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Federer bricht den Grand-Slam-Rekord

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Roger Federer, der beste Tennisspieler aller Zeiten. © AP

London - Roger Federer hat im dramatischsten Fünf-Satz-Krimi der Wimbledon-Geschichte seinen 15. Grand-Slam-Triumph gefeiert und ein neues Kapitel im Rekordbuch des Tennis geschrieben.

Nach einem Herzschlagfinale gegen den so gut wie noch nie auftrumpfenden Andy Roddick holte sich das Jahrhundert-Talent aus der Schweiz am Sonntag bei den All England Championships seinen sechsten Titel auf dem “Heiligen Rasen“.

Mit eisernen Nerven und reichlich Glück bügelte er die Vorjahres-Niederlage gegen Rafael Nadal wieder aus. Der Amerikaner Roddick setzte dem neuen Grand-Slam-Weltrekordler unerwartet mächtig zu und brachte ihn beim 5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6, 16:14 ganz dicht an den Rand einer neuerlichen Endspiel-Pleite. 4:16 Stunden hing der Sieg am seidenen Faden, doch dann hielt die neue Nummer eins der Weltrangliste nach einem fünften Satz mit den meisten Spielen der Turniergeschichte den schweren Silberpokal in die Höhe, nachdem der Eidgenosse Roddick auch im dritten Wimbledon-Finale endlich geschlagen hatte.

Um ein Preisgeld von 993 000 Euro reicher winkte er Pete Sampras in der Royal Box zu, der zum Gratulieren erstmals seit seinem Rücktritt 2002 zurück nach Wimbledon gekommen war. Für Federer war es im 21. Duell mit Roddick der 19. Sieg.

Als der Überraschungsgast aus den USA nach drei Spielen aus den Katakomben des Center Courts kam und sich neben die Tennis-Legenden Björn Borg und Rod Laver setzte, ging ein Raunen durch die mit 15 000 Zuschauern besetzte Arena. “Ganz ehrlich“, so der 37-Jährige, “ich habe kein Problem damit, dass Roger mich überholt hat. Er hat seinen Job gemacht und das mit Klasse.“ Davon überzeugten sich auf der Tribüne auch der Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft Michael Ballack, der in Wimbledon wohnt, ManU-Trainer Sir Alex Ferguson, Ex-US-Außenminister Henry Kissinger sowie die Schauspieler Woody Allen und Russell Crowe.

Roddick schien sich vom Besuch Sampras' inspirieren zu lassen, als wollte er sagen: “Euch verderbe ich die Feier für den Weltrekordler.“ Mit hammerharten Aufschlägen setzte der Service-Weltrekordler (249,4 km/h) den Eidgenossen unter Druck. Wenn das nicht reichte, passierte er ihn mit seiner cross geschlagenen Vorhand ein ums andere Mal.

Federer, der im Halbfinale dem enorm starken Thomas Haas das Nachsehen gegeben hatte, tat unbeeindruckt - aber in ihm begann es zu brodeln. Die starke Gegenwehr hatte er so nicht erwartet. Zu lässig vergab er beim Stand von 5:5 gleich vier Breakbälle und verlor danach sogar seinen Aufschlag zum Satzverlust. Erinnerungen wurden wach an 2008, als der diesmal fehlende Nadal die Gunst der Stunde nutzte.

Auch Roddick stürmte weiter auf der Straße des Siegers. Bis zu den folgenden Tiebreaks. Da verließen ihn die guten Geister und er verlor beide, nachdem er während des Turniers sechs am Stück gewonnen hatte. Aber noch gab der US-Open-Sieger von 2003 das vierte Wimbledon-Match gegen Federer nicht verloren. Zum 2:2 glich er aus - selbst die Royal Box stand Kopf, in der sich Queen Elizabeth II. wieder entschuldigen ließ.

Danach wurden die Karten neu gemischt - und der Schweizer hielt die Trümpfe in seiner Hand. “Federer muss nur spielen wie Federer“, hatte Boris Becker geahnt. Und so kam es auch auf dem Weg zum 15. Rekord-Triumph, mit dem der viermalige Weltsportler Sampras überholte. Der Familienvater hatte den Siegeszug seines Nachfolgers zunächst von zu Hause in Thousand Oaks/Kalifornien verfolgt und war mit seinen Söhnen Christian (6) und Ryan (3) angeln gegangen, wie er der “New York Times“ verriet.

“Roger hat es verdient. Er ist bereit, Opfer zu bringen und ist ein wirklich großer Champion“, erklärte Sampras, der neben William Renshaw mit sieben Wimbledon-Siegen noch immer der Regent ist. “Ich habe 14 Titel gewonnen und das sind 14 mehr, als ich erwartet hatte.“

Der dreimalige Champion Becker meinte über Federer: “Seit dem Sieg bei den French Open, mit dem er alle vier Grand Slams gewonnen hat, ist er aus meiner Sicht der größte Spieler der Geschichte.“

dpa

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