WM-Start am Samstag

Deutsche Handballer trotzen kalter Halle

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Oliver Roggisch im Zweikampf

Granollers - Die deutschen Handballer starten mit ihrer besten Formation in die WM in Spanien. Nur die Halle ist der Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger viel zu kalt.

Der Empfang für die deutschen Handballer in ihrer WM-Halle war kühl. Beim ersten Training im Palau d'Esportes von Granollers herrschten am Freitagvormittag eisige Temperaturen. „Da waren einige schon erstaunt, dass es hier solche Temperaturen gibt“, berichtete Bundestrainer Martin Heuberger im Team-Hotel. Und er nutzte die Kühle auch gleich, um das Motto für das Auftaktspiel an diesem Samstag (16.00 Uhr/ARD) gegen Brasilien zu formulieren: „Da hoffe ich, dass wir gegen Brasilien ein erfrischendes Spiel liefern.“

Während über der katalonischen Mittelmeer-Küste die Sonne scheint und die Luft frühlingshaft erwärmt, war die deutsche Handball-Delegation nicht erbaut über die Gefrierschrank-Atmosphäre in der Halle. „Das war sehr, sehr frisch. Wir haben das reklamiert“, sagte Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Trainingsanzug statt kurzärmeliger Trikots lautete die Anzugordnung für die Spieler. „Wenn man erstmal drin ist, geht das. Aber die ersten Ballkontakte waren schon ein bisschen anders“, erzählte Spielmacher Martin Strobel.

„Ich glaube, das war nur ein Problem, das heute war“, meinte Torhüter Silvio Heinevetter, „da hat man wohl über Nacht ein, zwei Fenster zu viel offen gelassen. Da war ein Zug in der Halle, das war nicht angenehm.“

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Joachim "Jo" Deckarm wurde 1978 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Ein Jahr später verletzte sich der als bester Spieler der Welt geltende Rückraumriese bei einem Europapokalspiel des VfL Gummersbach in Ungarn. Nach einem Foul fiel Deckarm auf den Kopf und lag 132 Tage im Koma. Er kämpfte sich durch intensive Therapien zurück ins Leben, ist aber bis heute durch den Unfall gezeichnet. © dapd
Jochen "Scholle" Fraatz war einer der besten Linksaußen der Welt. Er spielte lange Jahre für TuSEM Essen, später für die HSG Nordhorn und den TBV Lemgo. 1984 gewann er mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Vor allem seine "Dreher" waren weltweit gefürchtet. Er ist mit 2.660 Toren Zweiter der ewigen Torschützenliste der Handball-Bundesliga. © getty
Florian Kehrmann wurde 2007 Weltmeister im eigenen Land. Der dynamsiche Rechtsaußen vom TBV Lemgo errang außerdem mit der "Goldenen Generation" um Daniel Stephan, Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Christian Schwarzer 2004 den EM-Titel. 2003, 2005 und 2006 wurde er zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. 2006 wurde er außerdem Zweiter bei der Wahl zum Welthandballer des Jahres. © dapd
Bernhard Kempa prägte den Handball in Deutschland wie kaum ein anderer Spieler. Der Feld- und Hallenhandballspieler errang mit seinem Heimatverein Frisch Auf Göppingen elf Meistertitel. Legendär ist der "Kempa-Trick", der nach "Monsieur Handball" benannt wurde. Nach seiner aktiven Karriere feierte er auch als Trainer große Erfolge und war Welt- und Europameister im Tennis der Senioren. © dpa
Vielen Handballfans ist Wieland Schmidt kaum ein Begriff. Der Torhüter feierte mit der olympischen Goldmedaille 1980 in Moskau seinen größten Erfolg. Der langjährige Nationaltorhüter der DDR galt in den 70er und 80er Jahren als einer der besten Keeper der Welt. Mit seinem Heimatverein SC Magdeburg feierte er u.a. sechs Meistertitel und und zwei  Europapokalsiege. Er wurde dreimal zum Handballer des Jahres der DDR gewählt. © dpa
Christian Schwarzer feierte mit der deutschen Nationalmannschaft seine größten Erfolge. Neben dem WM-Titel 2007 und dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 wurde er 2003 bei der Weltmeisterschaft in Portugal als Kreisläufer zum wertvollsten Spieler gewählt. Während seines Engagements beim FC Barcelona wurde der überragende Abwehrspieler Champions-League-Sieger (2000). © dapd
Daniel Stephan gilt als "der Unvollendete". Er war 1998 der erste Welthandballer Deutschlands (2004: Henning Fritz). Der Rückraumspieler hatte während seiner Karriere mit etlichen Verletzungen zu kämpfen und spielte deshalb nie eine Weltmeisterschaft. 2004 errang der dreimalige Handballer des Jahres (1997-1999) mit der Nationalmannschaft den EM-Titel. Stephan war ein unglaublich vielseitiger Rückraumspieler. Neben seiner guten Übersicht zeichnete er sich als Spielmacher und Torjäger aus. © dapd
Andreas Thiel, genannt der "Hexer", gewann mit dem VfL Gummersbach fünf Deutsche Meisterschaften und zweimal den Europapokal der Landesmeister. Gefürchtet waren vor allem die Reflexe des siebenmaligen Handballer des Jahres. Er hielt in seiner Bundesligakarriere (528 Spiele) 430 Siebenmeterwürfe. © getty
Erhard Wunderlich ist Deutschlands "Handballspieler des Jahrhunderts". Im Alter von 21 Jahren gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft 1978 den Weltmeistertitel. Mit dem VfL Gummersbach sicherte er sich alle nationalen und internationalen Titel. In seiner Karriere wurde er dreimal mit der höchsten sportlichen Auszeichnung der BRD, dem "Silbernen Lorbeerblatt", ausgezeichnet.  1981 und 1982 wurde er außerdem zum Handballer des Jahres gewählt. © getty
Volker Zerbe steht für außergewöhnliche Vereinstreue. Der 2,11 große Linkshänder spielte seine gesamte Karriere (1986-2006) beim TBV Lemgo. Zerbe galt als einer der weltbesten Abwehrspieler und zeichnete sich in der Nationalmannschaft vor allem durch sein blindes Verständnis mit Kreisläufer Christian Schwarzer aus. In der DHB-Auswahl feierte er mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 seinen größten Erfolg. Den TBV Lemgo führte der langjährige Kapitän u.a. zu zwei deutschen Meisterschaften, drei Pokalsiegen und drei internationalen Titeln. © getty

