Von Bernd Brudermanns

Kommentar: Die absurden Auswüchse des Kommerz im Sport 

tz-Sportredakteur Bernd Brudermanns.
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tz-Sportredakteur Bernd Brudermanns.

München - In seinem Kommentar beschäftigt sich tz-Sportredakteur Bernd Brudermanns mit den absurden Auswüchsen des Kommerz im Sport.

Manchmal hilft ein Blick in den Duden. Bei Kommerz finden wir dort unter Gebrauch: meist abwertend. Ist doch irgendwie kurios, weil nach seiner lateinischen Wortherkunft (commercium) bedeutet das Wort einfach nur Handel und Verkehr. Wann also geschah diese Bedeutungsverschiebung, sowohl in der Gesellschaft als eben auch im Sport?

Dass Sportler Geld verdienen und/oder vermarktet werden, ist keine Erfindung der Neuzeit. Der römische Philosoph und Rhetoriker Cicero (106 bis 43 vor Christus) bezeichnete die Olympischen Spiele der Antike als „Markt“. Die Athleten erstrebten dort „mit trainierten Körpern den Ruhm und die Ehre eines Kranzes“, andere wurden „mit Aussicht auf Gewinn und Profit durch Kauf und Verkauf angelockt“.

Ronaldos Verdienst: 600.000 Euro - am Tag

Zurück in der Jetztzeit: Im Jahre 2015 verdiente Cristiano Ronaldo (nach offiziellen Angaben seines Managements) 600.000 Euro am Tag und damit das Doppelte von dem, was Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Jahr bekommt. Wir überlassen es jetzt Ihnen zu beurteilen, wessen Tun und Handeln die Menschen auf diesem Planeten mehr bewegt…

Apropos Merkel und ihr Unwort „alternativlos“. Viele Verfechter der hemmungslosen Kommerzialisierung des Sports behaupten oft, man müsse sich eben den Zwängen des Marktes unterwerfen. Wer sagt das? Warum muss ich die Liga-Spieltage immer mehr zerreißen, um dem Fernsehen noch mehr Sendetermine zu geben? Die Premier League trägt seit Jahren große Spiele zur Mittagszeit aus, um sie in Asien zur Primetime vermarkten zu können – wollen wir das hier auch?

Aber die selbst ernannten Fußball-Visionäre sind ja schon ein oder zwei Schritte voraus: Immer wieder wird die Idee einer Europa-Liga ins Spiel geworfen. Nur so könne man die großen kontinentalen Ligen weltweit noch lukrativer vermarkten. Und wo wir gerade global denken: Warum schaffen wir nicht gleich eine Weltliga? Bayern fliegt dann mal eben für zwei Wochen nach Fernost und spielt dort gegen Guangzhou Evergrande, Shanghai SIPG und Melbourne City. Ist es das, was der Fan hierzulande will?

Und Gigantomanie herrscht ja auch – oder schon immer – bei der FIFA. Immer noch mehr Länder sollen an WM-Endrunden teilnehmen. Als ob das die Attraktivität eines solchen Turnieres steigern würde. Nein, die Formel lautet schlicht: Mehr Teilnehmer ist gleich mehr Spiele ist gleich mehr Fernseh-Übertragungen ist gleich mehr Geld.

Beim Thema TV-Präsenz wären wir schließlich bei den Sponsoren. „Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen“, hatte BVB-Boss Aki Watzke unlängst Richtung RB Leipzig geätzt. Leipzig, Wolfsburg, Hoffenheim, Ingolstadt – Vereine ohne nennenswerte Fußball-Historie haben Traditionsklubs aus der Bundesliga verdrängt. Dass Kommerz meist abwertend gebraucht wird, darf also nicht wirklich überraschen…

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