Strukturreform bei Doping-Jägern

Berlin - Mit einer Strukturreform und einem hauptamtlichen Vorstand will die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) ihre jüngste Führungskrise überwinden.

Nach dpa-Informationen soll der künftige Vorstand aus zwei hauptamtlichen Mitgliedern bestehen und von einem Aufsichtsrat mit Präsidialausschuss berufen und kontrolliert werden. Der Aufsichtsrat übernimmt als Überwachungs- und Kontrollorgan die Funktion des bisherigen Kuratoriums.

Diese Maßnahmen sind zur Stärkung der Reputation und Durchschlagskraft der NADA gedacht und werden an diesem Mittwoch in Bonn vorgestellt. “In den Grundzügen ist das richtig“, bestätigte der Kuratoriumsvorsitzende Hanns Michael Hölz am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Die kommissarische Geschäftsführerin Anja Berninger gilt als aussichtsreichste Kandidatin auf den Vorstandsposten.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Ende September hatte Göttrik Wewer als dritter NADA- Geschäftsführer seit 2007 überraschend sein Amt aufgegeben - und damit nach den unglücklichen Auftritten seiner Vorgänger Roland Augustin und Christoph Nießen endgültig die Führungsprobleme der Organisation offenbart. Interne Diskussionen über den Kurs der NADA waren publik geworden, Hölz selbst wurde wegen zu starker Einmischung ins operative Geschäft kritisiert. Schon nach Wewers Aus hatte die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag “eine grundlegende Strukturreform“ gefordert. Im Februar dieses Jahres hatte bereits Wewers Stellvertreterin und NADA-Sprecherin Ulrike Spitz die Organisation verlassen.

Nach den erfolgreichen Strukturänderungen bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe will sich jetzt auch die NADA moderner und effektiver aufstellen. Vor allem die beiden Hauptaufgaben, Dopingkontrollsystem und Prävention, sollen gestärkt und in hauptamtliche Hände gelegt werden. Auch die Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaften und dem Bundeskriminalamt wird den Plänen nach weiter intensiviert. Als Amtszeit für die beiden Vorstandsmitglieder sind fünf Jahre vorgesehen. Der zukünftige Aufsichtsrat der NADA überprüft u.a. die sachgerechte und wirtschaftliche Verwirklichung des Stiftungszwecks.

Kontroll- und Beratungsfunktionen werden dagegen weiter von ehrenamtlichen Gremien übernommen. Die vier Vorsitzenden der NADA- Kommissionen sollen den Aufsichtsrat beratend, aber ohne Stimmrecht ergänzen. Sämtliche freie Positionen werden ausgeschrieben. Im ersten Quartal 2011 sollen alle vakanten Stellen besetzt sein.

Unabhängig von allen Strukturüberlegungen und Neuaufstellungen muss sich die NADA gegenwärtig auch noch mit der Kritik von Datenschützern am deutschen Kontrollsystem auseinandersetzen. Dabei ist die NADA um Konsens bemüht. “Wir nehmen jede kritische Stimme ernst, aber es sind Einzelstimmen“, sagte NADA-Chef Armin Baumert, “mehr als 95 Prozent der Athleten akzeptieren das System.“

Zudem habe die NADA vor knapp einem Jahr einen internen und einen externen Datenschutzbeauftragten engagiert, sagte der Vorstandsvorsitzende weiter. Die “sensiblen Daten der Athleten“ seien nur zwei oder drei Personen innerhalb der NADA bekannt.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Zwei Jahre Sperre für Prügel-Fußballer - ESV München schmeißt Gewalt-Duo wohl raus
Mehr Sport
Zwei Jahre Sperre für Prügel-Fußballer - ESV München schmeißt Gewalt-Duo wohl raus
Zwei Jahre Sperre für Prügel-Fußballer - ESV München schmeißt Gewalt-Duo wohl raus

Kommentare