Nichtsdestotrotz haben sich die Handballer konzentriert auf den Auftaktgegner Brasilien eingestimmt. „Die Vorbereitung ist abgeschlossen“, erklärte Bundestrainer Heuberger nach dem zwölften und letzten Training vor Turnierbeginn. Am Vorabend hatte die Mannschaft per Videostudium den Beachhandball-Weltmeister Brasilien unter die Lupe genommen und analysiert. „Wir müssen mit einer offensiven Abwehr rechnen. Das ist für uns relativ ungewohnt. Aber mir ist nicht bange“, sagte Heuberger.

Beim Abschlusstraining habe man dafür taktische Varianten ausprobiert. Doch viel wichtiger ist dem 48-Jährigen, dass die Abwehr stabil agiert, die Brasilianer nicht zur Entfaltung kommen und die Ballgewinne in Kontertore umgemünzt werden können. „Dann müssen wir uns im Angriff nicht so abmühen“, meinte Heuberger.

Die Vorfreude im Team ist groß, eine leichte Anspannung hat aber inzwischen Einzug gehalten. „Da spürt man schon, dass der eine oder andere etwas nervöser ist normal“, sagte der Bundestrainer. Spielmacher Strobel hingegen sieht dem ersten WM-Spiel gelassen entgegen: „Ich freue mich darauf und den anderen geht es auch so. Wir konnten es kaum erwarten, herzufliegen, und nun geht es endlich los.“

Mit einem Sieg zum WM-Einstand wollen sich die Handballer den nötigen Rückenwind für die weiteren Spiele in der Vorrundengruppe A holen. Denn bereits am Sonntag (17.20 Uhr/ZDF) wartet mit Tunesien der zweite Kontrahent. Anschließend folgen noch die Partien gegen Argentinien, Montenegro sowie Titelverteidiger und Olympiasieger Frankreich. Die ersten vier Mannschaften qualifizieren sich für das Achtelfinale. „Die Zielsetzung hat sich nicht geändert. Wir wollen uns mit guten Spielen präsentieren und das Achtelfinale erreichen“, erklärte der Bundestrainer.

dpa

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