische Abschneiden war, ist Sara Schramm. Das Ende der fußballerischen Fahnenstange soll für die Altenstadterin damit aber längst noch nicht erreicht sein. Die 16-Jährige will in die Bundesliga.

Die letzten Minuten in der entscheidenden Partie an diesem Julitag auf dem Rasen in Regensburg laufen. Noch ein kontrollierender Blick, dann läuft Sara

Schramm an. Die Altenstadterin trifft den Ball gut, ihr Freistoß rauscht stramm in Richtung Ziel. Nürnbergs Torhüterin ist dran, unter Kontrolle bringt sie den wuchtigen Schuss aber nicht. Anna Pfaffenberger staubt ab. Das WGS schlägt die Franken – ihres Zeichens Eliteschule des Deutschen Fußball-Bunds in Kooperation mit dem 1. FC Nürnberg – mit 3:2 und zieht als beste von 250 bayerischen Mädchen-Schulmannschaften ins Bundesfinale ein.

Die Konkurrenz dort, in Berlin, ist nicht minder hochkarätig. Etliche Sport-, DFB-Elite- oder Fußball-Leistungsschulen bieten ihre talentiertesten Spielerinnen der Jahrgänge 2002 bis 2004 auf. Mittendrin das WGS um seine Trainer Gerald Neumeier und Christian Schloßnikel, das den siebten Platz belegt und damit als beste Schule ohne sportlichen Schwerpunkt abschneidet.

Schramm, Pfaffenberger und ihre Kameradinnen bestehen diesen Härtetest, selbst gegen U17-Bundesligaspielerinnen des 1. FFC Turbine Potsdam oder des 1. FFC Frankfurt. Ihr Abschneiden lässt Landrätin Andrea Jochner-Weiß bei einer Feierstunde im November im Schongauer Rathaus ein besonderes Kompliment machen: „hardcore pur“.

Schongauer Einheit

„Wir haben gut zusammengespielt“, nennt Abwehrchefin Schramm das Rezept für den Schongauer Coup. Denn obwohl die aus Spielerinnen vieler unterschiedlicher Vereine bestehende WGS-Equipe abseits der Wettkämpfe keine gemeinsamen Trainingseinheiten abhielt, war es eine echte Einheit, die der nominellen Übermacht Erfolg um Erfolg abtrotzte.

Doch jedes starke Kollektiv profitiert von seinen Eckpfeilern: Kristin Seichter, Spielerin der Kreisliga-Damenmannschaft der FA Peiting, sei so eine gewesen, zählt Coach Neumeier auf. Ebenso wie Laura Braunegger, die für U17-Bayernligaspitzenreiter TSV Schwaben Augsburg am Ball ist. Und eben Defensiv-Leitwelfin Schramm.

Gespür fürs Spiel

Eine Innenverteidigerin wie die 16-Jährige aufbieten zu können, sei als Trainer „ein Traum“, lobt Neumeier. Er bescheinigt ­Schramm eine „unheimlich gute Spielintelligenz“. Die Altenstadterin bringe die Ruhe und Geduld mit, um ein taktisches Gespür für die jeweilige Situation zu entfalten. „Ich habe eine gute Übersicht und bin schnell“, findet sie selbst. Dass es sie nicht häufiger in die Offensive zieht, dorthin, wo ihr Vorbild und Namensvetterin Sara Däbritz beim FC Bayern glänzt, erklärt sie so: „Eine große Torjägerin war ich noch nie, ich spiele schon immer hinten.“

Zwar wäre im Trikot des Schulteams durchaus der ein oder andere Schramm-Treffer mehr drin gewesen, glaubt Neumeier. „Sie hätte selber viel mehr Tore schießen können.“ Doch weil die Offensive bekanntlich Spiele, die Defensive aber Titel gewinnt, verrichtete die Verteidigerin ihren defensiven Part mit höchster Disziplin. Schongau und Schlussfrau Ronja Hark fingen sich kaum Gegentore. „Sara stellte ihr Können in den Dienst der Mannschaft“, lobt der Trainer.

Je sechs Feldspielerinnen und eine Torhüterin standen pro Mannschaft im Wettkampf der Schulen zeitgleich auf dem Rasen, der die Maße eines E-Jugend-Feldes aufwies. Ungewohnt, aber spaßig, findet Schramm. „Es war ganz witzig, weil man somit viele Ballkontakte hatte.“

Bis auf den siebten Platz unter allen Schulmannschaften Deutschlands sind die Fußballerinnen des Schongauer Welfen-Gymnasiums im Sommer vorgestoßen. Großen Anteil an dieser historischen Teamleistung hatte Abwehrchefin Sara Schramm aus Altenstadt (hinten, 3. v. rechts).

