Die nicht ganz ernst gemeinte Vorhersage

Prognonsens 2017: Schweini zu den Löwen, Carletto wird Koch

München - Carlo Ancelotti verlässt den FC Bayern und wird Koch, Basti Schweinsteiger wechselt zum TSV 1860. Der nicht ganz ernst gemeinte Vorausblick auf das Sportjahr 2017.

Keine Fußball-Welt- oder Europameisterschaft, keinerlei Olympische Spiele – und trotzdem wird das Sportjahr 2017 ein höchst aufregendes! Schafft der FC Bayern nach der Rückkehr seines Steuermanns Uli Hoeneß endlich wieder das Triple? Finden die Löwen den Lichtschalter zur Erleuchtung? Die tz kennt die Antworten. Nach der Pensionierung des Erdinger Nostradamus Claudius Mayer blickt nun Ludwig Krammer in die verlagseigene Glaskugel. Wir wünschen viel Vergnügen!

Januar

Der TSV 1860 bricht in sein 16-tägiges Trainingslager in die José-Mourinho-Sportschule nach Portugal auf.

Bastian Schweinsteiger könnte zum TSV 1860 wechseln.

Am Eingangstor entdeckt Trainer Vitor Pereira eine handgeschriebene Botschaft seines berühmten Kollegen: „Welcome Lions, please follow the crisps!” Tatsächlich zieht sich eine Spur aus Kartoffelchips bis in die VIP-Etage des Hotels, endend vor der angelehnten Tür zu Suite Nummer 31. Pereira ergreift ein leichter Schwindel, als er den Raum betritt. Auf dem Bett liegt ein entrückt lächelnder Bastian Schweinsteiger, den rechten Fuß in weiß-blaues Geschenkpapier gewickelt. Die daran klebende Karte schafft erste Fakten: „Dear Vitor, a special present for you from Manchester. To the top!” Der ARD-Brennpunkt spekuliert über eine neue Form des Kidnappings, Spiegel Online setzt direkt auf die Russen-Mafia. Aufklärung liefert dieblaue31: „Basti exklusiv: Warum ich schon immer für Sechzig spielen wollte.“

Zur Randnotiz gerät angesichts der „Schweinsation“ (The Sun) die gute alte Handball-WM. Trainer Dagur Sigurdsson verabschiedet sich mit dem Titel nach Japan, doch der Sieg der „Bad Boys“ gegen Frankreich steht im Schatten des Triumphes der Old Boys gegen Greuther Fürth. Schweinsteiger, in der 88. Minute für Daniel Adlung eingewechselt, liefert die Vorlage zu Ivica Olic’ 3:0 und nuckelt wie ein Wilder am Daumen des Schützen. „Ganz großes Tennis!“, ulkt Sky-Kommentator Ulli Potofski.

Februar

Felix Neureuther wird zum Helden der Ski-WM in St. Moritz. Er gewinnt nicht nur den Slalom und Riesenslalom, sondern fährt mit einer Wildcard auch bei der Abfahrt aufs oberste Stockerl. ARD-Kommentator Bernd Schmelzer reißt sich vor Begeisterung die Kleider vom Leib, rennt nur mit einem Mikrofon bekleidet durch den Zielraum zum Interview. Neureuthers erste Worte: „Wenn der Basti für Sechzig trifft (das 1:0 beim 1:3 im DFB-Pokal in Lotte, d. Red.), warum soll ich dann keine Abfahrt gewinnen? Und Bernd, sog amoi, friert’s di ned?“

März

Fast noch hitziger geht’s beim Champions-League-Achtelfinale des FC Bayern gegen den FC Arsenal zu. Fiskus-Umdribbler Mesut Özil donnert den entscheidenden Elfmeter im Rückspiel in den Londoner Nachthimmel, Sky-Experte Lothar Matthäus kommentiert: „Der Mesud! Jetz’ had er noch eine Gemeinsamkeit mit Uli Hoeneß!“ Der schäumende Präsident faxt noch vor Eröffnung des Hotelbanketts seine Sky-Kündigung nach Unterföhring.

