Bundesliga

Heldenhaft: Ngankam schießt Hertha zum Sieg gegen Schalke

Jessic Ngankam
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Herthas Stürmer Jessic Ngankam (2.v.l.) bejubelt sein Tor zum 1:2 mit Teamkollegen Dedryck Boyata (l), Peter Pekarik (2.v.r.) und Dodi Lukebakio (r).

Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Jessic Ngankam für Hertha BSC. Nach einem Tor gegen die Bayern in der Hinrunde geriet er in Vergessenheit. Und wurde am Mittwoch zum Helden.

Gelsenkirchen (dpa) - Dass ausgerechnet ein Eigengewächs zum Retter der neureichen Millionen-Truppe von Hertha BSC werden würde, hat Pal Dardai irgendwie geahnt.

„Ich habe schon vor zwei Monaten in einem Interview gesagt: Vielleicht macht Jessic irgendwann das wichtigste Tor der Saison“, sagte der Trainer am Mittwochabend.

Seine Prophezeiung hatte sich soeben erfüllt. Denn der 20 Jahre alte Jessic Ngankam hatte gerade das Siegtor zum mühseligen 2:1 (1:1) bei Absteiger FC Schalke 04 erzielt. „Das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl“, sagte der gebürtige Berliner Ngankam: „Ich bin seit dem sechsten Lebensjahr hier. Ich bin ein richtiger Herthaner. Umso stolzer bin ich, der Mannschaft ein bisschen geholfen zu haben.“

Mit einem Tor, das der Hertha einerseits fast schon den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga bescherte. Und sie andererseits vor einer Blamage bewahrte. Denn nichts anderes wäre ein Remis bei den Schalkern gewesen, die nicht nur der wohl schlechteste Absteiger seit Einführung der Drei-Punkte-Regel werden, sondern auch noch kurzfristig sieben Spieler wegen Quarantäne ersetzen mussten.

Dass er den 20-Jährigen zuvor neunmal in Folge nicht in den Kader berufen hatte, habe ihm „im Herzen wehgetan“, berichtete Dardai: „Jessic ist im Training immer gut. Er macht alles. Ich habe schon in der U13 mit ihm gearbeitet. Aber auf seiner Position spielen Cordoba oder Piatek, das sind Millionen-Spieler.“ Ein Satz, der ein Dilemma der Hertha gut beschreibt: Durch die Konzentration auf teure Stars hat der durch Investor-Millionen aufgepumpte Hauptstadt-Club die Talente aus seiner guten Akademie ein Stück weit vergessen.

Ngankam hatte Anfang Oktober sein erstes Bundesliga-Tor geschossen. Ein 3:3 beim FC Bayern in der 88. Minute. Das ein wenig unterging, weil der Rekordmeister durch Robert Lewandowski doch noch gewann. Zuletzt schien der Deutsch-Kameruner weiter weg denn je von einem Einsatz. Die Verletzung Cordobas spülte ihn auf Schalke in den Kader. Dass sich nun auch noch Piatek verletzte (Dardai: „Das Sprunggelenk ist am Arsch“) und Dodi Lukebakio wegen seiner Gelb-Roten Karte fehlt, könnte ihm am Samstag gegen den 1. FC Köln sogar den ersten Startelfeinsatz bescheren.

„Für Jessic freut es mich ungemein“, sagte Torhüter Alexander Schwolow: „Er arbeitet unheimlich viel im Training. Doch zuletzt wurde er nicht mal mit einem Kaderplatz belohnt. Aber das zeigt wieder: Du musst immer lauern. Irgendwann kommt dein Moment.“ Am Mittwoch kam er für Jessic Ngankam.

© dpa-infocom, dpa:210513-99-579821/2

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