Erstmaliger Spielabbruch in Deutschland

Nach Rassismus-Eklat in 3. Liga: Cacau plädiert gegen pauschale Abbrüche - Amateure müssen handeln

Aaron Opoku (li.) wurde im Drittligaspiel MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück rassistisch beleidigt. Ex-Nationalspieler Cacau (re.) empfiehlt Vorgehen im Amateurbereich.
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Aaron Opoku (li.) wurde im Drittligaspiel MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück rassistisch beleidigt. Ex-Nationalspieler Cacau (re.) empfiehlt Vorgehen im Amateurbereich.
  • Korbinian Kothny
    VonKorbinian Kothny
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Zum ersten Mal wurde in Deutschland eine Profifußballpartie aufgrund eines Rassismus-Vorfalls abgebrochen. Doch was kann der Amateurfußball gegen Rassismus tun?

München - „Traurig.“ „Schockiert.“ „Sprachlos.“ Das waren die eindeutigen Stimmen, nachdem sich Schiedsrichter Nicolas Winter dazu gezwungen sah, ein starkes Zeichen zu setzen. Erstmals wurde am 19. Dezember eine Partie im deutschen Profifußball aufgrund eines rassistischen Vorfalls abgebrochen. Für Ex-Nationalspieler Cacau das richtige Vorgehen, da der Spieler Aaron Opoku von den Vorkommnissen offensichtlich traumatisiert war und nicht hätte weiterspielen können. Einen pauschalen Spielabbruch nach rassistischen Vorfällen sieht der ehemalige Integrationsbeauftragte des DFB hingegen problematisch: „Dadurch würde man einer einzigen Person eine Plattform bieten. Sie würde dann mit ihrer Aktion über tausend andere Zuschauer bestimmen.“

Zum Hintergrund: Bei der Drittliga-Partie zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück soll der VfL-Stürmer von einem Zuschauer beim Ausführen des Eckballs rassistisch beleidigt worden sein. Nach Aussagen des Schiedsrichters haben sowohl der Spieler als auch sein Assistent die Affenlaute von der Tribüne sofort wahrgenommen und ihm mitgeteilt. Mithilfe der Fans und Ordner wurde der Zuschauer umgehend identifiziert und des Stadions verwiesen. Ein Vorgehen, das im Amateurbereich in den meisten Fällen nicht möglich ist. Wie soll also der Breitensport mit derartigen Äußerungen umgehen, die sich auf Fußballplätzen Deutschlands leider immer wieder abspielen?

Rassismus im Amateurbereich: Zusammenspiel aller ist gefragt - Amateure müssen handeln

Denn es bezweifelt wohl kaum einer, dass rassistische Äußerungen nicht nur ein Problem des Profifußballs sind. Nach Angaben des Westdeutschen Fußballverbands (WDFV) sind beispielsweise in Nordrhein-Westfalen seit 2017 insgesamt rund 2.000 Diskriminierungsvorfälle offiziell registriert worden. Dabei handelt es sich zwar nicht ausschließlich um rassistische Äußerungen, jedoch fließen sie auch in die Ziffer ein.

Die Zahlen bestätigen, dass der Rassismus auch im Amateurfußball omnipräsent ist. Doch wie kann ein Verein mit Rassismus-Vorfällen umgehen, wenn es tatsächlich so weit kommt? Dem Unparteiischen diese Aufgabe zu überlassen ist nämlich schlichtweg unmöglich. Schließlich gibt es in Oberbayern erst ab der Bezirksliga Schiedsrichterassistenten und in allen Amateurligen zumeist nur einen Ordner, der vom Heimverein gestellt wird. Von Video- oder Tonüberwachungen ganz zu schweigen. Ein Zusammenspiel zwischen Schiedsrichter, Spielern, Verantwortlichen und Fans ist demnach gefragt.

„Die Ehrenamtlichen sind auch auf die Hilfe der Zuschauer angewiesen“.

Cacau appelliert an die Zuschauer bei rassistischen Äußerungen rigoros vorzugehen.

In diese Kerbe schlägt jetzt zumindest Cacau. „Da nicht überall Kameras vor Ort sind, sind die Ehrenamtlichen auch auf die Hilfe der Zuschauer angewiesen“, erklärt der 40-Jährige im Gespräch mit SPOX und GOAL. Im Optimalfall stellt sich der ehemalige Spieler von Türkgücü München das Vorgehen folgendermaßen vor: „Wenn so etwas passiert, sollte man diese Person identifizieren, bei der Polizei anzeigen und möglichst auch des Platzes verbannen“.

Doch wie sieht es tatsächlich auf unseren Amateurplätzen aus? Ist das von Cacau geforderte Vorgehen Wunschdenken oder gelebte Realität? Studien gibt es dazu keine. Daher liegt es an den Vereinen seinen Fans, Spielern, Trainern und Verantwortlichen eine Nulltoleranzpolitik vorzuleben und auch durchzusetzen. Klar, Emotionen und Trash-Talk auf dem Platz gehören dazu, aber Rassismus hat rein gar nichts mit Emotionen oder Sportsgeist zu tun. Da muss der Verein eine klare Linie zeigen. Denn nur so schafft es der Amateurfußball in Deutschland die Sportart zu sein, die es am besten schafft, Menschen mit ganz unterschiedlichen, sozialen, kulturellen und ethnischen Hintergründen zusammenzubringen. Und das sollte das Ziel aller sein, die den Amateurfußball leben und lieben (kk) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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