Dicke Luft herrscht auch bei den Löwen. Schweinsteiger hat nach den 0:1-Niederlagen gegen St. Pauli und Hannover seinen Platz im Kader verloren – an den laufstärkeren Kai Bülow. Trainer Pereira erklärt die Degradierung vor dem Heimspiel gegen Würzburg so: „Number 31 is a bad professional! We will never go to the top with him!“ Der Obststandl-Didi ist als neuer Pressesprecher machtlos, auch ein plötzlicher Stromausfall im Mediencontainer lässt Pereira nicht verstummen. Die wohlmeinenden Saboteure aus der Marketingabteilung haben übersehen, dass 1860 seit den Renovierungsarbeiten ein funktionierendes Notstromaggregat besitzt.

April

Ganz München fiebert dem Champions-League-Viertelfinale des FC Bayern gegen den FC Porto entgegen, auch die Löwen. Trainer Pereira ist ob seiner Porto-Vergangenheit ein gefragter Gesprächspartner für die Medien, leider sagt der Heißsporn nach einem eskalierten Interview mit Sky-Reporter Torben Hoffmann alle weiteren Termine ab. Der Ex-Löwe hatte es gewagt, Pereira auf Schweinsteigers Nichtnominierung für das Aue-Spiel (1:0, Tor: Boenisch) anzusprechen. Immerhin kann Hoffmann tags darauf schon wieder twittern: „Die Nudelsuppe hier im Rechts der Isar: marzipanös!“

Großen Sport verspricht auch die Gewichtheber-EM in Split. Dummerweise finden Dopingkontrolleure noch vor dem ersten Wettbewerb in der Umkleide eines osteuropäischen Damenteams Bartstoppeln jenseits des Grenzwertes von 10 000 pro Waschbecken. Das öffentliche Schulterzucken ist so überzeugend, dass sich die IOC-Spitze um Thomas Bach entschließt, für Anfang Juli zu einer Pressekonferenz „mit erheblichem Nachrichtenwert“ zu laden. „Ist der Sp(r)itzensport noch zu retten“, fragt Markus Lanz im investigativen Selbstgespräch. Das TED-Ergebnis: 4% Ja!, 4% Nein!, 92% Ach…

Mai

Sinnfragen stellen sich bei 1860 längst nicht mehr. Souverän gelingt den Pereira-Löwen um Sturm-Juwel Ribamar (voll im Mannschaftstraining) der Einzug in die Abstiegs-Relegation. Gegner ist Preußen Münster, das die Dritte Liga mit Trainer Benno Möhlmann von hinten aufgemäht hat. Nach dem obligatorischen 0:0 im Hinspiel reicht vor 60.000 Fans in der Arena ein 1:0 (Eigentor Benny Schwarz). Hasan Ismaik setzt tags darauf im Beisein des frisch installierten Markenbotschafters Schweinsteiger den Grundstein für die HI-Arena in Riem. „Einer muss den ersten Schritt ja machen!“, schreibt Ismaik per E-Mail an Münchens OB Dieter Reiter – und landet im Spam-Ordner.

Juni

Der zweite Platz in der Meisterschaft hinter Hoffenheim lässt sich beim FC Bayern durch den Finaleinzug über den FC Barcelona gerade noch so verkraften, in Cardiff beim Champions-League-Showdown gegen Manchester City brechen dann allerdings sämtliche Dämme. Pep Guardiola überrascht Carlo Ancelotti mit einer Uraufführung des 0-10-0-Systems ohne Abwehr und Sturm. Leroy Sané trifft dreimal, Guardiola tätschelt dem leichenblassen Karl-Heinz Rummenigge nach dem 0:3 lächelnd den Rücken: „Kopf hoch, Hombre! Mit mir wärt ihr gar nicht so weit gekommen.“ Im Morgengrauen klingelt in Sinsheim ein Telefon.

