Boxengeflüster aus dem Fürstentum

Monaco-Grand-Prix: Chefansage von Vettel

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Sebastian Vettel machte vor dem Grand Prix in Monace eine klare Ansage. 

Am kommenden Wochenende macht der Formel-1-Zirkus in Monte Carlo halt. Es wird das spektakulärste Rennen des Jahres. Was ist gerade los im Fürstentum? 

Monaco - Aserbaidschan hat seit 2016 einen Stadtkurs, aber das einzig wahre City-Rennen ist der ­Große Preis von Monaco. Das liegt nicht nur an den engen Kurven auf der 3,337 km langen Strecke, sondern auch an den physiognomischen Kurven und den dazugehörigen Pools, Jachten und Luxusappartements abseits der Kurses. Die Wetteraussichten für Sonntag: 22 Grad und teils bewölkt. 

Sebastian Vettel hat nach zwei Siegen nacheinander seines Mercedes-Rivalen ­Lewis Hamilton zu einer unmissverständlichen Chefansage ausgeholt: „Ich habe viele Male gesagt, dass dieses Team stark ist und viel Potenzial hat. Wir müssen aber auch sicherstellen, dass wir die Probleme ansprechen, die wir haben, und dass wir zusammen in die richtige Richtung zusammenarbeiten.“

Die Krux mit Kubica

Robert Kubicas Freitagseinsatz beim letzten Formel-1-Grand Prix in Barcelona wurde genau beobachtet. Der polnische Williams-(Was ist er eigentlich? Fahrlehrer für den völlig überforderten Milliardärssohn Stroll und Putins Schützling Sirotkin? Autoabstimmer? Maskottchen für Williams?)-Testfahrer hat immer noch viele Fans, die seinen Renn­einsatz fordern. Leider auch blauäugige. Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve gehört nicht dazu. Das Handicap, das der Pole nach seinem schweren Rallyeunfall Anfang 2011 hat – er verlor dabei fast den rechten Arm – sei bei aller Ausstrahlung, die der 33-Jährige immer noch hat, zu groß. 

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Jacques erklärte das vor dem Großen Preis von Monte Carlo an diesem Wochenende anhand Kubicas Drehers beim freien Training am Freitag: „Robert konnte nicht schnell genug gegenlenken, als das Heck des Williams ausbrach,“ erklärte mir mein kanadischer Freund, „vor seinem Unfall hätte es keinen Dreher gegeben. Wenn Robert frei fahren kann, ist er kein Sicherheitsrisiko. Aber im Verkehr im Rennen könnte es deswegen einen bösen Unfall geben.“ Kubica selbst geht nicht darauf ein. Er ist entspannt, bleibt immer stehen, um über alles Mögliche zu reden, aber nicht darüber. Sonst redet er aber wie gewohnt Klartext. Zum Beispiel: „Die Zusammenarbeit mit Nico Rosberg ist beendet.“ Warum auch immer: Die vom monegassischen Ex-Weltmeister groß angekündigten Manager-Aktivitäten für den Polen sind nach nicht nur einem halben Jahr schon wieder Geschichte.

Massa wird in Barcelona gefeiert

Einer läuft vor dem Großen Preis von Monte Carlo mit einem besonders breiten Grinsen durch das Fahrerlager seiner Wahlheimat Monaco: Felipe Massa. Der kleine Brasilianer taucht das erste Mal bei der Formel 1 seit seinem Rücktritt bei Williams 2017 in Barcelona auf. Er ist immer noch extrem beliebt, davon zeugen die unzähligen Umarmungen, die er über sich ergehen lassen muss. Ob seine gute Laune mit dem Schrotthaufen von Williams zu tun hatte, den er in diesem Jahr nicht fahren muss, ist schwer zu sagen. Als ich ihm das sagte, grinste er jedenfalls noch mehr als zuvor schon. Manchmal sagen Gesten mehr als Worte.

Die Angst geht um in Hockenheim

Georg Seiler kann einem fast schon leid tun. Der Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH kam mit Marketingchef, Sportdirektor plus PR-Ladys zum letzten Rennen nach Barcelona. Zweck: Eine Mission Impossible. Grund: Der Große Preis von Deutschland in diesem Jahr könnte der vorerst letzte sein, wenn Rechteinhaber Liberty den Badensern nicht entgegenkommt. Die Antrittsgelder sind zu hoch. Deshalb ist das Risiko für Seiler, der eigentlich schon in Rente ist, seinen Ring aber nicht im Stich lassen will, zu groß, ohne Sicherheiten auf neue Verträge einzugehen. „Ich habe Verantwortung für den Ring und meine Mitarbeiter. Rote Zahlen können wir uns auch für die Formel 1 nicht leisten.“ Hilfe vom Bundesland Baden-Württemberg oder Mercedes kann er nicht erwarten. Dort wird geblockt, was Subventionen betrifft. Ein letzter Gesprächsversuch mit Liberty-Chef Chase Carey scheint gescheitert. Angeblich sind die Amerikaner nicht bereit, große Kompromisse einzugehen. 

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Dementsprechend tummelten sich der tapfere Seiler und sein Tross mit einer unsichtbaren Wolke von Desillusion im ersten Stock der Red-Bull-Hospitality. Das Rennen verfolgten sie schon jetzt eher nostalgisch. Am Wochenende in Monaco gibt es ein Meeting mit F1-Sportchef Ross Brawn, um über die Zukunft des Deutschland-GP zu reden. Brawn, das hat er schon einige Male gesagt, würde gerne die Traditionsrennen in Deutschland, Italien, England oder Belgien behalten, die alle das gleiche Problem haben: Die Formel 1 ist auf Dauer zu teuer, um sie sich ewig leisten zu können. Die Idee: Warum kann Liberty nicht die Kurven für das jeweilige Rennen verkaufen? Hockenheim beispielsweise hat 14 davon. Es gibt bestimmt Firmen oder reiche Privatleute, die drei Tage gerne ihren Namen in der Kurve lesen oder im Fernsehen weltweit hören würden. Bottas kollidierte in der DFB- oder FC-Bayern- oder Deutsche-Bank-Kurve mit Hamilton! Das hört sich doch gut an. Liberty könnte in einer großen Aktion mit Medienpartnern im Vorfeld des Rennens sogar eine coole PR-A(u)ktion draus machen. Und das nicht nur für Hockenheim, sondern auf die anderen Rennstrecken erweitern. Selbst wenn die berüchtigte Eau Rouge nicht mehr Eau Rouge heißt – was ändert das an der Legende? Die Hälfte der Einnahmen könnte Liberty dann den Rennstrecken geben. Von nichts kommt nichts…

Ralf Bach

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