Nach Pleite: Es brodelt im deutschen Tennis-Team

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Florian Mayer (Archivfoto)

Bamberg - Mit 1:4 verlor das deutsche Daviscup-Team in der ersten Runde gegen Argentinien. Neben der sportlichen Schlappe sorgt auch teaminterner Streit für Ärger. Sogar Boris Becker ist alarmiert.

Der Teamgeist ist erschüttert - und Boris Becker tief besorgt: Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft hat bei der 1: 4-Erstrundenpleite in der „Frankenhölle“ gegen Argentinien in doppelter Hinsicht ihr blaues Wunder erlebt. Vor allen Dingen Tommy Haas gab sich nach seinem missglückten Comeback in Bamberg als schlechter Verlierer, brach den Ehrenkodex und attackierte den kranken Philipp Kohlschreiber öffentlich.

Ehrengast Boris Becker befürchtet wegen des Zoffs sogar ein nachhaltiges Erdbeben, sprang Haas aber zur Seite: „Das wird so nicht spurlos vorübergehen. Der Teamchef wird sich darüber Gedanken machen“, sagte Becker bei bild.de über das „nicht gerade mannschaftsförderliche“ Verhalten des untergetauchten Kohlschreiber.

Während der neue DTB-Präsident Karl Altenburg ein „enttäuschendes sportliches Fazit“ zog, war auch Teamkapitän Patrik Kühnen nach dem klar verpassten Viertelfinale untröstlich. „Es ist bitter, dass wir schon vor dem abschließenden Tag nicht mehr im Rennen waren. Es ist schwer zu verkraften, dass wir ein Match wie das Doppel nicht gewonnen haben“, sagte Kühnen nach der entscheidenden 6:3, 6:4, 4:6, 3:6, 4:6-Niederlage von Haas und Philipp Petzschner gegen David Nalbandian/Eduardo Schwank.

Da passte es ins Bild des verkorksten Wochenendes, dass Haas nach seinem wieder einmal geplatzten Kindheitstraum vom Davis-Cup-Sieg Kohlschreiber öffentlich bloßstellte - und so zusätzlich Unruhe stiftete. „Für mich nicht verständlich, dass er nicht hier war. Es ist sehr schade, dass Philipp nicht mal vorbeigekommen ist“, kritisierte Haas den wegen eines Magen-Darm-Infekts ausgefallenen Kohlschreiber in der PK.

So stöhn ist das Damen-Tennis! Wir zeigen die lautesten Spielerinnen

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Seien Sie froh, dass diese Fotostrecke keinen Ton hat - aber dafür ganz viel Foto: So stöhn ist das Damentennis! © Getty
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Hier sehen Sie die Queen des lauten Schreis: Maria Scharapowa. © Getty
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Die schöne Russin bringt es auf unfassbare 101 Dezibel. Das entspricht einer lauten Motorsäge und liegt knapp unter der Schmerzgrenze - für manche ihrer Gegnerinnen auch deutlich darüber. © Getty
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Bei so viel Geschrei geraten die spielerischen Fähigkeiten Scharapowas fast in den Hintergrund. © Getty
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Doch sie ist bei weitem nicht die einzige Spielerin, die grunzt, schreit oder stöhnt. © Getty
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Dinara Safina, die Schwester von Marat Safin, unterstrich ihre Schläge oft mit einem Ä-Ton. © Getty
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Ääääääääh! © Getty
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Auch Elena Dementieva gab gern Laute von sich, die vor allem männliche Fans grübeln ließen © Getty
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Obacht, gleich kommt's! © Getty
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Die Sache mit dem Stöhnen hat übrigens nicht zwangsläufig etwas mit Extrakraft zu tun. © Getty
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Denn auch bei wahren Kraftpaketen wie den Williams-Schwestern, hier Venus, geht es lautstark zur Sache © Getty
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Serena steht ihrer Schwester auch da in nichts nach. © Getty
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Duelle unter den Schwestern sind ein wahrer Ohrenschmaus. © Getty
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Andrea Petkovic (l.) kann nicht nur gut tanzen, nein, ... © Getty
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... vor ihren Siegen gibt sie lautstark alles! © Getty
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Auch Victoria Azarenka konnte glatt als Sirene durchgehen. © Getty
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Das hier war allerdings ein Jubelschrei. © Getty
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Michelle Larcher de Brito schlug sie alle! Zwar nicht im Tennis, sondern im Schreien. © Getty
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Mit 109 Dezibel war sie die lauteste Spielerin von allen. © Getty
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Und wer hat's erfunden? Hier sehen Sie die Mutter des Stöhnens, Monica Seles. © Getty
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Schon in ihren Duellen mit Steffi Graf ging sie deutschen Zuschauern damals gehörig auf den Zeiger. © Getty
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Kommen wir zu den tieferen Tonlagen. © Getty
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Francesca Schiavones Urschreie waren deutlich tiefer als die der Konkurrenz. © Getty
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Und jetzt kommen wir zu den ganz tiefen Tönen. Denn wer denkt, dass nur Frauen stöhnen, liegt falsch. © Getty
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Die weltbesten Männer tun's auch, zum Beispiel Novak Djokovic. © Getty
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Oder Rafael Nadal, der seine Schläge ebenfalls akustisch untermalt © Getty
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Genau so! Roger Federer ist übrigens mucksmäuschenstill. © Getty
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Auch bei den Männern gibt es zwei Ur-Stöhner. © Getty
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... und Andre Agassi. © Getty
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Bei ihm beschwerten sich die Gegner Ende der 80er-Jahre als Erstes, aber noch immer gibt es keine Lautstärkeregeln. Und so bleibt das Gestöhne ein Teil des Tennis! Nur auf den Tribünen gilt weiterhin: Quiet, please! © Getty