Juli

Tour de France, Wimbledon? Alles redet nur noch von den Pharmalympics®, die das IPC (ehemals IOC) ab Winter 2018 veranstalten wird. Die Fachwelt freut sich über den „Durchbruch in der Dopingfrage“ (Eurosport-News), der ZDF-TED („Ist der Sport jetzt am Ende?“) verändert sich nur unwesentlich: 5,5% Ja!, 5% Nein!, 89,5% Sport?

August

Auf dem blauen Stadion-Grundstein in Riem wächst das Moos, dafür hat die 1860-Mannschaft ein völlig

„Fünf Tore schießt Grossmuller – pro Spiel!“ Ismaik und Cassalette beim Fachsimpeln

neues Gesicht. Mittelstürmer Fritz-Ferdinand Grossmuller (19) wird vom Obststandl-Didi bei der Vorstellung im Hacker-Bräuhaus als „wahrscheinlich größtes Talent von ganz Uruguay“ vorgestellt. Die Ablöse von insgesamt 35 Millionen Euro an insgesamt 45 Transferrechte-Inhaber ist laut dem uruguayischen Portal azul24/7 „absolut angemessen“. Das bayerische Pendant startet umgehend eine Umfrage: „Wie viele Tore wird Grossmuller in unserer Aufstiegssaison schießen?“ 80 Prozent stimmen für „bestimmt mehr als 30“. User G_Quick kommentiert: „Hauptsach a Freibier!“

September

Uli Hoeneß schwärmt in höchsten Tönen vom neuen Bayern-Trainer Julian Nagelsmann („Spricht die Sprache der Spieler!“), trotzdem bleibt auch Carlo Ancelotti ein wichtiges Mitglied der Bayern-Familie. Als rechte Hand von Alfons Schuhbeck glänzt Carletto in Da Corleone, der ersten Kochshow auf fcb.tv.

Oktober

„Bayern nagelt wie noch nie“, jubiliert das Bayern-Magazin nach dem 3:0 gegen Aufsteiger Heidenheim, während sich Meister Hoffenheim mit Neu-Trainer Kosta Runjaic noch in der Findungsphase befindet. Die Löwen liegen nach dem 0:0 gegen Tabellenführer Lotte auf Rang 14, Grossmuller harmoniert im Lauftraining perfekt mit Ribamar und Trainer Pereira hat sein erstes Oktoberfest ohne größere Schäden überstanden. Nächstes Ziel: Now we go to the Nockherberg!

November

Mit leichter Verspätung wird der diesjährige Gewinner des Literatur-Nobelpreises bekannt gegeben – nach Bob Dylan die nächste Sensation! Für seine „stilistisch wie inhaltlich erfrischend originellen Social-Media-Beiträge“ erhält Hasan Ismaik den mit umgerechnet 830 000 Euro dotierten Preis – wahlweise in Form von Genussscheinen. Die Freude des Geehrten wandelt sich schnell in Furor, als er erfährt, dass das Komitee in Stockholm nur fiktionale Werke auszeichnet. „Diese Bande hat mich bewusst in die Irre geführt!“, lautet Ismaiks letzter Eintrag bei Facebook.

Dezember

Die Nagelsmänner eilen von Sieg zu Sieg, Ancelottis Kochshow ist inzwischen auch nach China, in die USA und an die westlichen Komoren verkauft, und der Red-Bull-Icebasket-Dome im Olympiapark steht kurz vor seiner Fertigstellung. Auch die Löwen sind endlich in der Erfolgsspur angelangt. Nach der Wiesn-Challenge und dem Nobelpreis gewinnen sie sogar mal wieder ein Heimspiel – 4:0 gegen Aue! Nur Ismaik fällt aus allen Wolken, als er von den Torschützen erfährt: Bülow, Mölders und zweimal Adlung. „What happened?“, schreibt er an Peter Cassalette. „And where is Fritz Grossmuller?“

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