Berlin ehrt Bolt mit Stück der Berliner Mauer

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Usain Bolt (links) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor einem Stück der Berliner Mauer, auf dem Bolt abgebildet ist.

Berlin - Die Stadt Berlin hat WM-Superstar Usain Bolt (Jamaika) mit einem Originalstück der Berliner Mauer geehrt.

Erst feierten ihn die Zuschauer, dann ehrte ihn die Stadt: Zum Abschluss der Leichtathletik-WM in Berlin stand Usain Bolt noch einmal im Blickpunkt. Die Stadt schenkte ihm am Sonntag ein drei Meter hohes und drei Tonnen schweres Mauerstück, “weil er sportlich gezeigt hat, dass man Mauern einreißen kann“, wie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte. Berlin hat sich eine Woche lang mit Bolt schmücken können. Er war mit drei Titeln und zwei Weltrekorden nicht nur der erfolgreichste Sportler dieser WM, sondern auch ihr Publikumsliebling. “Ich werde Berlin nicht vergessen. Es war alles wunderbar hier“, sagte der Jamaikaner.

Sie sind noch schneller als Usain Bolt

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Die Zuschauer bejubelten ihn in der vergangenen Woche bei jeder Gelegenheit. Auch am Samstag, nach seinem Sieg mit der 4 x 100 Meter- Staffel, war das gut zu beobachten gewesen. Bolt stand an der Tribüne des Olympiastadions vor einer Menschenmenge, er warf sein Trikot hinein, gab Autogramme, machte Scherze. Die drei anderen Jamaikaner saßen am Rande. Für sie interessierte sich niemand.

Vor einem Jahr wäre das noch kaum vorstellbar gewesen. Seine Weltrekorde bei den Olympischen Spielen brachten Bolt in Deutschland mehr Misstrauen als Bewunderung ein. Doch die Zweifel, ob bei seinen Leistungen alles mit rechten Dingen zugeht, sind in Berlin von Tag zu Tag mehr in den Hintergrund gerückt. Die Fans feierten stattdessen eine “Bolt-Party“. Der Jamaikaner hatte sie für sich eingenommen. Mit seinen Fabelrekorden über 100 und 200 Meter brachte er das Publikum zum Staunen. Sein lässiges Verhalten machte ihn beliebt.

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Usain Bolt scherzt herum, wann immer eine Kamera ihn filmt: beim Einlaufen, auf der Ehrenrunde, manchmal sogar während des Rennens. Bei ihm sieht alles locker und entspannt aus, was andere Athleten sichtlich verausgabt. Der 23-Jährige zeigt auch Nähe. Er gibt geduldig Autogramme, fuhr nach seinem Sieg über 100 Meter zum Essen ins nächste Fast-Food-Restaurant. “Die Art und Weise, wie er sich zeigt, spricht vor allem junge Leute an“, sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Bolts Popularität hängt auch damit zusammen, dass er sich von seinen Vorgängern abhebt. Auch Michael Johnson oder Maurice Greene (beide USA) haben ihre Sprintstrecken über Jahre dominiert. Sie erzielten aber nie seine Massenwirkung. Johnson war dafür zu introvertiert, Greene zu großspurig. Usain Bolt dagegen ist “die perfekte Mischung aus Entertainment und Höchstleistung“, sagt der Berliner Sportfest-Veranstalter Gerhard Janetzky. Er ist der erste Leichtathlet seit Carl Lewis, auf den das wieder zutrifft.

Diese Eigenschaft macht Bolt nicht nur zum Liebling der Zuschauer, sondern auch des Weltverbandes IAAF. Der Jamaikaner bringt seinem Sport das zurück, was er in den vergangenen Jahren immer mehr verloren hat: Aufmerksamkeit und hohe Einschaltquoten im Fernsehen. “Bolt ist eine Marke. Und als Marke ist er ein Glücksfall für die Leichtathletik, das Fernsehen und die Sponsoren“, sagt das deutsche IAAF-Councilmitglied Helmut Digel. Entsprechend pflegt der Verband seinen Superstar. Präsident Lamine Diack besuchte nach Bolts Sieg über 100 Meter sogar dessen Pressekonferenz. Schon vor der WM nahm er ihn gegen Doping-Verdächtigungen in Schutz. Die IAAF möchte, dass kein Schatten auf ihn fällt. Nur so lässt Bolt sich vermarkten.

Der Weltrekordler selbst sagte zu den unterschwelligen Doping- Vorwürfen gegen ihn: “Ich bin sauber, ich arbeite hart und wurde mehrfach getestet. Was anderes kann ich tun, als den Leuten das immer wieder zu sagen? Aber irgendwann werden sie aufhören, mich danach zu fragen.“ Bei der WM hat Bolt einiges dafür getan. Diesmal brachte ihm das Publikum mehr Bewunderung als Misstrauen entgegen.

Von Sebastian Stiekel, dpa

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