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Boris Becker vor Gericht: Geschäftskonto als „Sparschwein“ für Einkaufsbummel?

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Boris Becker muss sich in England vor Gericht verantworten. Der Prozess wegen Insolvenzverschleppung hat begonnen - alle Entwicklungen im News-Ticker.

Update vom 23. März, 9.52 Uhr: Der in London vor Gericht stehende Boris Becker hat sein Geschäftskonto nach Angaben der Staatsanwaltschaft als „Sparschwein“ für teure Einkaufstouren und Schulgebühren genutzt. Trotz seiner finanziellen Probleme habe Becker viele hundert Pfund im Londoner Luxuskaufhaus Harrods ausgegeben und sich Designer-Kleidung gegönnt, sagte Staatsanwältin Rebecca Chalkley am Dienstag vor den Geschworenen. Der 54-Jährige muss sich seit Montag wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft Becker vor, in einem Insolvenzverfahren in seiner Wahlheimat Großbritannien Vermögenswerte unterschlagen und Informationspflichten nicht eingehalten zu haben. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft. Ein Konkursgericht in London hatte den dreimaligen Wimbledon-Sieger im Juni 2017 wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt. Seine Außenstände wurden damals auf bis zu 50 Millionen Pfund (59 Millionen Euro) geschätzt.

Boris Becker vor Gericht: Er soll Einnahmen verschwiegen haben

In 24 Anklagepunkten wird Becker nun vorgeworfen, in dem Insolvenzverfahren unter anderem mehrere Pokale zurückgehalten zu haben, darunter die Trophäe für seinen ersten Wimbledon-Sieg 1985. Zudem soll er Immobilien, Aktien und Bankguthaben verschwiegen und große Summen unter anderem auf Konten seiner Ex-Frauen Barbara und Lilly Becker überwiesen haben.

Unter anderem soll Becker Einnahmen in Höhe von 1,13 Millionen Euro aus dem Verkauf eines Mercedes-Autohauses in Deutschland verschwiegen haben, die auf ein Firmenkonto überwiesen wurden. Becker habe dieses Konto als Ergänzung seines eigenen Kontos genutzt, „tatsächlich als sein eigenes Sparschwein, für alltägliche Ausgaben wie Schulgebühren für die Kinder und ähnliches“, sagte Staatsanwältin Chalkley.

Boris Becker: Prozess in London - Tennis-Legende vor Gericht

Ihren Angaben zufolge wurden von dem Konto im Jahr 2017 Rechnungen über 643 Pfund des Modehauses Polo Ralph Lauren, 7600 Pfund für Schulgebühren und 976 Pfund für Einkäufe im Luxuskaufhaus Harrods beglichen. Zudem sollen 300.000 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen worden sein. Weitere Summen gingen auf ein Konto, das Becker und seinem Sohn Noah gehörte.

Der einstige Tennis-Star weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Der Prozess wird voraussichtlich drei Wochen dauern. Becker erschien in Begleitung seiner Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro vor Gericht.

Während seiner aktiven Sportlerkarriere hatte Becker 49 Titel gewonnen und Preisgelder von mehr als 20 Millionen Euro kassiert. Unvergessen ist sein erster Wimbledon-Sieg 1985 im Alter von 17 Jahren. Er wurde damit zum jüngsten Einzel-Sieger des prestigeträchtigsten Turniers.

Boris Becker: Prozess in London hat begonnen - Tennis-Legende drohen bis zu sieben Jahre Haft

Erstmeldung vom 21. März, 14.21 Uhr: London - Tennis-Legende Boris Becker ist am Montag in London vor Gericht erschienen, um sich wegen Insolvenzverschleppung zu verantworten. Der 54-Jährige traf am Vormittag zusammen mit seiner Freundin Lilian de Carvalho Monteiro am Southwark Crown Court in der britischen Hauptstadt ein. Die Staatsanwaltschaft wirft Becker vor, in einem Insolvenzverfahren in seiner Wahlheimat Großbritannien Vermögenswerte unterschlagen und Informationspflichten nicht eingehalten zu haben. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft.

