Bundesliga-Schlusslicht

Gross-Mission auf Schalke: Tasmania-Rekord vermeiden

Christian Gross
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Der FC Schalke 04 erhofft sich vom neuen Trainer Christian Gross (M.) den Aufschwung. Foto: Fabian Strauch/dpa

Nach über zehn Jahren kehrt der Schweizer Christian Gross als Trainer in die Fußball-Bundesliga zurück. Und hat dabei gleich eine der schwierigsten Missionen: Schalke retten. Ein Hoffnungsträger wurde schon verpflichtet, darf am Samstag aber noch nicht helfen.

Gelsenkirchen (dpa) - Wenn man seit fast einem Jahr kein Bundesliga-Spiel gewonnen hat, hält man sich auch an kleinen Dingen fest.

Die Hoffnungsträger von Tabellen-Schlusslicht FC Schalke 04 vor dem Start in die Rest-Saison sind ein eigentlich schon zurückgetretener Trainer-Routinier, der seit zehn Jahren nicht in der Bundesliga gearbeitet hat, und ein neuer alter Linksverteidiger, der seit September kein Liga-Spiel absolviert hat.

Doch der neue Coach Christian Gross, der am Samstag bei Hertha BSC (18.30 Uhr/Sky) sein Bundesliga-Comeback nach 3744 Tagen gibt, und der noch nicht spielberechtigte Rückkehrer Sead Kolasinac taugen durchaus für ein bisschen Hoffnung. Der frühere Stuttgarter Gross (66) soll die Erfahrung und Souveränität mitbringen, die seinen Vorgängern David Wagner (49) und Manuel Baum (41) im hektischen und angespannten Schalker Umfeld fehlten.

Der für ein halbes Jahr vom FC Arsenal ausgeliehene Kolasinac soll mit Schnelligkeit und Robustheit vermisste Tugenden ins Spiel bringen. Und sorgte durch die auf Schalke so wichtige nostalgische Note als ehemaliger Jugend-Spieler und verlorener Sohn mancherorts sogar für Euphorie. «Wir sind richtig stolz, dass mit ihm ein echter Schalker Junge heimkehrt», sagte Sportvorstand Jochen Schneider: «Sead verkörpert genau die Werte, die Schalke 04 auszeichnen und die im Kampf um den Klassenerhalt elementar sind: ein unbändiger Wille und ein starker Charakter.»

Der Nationalspieler Bosnien-Herzegowinas, der die Rückkehr als «absolute Herzensangelegenheit» bezeichnete, könnte auch direkt Kapitän werden. In Berlin wird der 27-Jährige, der bei Arsenal in der laufenden Premier-League-Saison nur einmal am zweiten Spieltag zum Einsatz kam, wegen der Transferregeln der Deutschen Fußball Liga aber noch fehlen.

Also sind am Samstag alle Augen auf Gross gerichtet, der seinen höchsten Bundesliga-Sieg als Bochumer Spieler 1981 einst mit 6:0 beim späteren Absteiger Schalke feierte. Doch im Gegensatz zu seinem 25 Jahre jüngeren Vorgänger Baum, der mit markanten Worten und blumiger Sprache Reize anbringen wollte, setzt der Routinier komplett auf Sachlichkeit. Nach 29 Spielen ohne Sieg - zum Negativrekord von Tasmania Berlin fehlen nur noch zwei - sei es freilich eine «spezielle Mission». Aber wenn die Mannschaft alles aus sich raushole, sei er vom Klassenerhalt «felsenfest überzeugt».

Dieser könnte dem Schweizer, der seine Karriere im Mai eigentlich schon für beendet erklärt hatte, dann sogar eine Weiterbeschäftigung auf Schalke sichern. «Ich habe noch sehr viel Energie», versicherte er. «Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.»

Die Zeiten der Worte sind vorbei auf Schalke. Nun müssen Taten folgen. «Mit klarer Linie» solle und werde der als harter Hund bekannte Gross arbeiten, sagte Schneider, der diesen noch aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten kennt. Gross selbst fordert «Ehrgeiz in jeder Sekunde» und «um die Mannschaft herum eine positive Grundhaltung». Schon nach zwei Spielen den Tasmania-Rekord zu brechen, den die meisten für ewig hielten, wäre auf dieser Mission ein herber Rückschlag.

Für die schwierige Mission Klassenerhalt erhält Gross weitere Unterstützung durch einen erfahrenen Co-Trainer: Rainer Widmayer erhält beim Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga einen Vertrag bis zum Saisonende, wie der Club mitteilte. Der gebürtige Sindelfinger Widmayer (53) ist seit 20 Jahren als Assistenz-Trainer tätig, arbeitete unter anderem bei Hertha BSC, 1899 Hoffenheim und bis Sommer in einer dritten Amtszeit beim VfB Stuttgart.

© dpa-infocom, dpa:210101-99-866272/6

Vereinsmitteilung zur Kolasinac-Verpflichtung

Pressekonferenz mit Christian Gross vor dem Hertha-Spiel

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