Das passierte im Sport

Jahresrückblick: Die legendärste PK seit 1989 - und ein Peter-Maffay-Motto bei den Löwen

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Bundesliga, Bayern München - RB Leipzig, 16. Spieltag in der Allianz Arena.

Von der Hahnenkam-Abfahrt im Winter, über den dramatischen Kampf um die Vizemeisterschaft im Fußball und bis hin zu Wimbledon: 2018 ist auf keinen Fall ein Jahr zum Vergessen!

Kein Dreck, kein Mist – und alles mit dem Grundgesetz vereinbar! Das ist der Sportjahresrückblick von tz-Kolumnist Jörg Heinrich. Wir erinnern unter anderem an den ZSMMNBRCH der deutschen WM-Fußballer und an die legendärste Pressekonferenz seit der Maueröffnung 1989. 

Der Wahnsinns-Winter:

Mia san Kitz, Thomas Dreßen gewinnt die Hahnenkamm-Abfahrt. Ein Piefke-Sieg auf der Streif, das ist für Österreich eine Tragödie wie Vroni Ferres als Sisi. Die Sensation macht Lust auf Olympia in Südkorea – vor allem, weil Kim Jong-un, der knuffige Nachwuchsdiktator aus Nordkorea, verspricht, die Winterspiele nun doch nicht atomar anzugreifen. Highlight in Pyeongchang ist die Silbermedaille unserer Eishackler. Nachdem die tschechische Snowboarderin Ester Ledecká versehentlich Gold im Super-G gewinnt, sind Hybrid-Sportler gefragt wie nie. Der FC Bayern denkt darüber nach, Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm als Nachfolger von Jupp Heynckes anzuheuern. Immerhin: Der Mann stammt aus Niederbayern, ist also mehr oder weniger deutschsprachig. Sturm ist erst 39, und längst nicht so kapriziös und vegan wie Thomas Tuchel. Spanier besiegt er stets mühelos. Leider hat er keinen Hund, wie Jupp, aber daran lässt sich arbeiten. Am Ende wird nichts daraus. Chance verpasst, FCB! 

Der dramatische Kampf um die Vizemeisterschaft: 

21 Punkte Vorsprung häuft der FC Bayern bis zum Saisonende an. Die Fans in München sind zufrieden, denn ihr Leben ist auch ohne aufregende Titelentscheidung spannend genug. Es gibt so viel Dramatik in dieser Stadt. Kommt vielleicht sogar die S-Bahn? Fährt uns beim Radlfahren ein Rechtsabbieger tot, der gerade eine WhatsApp tippt – und wie sehr wird es weh tun? Finden wir bereits für 1900 Euro kalt eine schicke 35-Quadratmeter-Wohnung? München ist die Herzkasperl-Hauptstadt schlechthin, da muss der Fußball nicht auch noch spannend sein. International scheitert der FCB wie immer seit dem zweiten Einfall der Langobarden an einem spanischen Klub, diesmal wieder an Real Madrid. Hier gilt das Motto vom Monaco Franze: „A bissl nix geht immer.“ 

Fit mit Recep: 

Das „Annus horribilis“ des DFB beginnt im Mai, als sich Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem lupenreinen türkischen Demokraten Recep Tayyip Erdogan ablichten lassen. Dabei wollen die Fußballer nur die Verdienste Erdogans um Sport und Fitness würdigen. Özils Präsident hat schließlich dafür gesorgt, dass sich Journalisten wie Deniz Yücel, die sonst nur faul vor ihren Laptops verkümmern, wieder sportlich betätigen – mit Kniebeugen und Dauerlauf beim Hofgang. Gut, die Bewegung erfolgt nicht ganz freiwillig. Aber als Profis wissen Özil und Gündogan gut genug, dass beim Sport oft nur Druck hilft. 

