Interview mit einem Unangepassten

Lebenslang gesperrter Ex-Tennis-Profi Daniel Köllerer: „Zehn Prozent der Spieler sind gedopt“

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Ex-Tennisprofi Daniel Köllerer nimmt auch acht Jahre nach seiner Sperre kein Blatt vor den Mund.

Als Tennisspieler zählte der Österreicher Daniel Köllerer einst zu den besten der Welt. Dann brachte ihm sein Temperament eine lebenslange Sperre des PTIO ein.

München – Dieser Spitzname ist Programm: „Crazy Dani“ wird Daniel Köllerer genannt und verrückt war nicht nur die Tenniskarriere des Ex-Profis. Bis auf Platz 55 der Tennis-Weltrangliste spielte sich Köllerer im Jahr 2009. Bei den US Open hatte er den späteren Champion Juan Martin del Potro am Rande einer Niederlage. Nur zwei Jahre später der Absturz: 2011 sperrte ihn das PTIO (Professional Tennis Integrity Office) wegen vermeintlicher Spielmanipulationen lebenslang. Schon vorher musste der heute 35-Jährige nach Ausrastern auf dem Platz öfters pausieren.Es folgten Auftritte bei „Promi Big Brother“ (2015) und der Nackt-TV-Show „Adam sucht Eva“ (2016). Weitere Auftritte im Reality-TV werden gerade verhandelt. Ein Gespräch mit Köllerer ist verrückt, spannend und niemals langweilig. Hier liefert „Crazy Dani“ den Beweis, dass er seinen Spitznamen auch heute noch zu Recht trägt.

Herr Köllerer, wann haben Sie das letzte Mal einen Tennisschläger in der Hand gehalten?

Gestern. Ich gebe hin und wieder Trainerstunden. Selbst trainiere ich aber nicht mehr.

Ihr letztes Turnier?

Einmal im Jahr spiele ich ein Einladungsturnier in Burgoberbach. Offizielle Turniere darf ich ja dank meiner Sperre nicht absolvieren. Ich spielte die letzten beide Jahre in einer österreichischen Liga viel Fußball und durch das Training bin ich körperlich gut beieinander.

Wo würden Sie Ihr aktuelles Tennis-Niveau ansiedeln?

Ein Future-Turnier könnte ich problemlos gewinnen...

Daniel Köllerer über Wimbledon: Er verfolgt die Spiele nicht

Verfolgen Sie die Matches in Wimbledon vor dem Fernseher?

Nein. Warum auch? Neulich wollte ein Spieler von mir in einer Pause das Tie-Break zwischen Kyrgios gegen Nadal sehen. Danach trainierten wir weiter! Wenn ich mal frei habe, nutze ich die Zeit mit meiner Familie. Das ist mir wichtiger!

Wie verdienen Sie Ihr Geld?

Ich arbeite als Assistenz der Geschäftsführung bei Sägen Connex. Wir vertreiben Sägeblätter – eine richtige Männerfirma.

In Ihrer besten Zeit waren Sie die Nummer 55 in der Welt. Haben Sie damals mehr verdient als heute in ihrem Job?

Natürlich. Unter den den Top 100 verdient man als Profi verdammt gut. Dazu kommen lukrative Werbeverträge. Finanziell muss man sich in diesen Regionen überhaupt keine Sorgen machen.

Die Sorgen beginnen jenseits der Top 100?

In diesen Regionen bleibt man bei plus-minus-null und muss Woche für Woche ums Überleben kämpfen.

Und wird so anfällig für unmoralische Angebote?

Logisch. Ein Beispiel: Ein 18-Jähriger bekommt 5000 Euro angeboten, um ein Match zu verlieren. Der Turniersieg bringt aber nur 5000 Euro und ist für ihn eher unrealistisch. Da werden viele finanzschwache Spieler schwach. Vor allem junge Spieler.

Im Umkehrschluss sind Grand-Slam-Turniere wie in Wimbledon durch das hohe Preisgeld sauber.

Falsch. Mir ist für eine Niederlage in der ersten Runde der French Open erheblich mehr Geld angeboten worden, als ich bei einem Sieg kassiert hätte.

Warum werden so wenige Fälle öffentlich?

Weil Topstars darin verwickelt sind. Sobald ein Grand-Slam-Sieger öffentlich überführt würde, ist der Sport am Ende. Siehe Radsport.

Womit wir beim nächsten Tabuthema wären: Doping.

Das funktioniert genauso. Positive Proben gibt es aber nur sehr vereinzelt. Zumindest öffentlich. Es gibt Grand-Slam-Sieger mit schweren Verletzungen, die auf einmal einige Wochen „verletzt“ von der Bildfläche verschwinden und dann sofort wieder große Turniere gewinnen. Für mich etwas eigenartig, aber wenn man solche Spieler offiziell sperrt ist der Tenniszirkus genauso abgeschrieben wie der Radsport!

Doping im Tennis? Daniel Köllerer hat eine klare Meinung

Was schätzen Sie: wie viele Spieler sind bei einem Grand-Slam-Turnier gedopt?

Sicherlich 10 Prozent!

„Im Tennis bringt Doping nichts!“ - hört man immer wieder.

Totaler Schwachsinn! Durch bestimmte Substanzen kann man die Erholung extrem beschleunigen. Und die Erholung ist in der Knochenmühle des Turnierkalenders der entscheidende Faktor.

Zuletzt wurde der Brite Daniel Evans und Franzose Richard Gasquet wegen Kokain-Missbrauchs gesperrt.

Angeblich wird man ziemlich fokussiert bei der ganzen Geschichte und bekommt einen Tunnelblick! Ist sicherlich nicht von Nachteil! Bei der Dopingprobe, wenn‘s nicht Kokain war, waren es halt die Tabletten der Freundin gegen Regelschmerzen und die Betrüger kommen mit einer lächerlichen Strafe davon und ein Jahr später schlagen die Sünder wieder auf. Aber bei mir wird ohne Beweise lebenslange Sperre verhängt. Aber so konnte man „Crazy Dani“ bequem entsorgen.

Werden wir Sie in diesem Zirkus noch einmal sehen?

Gegenfrage: Hofft ein zu unrecht verurteilter Mörder, dass seine Unschuld bewiesen wird? Meine Unschuld kann nicht bewiesen werden, da es keinen Beweis gegen mich gibt, bis heute nicht. In London, bei meiner ersten Verhandlung hab ich knappe 80.000 verbrannt und für den Einspruch beim CAS habe ich nochmals knappe 110000 Euro verbraten, bei denen mich mein Vater mit allem was er hatte unterstützt hat.

Haben Sie noch Hoffnung auf ein Comeback auf dem Platz?

Natürlich. Auf ATP-Turnieren wird man mich nicht mehr sehen. Vielleicht sind nationale Turniere oder Liga in Österreich und Deutschland nochmal möglich. Ich hoffe es. Mal schauen.

Das Gespräch führte Daniel Müksch.

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Vom Pech verfolgt ist auch Boris Becker, doch die Tennis-Legende hat noch ein Ass im Ärmel - und das ist milliardenschwer.

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