Die Schongauer Philosophie beschreibt Coach Neumeier so: „Mir war wichtig, dass unsere Mannschaft sauber aufbaut und nicht versucht, möglichst schnell durch die Mitte ein Tor zu machen.“ Schramm war als Ruhepol unentbehrlich, immer anspielbar und unter Druck ballsicher. „Das gab allen die notwendige Sicherheit, den Ball wieder nach hinten zu spielen, ihn laufen zu lassen und neu aufzubauen. So wurden gute spielerische Lösungen gefunden.“

Dafür, ihre fußballerische Entwicklung voranzutreiben, nimmt Schramm einigen Aufwand auf sich. Dreimal wöchentlich pendelt sie mit dem Zug nach München und zurück. Ihr Ziel: Das Training des FFC Wacker München. Seit letzter Saison streift sie das Trikot der Landeshauptstädterinnen über, belegt mit den U17-Juniorinnen in der Bayernliga Platz zwei – hinter Schwaben Augsburg und Schulkameradin Braunegger.

Per Zug zum Training

Bevor Schramm sich ihrem neuen Verein anschloss, spielte sie in Schongau und ein Jahr in Penzing; bis Ablauf der C-Jugend-Zeit stets gemeinsam mit Jungs in gemischten Teams. Das sei gut fürs Durchsetzungsvermögen gewesen, ist die 16-Jährige überzeugt. Mit Eintritt in die U17 stand dann die Suche nach einer ambitionierten rein weiblichen Mannschaft an. „Das Probetraining bei Wacker hat mir gefallen“, beschreibt Schramm. Und das gilt noch heute. „Ich habe am Fußball richtig viel Spaß und freue mich auf jedes Training.“

Das zweite sportliche Hobby, die Leichtathletik, ruht, seit die Fahrten nach München wöchentlich mehrere Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Auch das Klavier- steht gegenüber dem Fußballspielen hinten an. Dafür, ihre Ziele zu erreichen, tut Schramm viel. Der Aufstieg in die Bundesliga, mit dem Wackers B-Juniorinnen zu Beginn der Spielzeit geliebäugelt hatten, klappt zwar wohl nicht mehr – Braun­eggers Schwaben scheinen bereits enteilt – doch Schramm selbst will es einmal ins deutsche Oberhaus schaffen. „Mein Ziel ist die Bundesliga.“

Neumeier traut ihr das zu. Die Altenstadterin bringe die physischen Voraussetzungen, die Mentalität und das Talent mit. „Sara ist nicht kaputtzukriegen.“ Hoher Belastung halte ihr Körper stand. „Verletzungen oder Verschleißerscheinungen kenne ich bei ihr gar nicht.“ Außerdem sei Schramms Ehrgeiz ein gesunder. „Sie bleibt immer locker, hat Spaß am Fußball und jagt ihrem Ziel nicht verbissen nach.“

Abi, dann Bundesliga?

Weil im Frauen-Bereich – anders als bei den Männern, wo es eine A-Jugend gibt – direkt nach der U17 der Übertritt zu den Erwachsenen erfolgt, steht nach dieser Saison der nächste Schritt an. Ob sie Teil der Wacker-Damen wird, die derzeit in der Regionalliga – dem dritthöchsten Wettbewerb – antreten, ist noch nicht entschieden. „Mal schauen, wo ich lande.“ Denn die Elftklässlerin will nächstes Jahr erfolgreich ihr Abi meistern.

Die WGS-Schulmannschaft formiert sich derweil neu, nachdem Endjahrgang 2002 ausgeschieden ist und 2005 nachrückt. Neuer Coach ist Fabian Melzer, der in den vergangenen beiden Spielzeiten interimsweise auch als Trainer der Peitinger Kreisliga-Herren aushalf.

Ob die Schongauer Mädels 2019 erneut derart für Furore sorgen? „Es war schon cool“, erinnert sich Schulleitungs-Mitarbeiterin Julia Lindner an die Sommermonate, in denen die Welfinnen zuerst auf Kreisebene und dann im Regionalfinale, im Bezirksfinale, bei der südbayerischen Meisterschaft, beim Landesfinale und schließlich in Berlin auftrumpften. „Das ganze Lehrerzimmer hat mitgefiebert.“ „In Berlin kannte uns keiner“, denkt Schramm zurück an die Momente, als Schongau als krasser Außenseiter mit den großen deutschen Namen in den Ring stieg. „Am Ende haben sich dann sogar die anderen Mannschaften mit uns gefreut.“

Rasso Schorer

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