Bundesliga-Abstiegskampf

Hannover 96 im Abstiegskampf: Chance ist da, Qualität fehlt

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Hannovers Trainer Thomas Doll geht nach der Niederlage gegen Frankfurt vom Platz. Foto: Swen Pförtner

0:3 gegen Eintracht Frankfurt - der Tabellenvorletzte Hannover 96 hat im Abstiegskampf einen weiteren Rückschlag kassiert. Nächster Gegner ist der direkte Konkurrent VfB Stuttgart. Was spricht jetzt noch für, was spricht gegen den Tabellenvorletzten?

Hannover (dpa) - Die Situation im Abstiegskampf ist für Hannover 96 paradox. Am nächsten Sonntag spielt der Tabellenvorletzte beim VfB Stuttgart, der Rückstand auf diesen Rivalen auf dem Relegationsplatz beträgt bloß zwei Punkte.

Es fehlt also nur ein Sieg - und Hannover könnte die beiden Abstiegsplätze der Fußball-Bundesliga verlassen. Auf der anderen Seite glaubt nach dem 0:3 gegen Eintracht Frankfurt kaum jemand mehr, dass die Niedersachsen die nötige Qualität für eine sportliche Rettung besitzen. Zu harmlos, zu geschwächt, zu verunsichert tritt dieses Team nun schon seit Wochen auf. Für oder gegen Hannover spricht jetzt im Abstiegskampf:

DIE TABELLE: Mit nur 14 Punkten nach 23 Spielen hätte man wahrscheinlich in neun von zehn Bundesliga-Saisons keine Chance mehr auf den Klassenerhalt. Hannover dagegen ist nur zwei Punkte vom Relegations- und vier Punkte von einem Nichtabstiegsplatz entfernt. "Das Gute ist, dass die anderen da unten auch verlieren. Es ist alles noch drin", sagte Trainer Thomas Doll nach dem Frankfurt-Spiel. Die beiden nächsten Auswärtsgegner sind der Tabellen-16. VfB Stuttgart und der Tabellen-15. FC Augsburg. Der Tabellen-17. hat es also in der eigenen Hand, an seinen Konkurrenten vorbeizuziehen. "Denen geht es auch nicht besser als uns", sagte Manager Horst Heldt.

DIE ZAHLEN: Hannover hat in der Bundesliga seit dem 21. Oktober 2017 kein Auswärtsspiel mehr gewonnen. Das macht vor den Spielen in Stuttgart und Augsburg wenig Mut. In nahezu allen relevanten Statistiken weist 96 die Werte eines Absteigers aus. Die meisten Saisonniederlagen (15), die zweitmeisten Gegentore (50), die drittwenigsten eigenen Treffer (20). Hinzu kommt: Kein anderer Abstiegskandidat muss so viele verletzte Leistungsträger ersetzen. Ihlas Bebou, Niclas Füllkrug, Linton Maina, Kevin Akpoguma: Diese vier langfristigen Ausfälle kann Hannover nicht kompensieren.

DIE QUALITÄT: Trainer Doll sprach die Defizite seines Teams auch nach dem 0:3 gegen Frankfurt offen an. Es sei ihm "unbegreiflich", wie man vor den beiden ersten Gegentoren durch Ante Rebic (54.) und Luka Jovic (63.) derart patzen könne. Abspielfehler im Spielaufbau, Stellungsfehler im Abwehrzentrum: "Wir müssen diese individuellen Fehler abstellen. Sonst werfen wir uns jedes Mal selbst die Knüppel zwischen die Beine", sagte Doll. Nimmt man die spielerischen Mängel im Mittelfeld, das fehlende Tempo auf den Flügeln und die mangelnde Qualität im Angriff hinzu, gelangt man zu der Erkenntnis: In dieser Verfassung und Besetzung ist Hannover nicht bundesliga-tauglich.

DIE STIMMUNG: Hannover ist ein zerrissener Verein. Clubchef Martin Kind möchte, dass eine Gruppe regionaler Investoren unter seiner Führung die Kontrolle über die ausgegliederte Profigesellschaft übernimmt. Eine Opposition will das verhindern. Von den 39 100 Zuschauern gegen Frankfurt haben in der zweiten Halbzeit viele resigniert und andere wie gewohnt gegen Kind und seine Mitstreiter protestiert ("Kind, Krause & Schröder: Packt eure Koffer, sonst tun wir es für euch"). Unterstützung im Abstiegskampf sieht anders aus. "Wenn ich Fan wäre, würde ich wahrscheinlich auch so reagieren", sagte Torwart Michael Esser. "Aber, na klar, fahren wir jetzt nach Stuttgart, um da zu gewinnen. Was soll ich denn sonst sagen?"

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