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Skurril, aber sinnvoll

Interview: So macht Neuroathletik-Trainer Lienhard Sprint-Star Lückenkemper schnell 

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Wissenschaftler Lars Lienhard beim Neuro-Training mit Gina Lückenkemper

Mittels Neuroathletik macht Trainer Lars Lienhard Deutschlands schnellste Sprinterin Gina Lückenkemper noch schneller. Im Gespräch mit der tz verrät er, was hinter der Methode steckt.

München - Er macht Deutschlands schnellste Frau noch schneller! Lars Lienhard ist Sportwissenschaftler und der Neuroathletik-Trainer von Gina Lückenkemper. Die 100-Meter-Läuferin blieb im letzten Jahr gleich drei Mal unter der magischen Grenze von elf Sekunden – als erste deutsche Frau seit Katrin Krabbe 1991. 

Heute startet Lückenkemper beim Istaf Indoor erstmals für ihren neuen Klub SSC Berlin. Im tz-Interview erklärt Lienhard Lückenkempers Batterie-Trick, wofür Schniefen gut ist und welche Vorurteile er überwinden musste. 

Herr Lienhard, Gina Lückenkemper leckt vor dem Wettkampf an einer Neun-Volt-Batterie. Warum?

Das Gehirn nimmt permanent Informationen auf – über die Umwelt, über unsere Bewegung und den eigenen Körper. Wenn wir mit der Zunge etwas fühlen oder sie bewegen, werden diese Informationen ins Stammhirn gesendet. Und das Stammhirn ist stark daran beteiligt, unsere Haltung und Stabilität zu regulieren. Über die Zunge setze ich Areale in Aktivitätsbereitschaft, die viel damit zu tun haben, die muskuläre Spannung von Beuger und Strecker zu regulieren. In der motorischen Forschung haben sie ein Instrument entwickelt, das die ganze Zunge unter Strom setzt. Mir als Trainer ist nicht Besseres eingefallen als eine Neun-Volt-Batterie (lacht).

Gibt es noch andere außergewöhnliche Methoden?

Wir arbeiten mit Farb- und Lochbrillen, mit Knochenkopfhörern, die bestimmte Wellen in den Wangenknochen schicken und dadurch das Gleichgewichtsorgan stimulieren. Auch das Schniefen mit der Nase ist eine Übung. Man hält sich ein Nasenloch zu, schnieft und pumpt sich mit Luft voll. Oder man übt schielen. Das sind Dinge, die von außen wirklich skurril aussehen, aber wenn man tiefer in die neuronalen Verbindungen schaut, viel Sinn ergeben. Es ist natürlich deutlich cooler, 300 Kilo im Kraftraum zu heben, als zu schielen und dabei die Zunge zu drehen. 

Wofür ist denn das Schniefen gut?

Die Bewegung des Schniefens aktiviert stark ein Hirnareal, das für die Kontrolle von Augen, Kopf und Wirbelsäule zuständig ist. Man wird also stabiler, während man sich bewegt.

Wie sieht eine Trainingseinheit mit Lückenkemper aus? 

Das letzte Mal, als ich mit Gina trainiert habe, ging es darum, dass sie während der Beschleunigung kein stabiles visuelles Bild halten kann. Wenn sie den rechten Fuß auf den Boden gesetzt hat, war der Kopf nicht stabil und hat leicht gewackelt. Wir haben dann Gleichgewichtstraining mit einem Auge gemacht, kombiniert mit großen Bewegungen der Wirbelsäule. 

In welchen Sportarten außer der Leichtathletik ist das Neuroathletiktraining verbreitet?

Wir haben im Wintersport und im Profifußball angefangen, da sind wir auch noch am meisten unterwegs. Mit den Leichtathleten habe ich die Arbeit vermehrt im Vorfeld der Olympischen Spiele 2016 aufgenommen.

Gab es Widerstände, als Sie versuchten, das Neuroathletiktraining zu etablieren? 

Aber natürlich! Am Anfang haben sich die Leute totgelacht. Da übt jemand Schniefen und Schielen – und plötzlich ist der Knieschmerz weg. Was glauben Sie, was das für eine Resonanz gab? Das ganze Ausbildungssystem im therapeutischen und medizinischen Bereich ist überwiegend symptomorientiert. Das heißt: Wenn das Knie schmerzt, muss am Knie oder den Zubringern gearbeitet werden. In der neuronalen Welt ist das völlig anders. Da geht es eher darum, in welchem Hirn­areal die Muskelspannung für das schmerzende Knie gesetzt wird oder ob es motorische Ansteuerungsprobleme gibt. 

Wann sind Sie mit Ihrem Training in die Offensive gegangen? 

Das war nach der Fußball-WM 2014. Ich durfte als Trainer mit der deutschen Mannschaft nach Brasilien reisen und war einer von zwei externen Trainern, die den Spielern zur Verfügung standen. Per Mertesacker war einer der Initiatoren, schon vor der WM habe ich privat mit einigen Nationalspielern gearbeitet. Per war im Campo Bahia immer da, jeden Tag.

Interview: Jonas Austermann

Lesen Sie auch:  Lückenkemper angriffslustig: „Ey, Kollege, geht‘s eigentlich noch?“

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