Boris Franz Becker
Geboren: 22. November 1967 (Alter 54 Jahre), Leimen
Größte Erfolge: Wimbledon (1985, 1986, 1989), US Open (1989), Australian Open (1991, 1996); Olympia-Doppel-Gold (1992)
Kinder: Anna Ermakowa, Amadeus Benedict Edley Luis Becker, Noah Becker, Elias Becker

Boris Becker: Tennis-Legende in London vor Gericht

Ein Konkursgericht in London hatte den dreimaligen Wimbledon-Sieger im Juni 2017 wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt. Seine Außenstände wurden damals auf bis zu 50 Millionen Pfund (59 Millionen Euro) geschätzt.

In 24 Anklagepunkten wird Becker nun vorgeworfen, in dem Insolvenzverfahren unter anderem mehrere Pokale zurückgehalten zu haben, darunter die Trophäe für einen ersten Wimbledon-Sieg 1985. Zudem soll er Immobilien, Aktien und Bankguthaben verschwiegen und große Summen unter anderem auf Konten seiner Ex-Frauen Barbara und Lilly Becker überwiesen haben.

In einer Voranhörung ging es unter anderem um eine Wohnung im Londoner Nobel-Stadtteil Chelsea sowie zwei Immobilien in Deutschland, die Becker nicht ordnungsgemäß angemeldet haben soll.

Boris Becker in Begleitung von Lilian de Carvalho Monteiro.
Boris Becker in Begleitung von Lilian de Carvalho Monteiro. © James Manning/PA Wire/dp

Boris Becker: Prozess wegen Insolvenzverschleppung

Nach der Insolvenz wurden bis Juli 2019 mehr als 80 Gegenstände aus Beckers Besitz versteigert. Dazu zählten Trophäen, Tennisschläger, Fotos, Uhren sowie ein „Bambi“ des Tennis-Stars. Bei der Zwangsversteigerung fehlten allerdings einige wichtige Trophäen, die nicht auffindbar waren. Mit dem Erlös in Höhe von rund 765.000 Euro wurde ein Teil von Beckers Schulden beglichen.

Der Prozess wegen Insolvenzverschleppung sollte eigentlich schon im September beginnen, wurde aber verschoben, weil Becker sein Anwaltsteam austauschte. Er sei „froh, dass der Prozess jetzt endlich losgeht und das Gericht ein Urteil sprechen wird“, sagte Becker nun der „Bild am Sonntag“. „Die vergangenen fünf Jahre waren verdammt lang, die härtesten meines Lebens.“

Boris Becker plädierte im Oktober 2020 auf „nicht schuldig“

Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weist Becker zurück. Bei einer Gerichtsanhörung im Oktober 2020 hatte er in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert. Sein damaliger Anwalt sagte, Becker sei entschlossen, die Vorwürfe zu entkräften und seinen Ruf wiederherzustellen.

Im Prozess, der voraussichtlich drei Wochen dauern wird, wird Becker einen Dolmetscher nutzen - obwohl sein Englisch nach Angaben seines Anwalts „sehr gut“ ist. Der Tennis-Star, der in seiner Sportlerkarriere sechs Grand-Slam-Turniere gewann, hatte bereits wiederholt juristische Schwierigkeiten wegen finanzieller Angelegenheiten. Die spanische Justiz nahm Becker wegen Schulden im Zusammenhang mit seiner Villa auf Mallorca ins Visier. Die Schweizer Justiz warf ihm vor, den Pfarrer nicht bezahlt zu haben, der ihn 2009 traute.

2002 hatte ein Gericht in München Becker wegen Steuerhinterziehung von rund 1,7 Millionen Euro zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 500.000 Euro verurteilt. Dieser Prozess wie auch Häme über mehrere gescheiterte Beziehungen des Sport-Stars trugen dazu bei, dass das Verhältnis von „Bumm-Bumm-Boris„ zu seinem Heimatland Deutschland abkühlte und er London als Wohnort wählte. (AFP)

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