Der Weltranglisten-31. hatte sich bei Kühnen am vergangenen Mittwoch abgemeldet - und sich dann nicht mehr gerührt. Kein Anruf, keine SMS. „Er sagte mir, er sei zu schwach, um gegen Argentinien spielen zu können. Seitdem hatte ich keinen Kontakt mehr zu Philipp“, erklärte Kühnen und zeigte Verständnis für die Haas-Schelte: „Ich weiß nicht, wie es Philipp geht. Aber wir hätten uns alle gewünscht, wenn er uns wenigstens für einen Tag unterstützt hätte.“

Ausgerechnet an Kühnens 46. Geburtstag konnte das deutsche Gespann Petzschner/Haas einen 2:0-Satzvorsprung nicht nutzen und besiegelte mit der Fünfsatz-Niederlage das 0:3 und damit das vorzeitige Aus bereits am Samstag. „Das tut weh. Ich hatte mir mehr ausgerechnet und so vor mich hingeträumt, dass wir Bamberg als Sieger verlassen“, sagte Haas, der nach viereinhalbjähriger Davis-Cup-Abstinenz ein verpatztes Comeback erlebte.

Petzschner und die deutsche Nummer eins Florian Mayer hatten bereits in den ersten Einzeln auf verlorenem Posten gestanden. Während sich US-Open-Doppelsieger Petzschner nach dem 3:6, 3:6, 3:6 gegen Juan Monaco die „Schulnote mangelhaft“ gab, wirkte Mayer beim 6:2, 0:6, 1:6, 6:7 (5:7) gegen den wie entfesselt aufspielenden Nalbandian hilflos. Mayer kassierte rund 50 Kilometer von seinem Wohnort Bayreuth entfernt am Sonntag gegen Juan Ignacio Chela (5:7, 5:7) die vierte Davis-Cup-Einzelpleite in Serie. Den einzigen deutschen Punkt holte Debütant Cedrik-Marcel Stebe im letzten Einzel mit 7:6 (7:1), 7:5 gegen Schwank.

Erfolge sind nötig

Statt eines Heimspiels im Viertelfinale samt wichtiger Einnahmen wartet nun die Play-off-Runde um den Klassenerhalt (14. bis 16. September). Ein Abstieg wäre ein weiterer Rückschlag, das weiß auch DTB-Boss Altenburg, der eine „Marke aufbauen“ und Geldgeber aus der Industrie gewinnen will. „Und dazu brauchen wir Erfolge“, sagte Altenburg.

Den Grund für die glatte Niederlage sah Kühnen, der laut DTB-Vizepräsident Carl-Uwe Steeb mit einer Verlängerung seines Ende 2012 auslaufenden Vertrages rechnen darf, in der um „einen Tick“ besseren Qualität der Argentinier. Dass er sich überraschend für Sand als Belag entschieden hatte, wollte der Teamchef auch im Nachhinein nicht als Nachteil ansehen.

Und auch das wohl aus der Not geborene Experiment, die Partie mangels Angeboten live im Internet statt im TV übertragen zu lassen, bewertete Altenburg positiv. „Wir wollten einen neuen Weg gehen. Selbst beim Fußball wird das ja überlegt“, sagte der DTB-Präsident.

sid

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