Der Zusammenbruch: 

Oliver Bierhoff hatte sich wieder viel Schönes ausgedacht. Die Unterkunft in Watutinki, dem Neuperlach Süd des Ostens (nichts gegen Neuperlach Süd!) ist terminlich von Anfang an mit Hinblick aufs Finale geplant, für das die DFB-Elf ja praktisch vorab gesetzt ist. Irritationen gibt es nur ums Motto „Best Never Rest“, das in einer Umfrage 107 Prozent der deutschen Fans nicht kapieren. Am besten nie Reste essen? Die Bestie rastet nie? Dann rasten sich die deutschen Spieler aber doch aus – die gesamte Vorrunde über, bis zum Ausscheiden als Tabellenletzter, hinter Schweden, Mexiko und Südkorea. Als zwischendurch doch noch versehentlich das Weiterkommen droht, reagiert Jogi Löw sofort – und lässt im letzten Spiel wieder Khedira und Özil einen rechten „Dreck“ (O-Ton Uli) spielen, die das Ausscheiden souverän nach Hause schaukeln. Es gibt im Fußball keine Kleinen mehr. Außer uns. 

Der TSV 1860 und Peter Maffay:

Das Löwen-Jahr wird von Peter Maffay geprägt. Zu Jahresbeginn zieht sich Investor Hasan Ismaik teilweise zurück, bleibt irgendwie aber doch. Wie das funktioniert, hat Maffay im Lied So bist Du bereits 1979 wunderbar gesungen: „Und wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir.“ Doch den Löwen winkt ein Happy End, wie der kompakte Rocker aus Tutzing schon vorab ahnt: „Dann weiß ich, was auch geschieht, es wird gut. So bist Du, Duuuuuh, nur Du.“ Und tatsächlich wird im Mai alles guuuuut. Wieder liefert Peter Maffay den Soundtrack: „Über Sa-ha-arbrücken musst Du gehen, sieben dunkle Jahre überstehn.“ Okay, es waren mehr als sieben dunkle Jahre bei den Blauen. Aber am Ende steht der Aufstieg. Danke, Peter! 

Mist statt Dreck: 

Nach einem 1:1 gegen den FCA stürzen die Bayern unter Niko Kovac in die tiefste Krise, seit Uli Hoeneß 1991 die putzige Idee hatte, „die Sören“ Lerby als Trainer anzuheuern. Und die Granden werden immer nervöser. Höhe- und Tiefpunkt in einem ist die legendärste Pressekonferenz seit Günter Schabowski („Das tritt nach meiner Kenntnis…ist das sofort, unverzüglich“). Aber: tz-Kolumnist Jörg Heinrich ist begeistert, dass Uli Hoeneß kurz darauf sofort und unverzüglich die Größe hat, Fehler einzugestehen. Denn der Präsident relativiert ausdrücklich seinen Vorwurf, Özil habe seit Jahren nur „Dreck“ gespielt: „Ich hätte nicht Dreck sagen dürfen, sondern Mist.“ Und diese Einsicht freut uns. Denn Mist ist eine ganz wunderbare Sache. Mist, das ist Dünger, das ist Biomasse, das ist Landlust. Das ist Hubert Aiwanger und die Grünen auf einmal. Auf Mist gedeihen Zuchtchampignons und Rosen. Mit der Formulierung „Mist“ streckt der Präsident die Hand zur Versöhnung aus. Bravo, Uli! 

Vettel, Angie und das Pay-TV: 

Die neuen US-Besitzer der Formel 1 amerikanisieren die Autorennen konsequent. Neu ist unter anderem der Halo, der Sturzbügel (StuBü) über dem Cockpit. Beobachter sind sich einig, dass es sich um die hässlichste Erfindung seit Gaulands Hundekrawatte handelt. Selbst Howard Carpendale protestiert: „Halo again, du isch möschte disch nie wiedersehen.“ Für die Sicherheit ist der StuBü allerdings top, was Sebastian Vettel tatkräftig überprüft, indem er über die Strecken kreiselt wie ein Geisterfahrer über den Mittleren Ring. Angelique Kerber gewinnt Wimbledon. Oliver Bierhoff ist so begeistert, dass er spontan anbietet, Angie als #DieSpielerin und mit dem Slogan #WMBLDN zu vermarkten. Und die Fußball-Fans müssen umlernen, nachdem die Champions League nur noch im Bezahlfernsehen kommt – überwiegend in einem neuartigen Internetsender, dessen Namen niemand aussprechen kann, der über 12 ist. Viele Firmen ernennen eigene Pay-TV-Beauftragte, die alle Fragen der Kollegen beantworten können. Durch eine Zusatzqualifikation an der VHS lassen sich weitere Kenntnisse in Netflix und Amazon Prime erwerben. Im Jahr 2019 sind erste Uni-Studiengänge für professionelles Sport-Fernschauen geplant.

Jörg Heinrich

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