Anti-Doping-Kämpfer will Pechstein nicht mehr helfen

Claudia Pechstein will sich von den Doping-Vorwürfen befreien - auf den bekannten Molekularbiologen Werner Franke muss sie dabei nun verzichten.
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Claudia Pechstein will sich von den Doping-Vorwürfen befreien - auf den bekannten Molekularbiologen Werner Franke muss sie dabei nun verzichten.

Berlin - Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke ist stinksauer auf Claudia Pechstein und ihr Management. Deshalb will er der Eisschnellläuferin nicht dabei helfen, ihre Unschuld zu beweisen.

Franke hat am Dienstag seine Mitarbeit an der geplanten Langzeitstudie der Eisschnelllauf-Olympiasiegerin zum Beleg ihrer

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schwankender Retikulozyten-Blutwerte aufgekündigt: “Was da abgelaufen ist, war absolut schlechter Stil. Kaum hat man etwas miteinander besprochen, da lese ich es schon im Videotext, dass ich mit Pechstein in einem Boot säße. So geht das nicht: Ich bin raus, der Fall ist für mich erledigt“, schimpfte Franke am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Noch am Sonntag hatte er bestätigt, dass er daran mitgewirkt habe, rigorose Kriterien für einen solchen Langzeittest der für zwei Jahre gesperrten Berliner gemeinsam mit anderen Experten aufzustellen.

Pechsteins Manager Ralf Grengel wehrte sich gegen die Unterstellung Frankes, er habe solche Meldungen in die Medien lanciert. “Ich finde es absolut schade, dass jemand, der die Eckpunkte für solch ein Konzept liefert, auf halber Strecke schlapp macht. Ich hätte gern von ihm erfahren, was er dazu sagt, dass seine harten Kriterien von anderen Experten noch verschärft wurden“, sagte der Manager. “Aber wir können der Nationalen Anti-Doping-Agentur dennoch ein sehr durchdachtes Konzept vorlegen, wie ein solcher Test aussehen könnte“, sagte Grengel der dpa. Das Gesamt-Konzept, das am Dienstag noch mal zur Kenntnis an alle fünf beteiligten Experten gegangen sei, wird nach letzter Abstimmung bei der NADA eingereicht.

“Ich habe gespürt, welche Ausmaße die Sache genommen hat“, räumte Franke ein. “Ich kann nicht zulassen, dass so mit meinem Namen umgegangen wird“, fügte er hinzu. Der Heidelberger Molekularbiologe kritisierte zudem, dass er sich bisher nur mit Fällen beschäftigt habe, wenn es der ausdrückliche Wunsch des Athleten war. Mit Pechstein habe er noch nie telefoniert. Gegenüber der “Süddeutschen Zeitung“ hatte Franke zudem noch einmal seinen Standpunkt in Sachen Doping unterstrichen: “Ich gehöre zu denen, die sagen, es gibt schon seit geraumer Zeit fast keine Ausdauer-Disziplin mehr, in der nicht die Spitze ein Erythrozyten-Doping betreibt.“

Zuvor hatte Franke geäußert, er sehe nur Sinn in der geplanten Langzeitstudie, wenn dabei “parallel alles genau so abläuft wie in den kritischen Perioden vor Hamar und bei den anderen Terminen“, bei denen hohe Werte aufgetreten seien. In Hamar waren bei Pechstein im Rahmen der Mehrkampf-Weltmeisterschaft die erhöhten Reti-Werte gemessen worden.

Gegen den in Medien geäußerten Vorwurf der Vereinnahmung wehrte sich auch der Nürnberger Doping-Forscher Fritz Sörgel. “Ich habe Manager Grengel bereits meine schriftliche Weigerung zugeschickt, einem solchen Expertengremium beizutreten. Ich will in der Sache vollkommen unabhängig bleiben“, erklärte er. Der Nürnberger Pharmakologe will dabei einen anderen Weg gehen, der sich auf die “reichhaltige wissenschaftliche Erfahrung mit klinischen Studien bezieht“. Zudem sagte Sörgel in der “SZ“ auch, es sei schwierig für Pechstein, den Beweis zu erbringen, während er der dpa die Möglichkeit andeutete, dass “sie diese Beweise erbringen kann.“

dpa

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