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„Gänsehaut“: DAZN-Moderator erklärt Faszination Super Bowl

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Von: Christoph Klaucke

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DAZN-Moderator Flo Hauser erklärt vor dem Super Bowl den Rücktritt von Tom Brady.
DAZN-Moderator Flo Hauser erklärt vor dem Super Bowl den Rücktritt von Tom Brady. © DAZN/Lukas Mengeler

Der Super Bowl wirft seine Schatten voraus. DAZN-Moderator Florian Hauser erklärt die Faszination des Mega-Events und den Rücktritt von Superstar Tom Brady.

München - Der American Football* blickt auf eine denkwürdige Saison zurück. Selten gab es so viele irre Aufholjagden und Wendungen in letzter Sekunde. Doch das größte Highlight wartet noch auf alle Fans: Der Super Bowl, das NFL-Finale zwischen den Cincinnati Bengals und den L.A. Rams, steht in der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 Uhr, hier im Live-Ticker) an.

Vor dem Duell der Superlative wurde bekannt, dass die NFL nach Deutschland kommt und schon in diesem Jahr ein Spiel in der Allianz Arena des FC Bayern austrägt. Vor dem Super Bowl hat tz.de mit Florian Hauser gesprochen. Der Football-Fachmann begleitet das Spiel als Moderator für DAZN. Der Sportkommentator erklärt unter anderem die Faszination Super Bowl und spricht über den Rücktritt des siebenmaligen Rekordchampions Tom Brady.

NFL in Deutschland: DAZN-Moderator Florian Hauser erklärt den Football-Boom

tz.de: Im kommenden Jahr wird ein NFL-Spiel in Deutschland stattfinden. Die Vorfreude ist schon riesig.

Florian Hauser: Der deutsche Markt wird in den USA unfassbar anerkannt. Die NFL merkt, dass hier die Begeisterung aktuell bis unters Dach geht, wenn nicht sogar darüber hinaus. Für die deutschen Fans ist es ein geiles Zeichen. Diese Wertschätzung ist sensationell. Wir können uns freuen, dass in den nächsten vier Jahren in München und Frankfurt gespielt wird.

tz.de: Es war eine unfassbare Saison mit irren Aufholjagden und Overtime-Spielen. Was war das Highlight der Saison?

Hauser: Gar nicht so einfach, diesen einen Moment hervorzuheben. Ich glaube, es gab noch nie so viele Last-Second-Entscheidungen in der NFL wie in dieser Saison. Ich würde dieses 66-Yard-Field-Goal von Justin Tucker nehmen. Der kickt dieses Ding und es geht irgendwie von der Latte doch noch rein. Unser Kommentator neben mir ist völlig ausgeflippt, das war richtig geil. Das Playoff-Spiel Bills gegen Chiefs war für mich persönlich das beste NFL-Spiel in den letzten fünf bis zehn Jahren, was ich sogar kommentieren durfte.

tz.de: Zu dieser irren Saison passt irgendwie, dass sich mit den Cincinnati Bengals und den Los Angeles Rams die jeweils viertbesten Tems nach der Regular Season in den Playoffs durchgesetzt haben. Wer gewinnt den Super Bowl?

Hauser: Es ist schwer zu sagen. Es ist anders als im Fußball, das muss man den deutschen Zuschauern nochmal klarmachen. Über eine Saison kann man immer sagen, dass die Bayern klarer Favorit sind. Im Football kann sich von Woche zu Woche so viel verändern, weil Teams mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen aufeinandertreffen. Deshalb liebe ich diesen Sport. Ich sehe bei den Rams mit ihrer Star-Power gerade in der Defense gegenüber der O-Line der Bengals einen leichten Vorteil. Joe Burrow ist der am häufigsten gesackte Quarterback. Die Bengals haben in dieser Saison aber schon bewiesen, dass sie Favoriten mit ihrer Unbekümmertheit schlagen können.

Flo Hauser ist als Moderator und Kommentator für NFL bei DAZN in seinem Element.
DAZN-Moderator Flo Hauser begleitet den Super Bowl. © DAZN/Omid Mostofi

Super Bowl: DAZN-Moderator Flo Hauser bekommt „Gänsehaut“

tz.de: Was macht den Super Bowl aus, was ist die große Faszination?

Hauser: Wenn ich darüber nachdenke, bekomme ich ehrlich gesagt Gänsehaut und es läuft mir den Rücken herunter. Das kann man nicht erklären. Diese Faszination NFL ist bei mir gewachsen. Der Sport bietet immer Action, es ist bunt, es sind verschiedene Charaktere dabei, da gibt es auch manchmal Trash Talk. Das Spiel ist so kurzweilig, dass man es einfach gesehen haben muss. Es gibt aber auch tolle Geschichten über sozial sehr engagierte Spieler. Ich glaube, da ist tatsächlich für jeden was dabei.

tz.de: Vor zwei Jahren waren die Cincinnati Bengals noch das schlechteste Team in der gesamten NFL - jetzt stehen sie zum ersten Mal seit 1988 im Super Bowl und könnten ihn erstmals gewinnen.

Hauser: Das ist wirklich unfassbar. Trainer Zac Taylor stand nach einer unterirdischen Bilanz schon vor dem Rauswurf, hat aber das Vertrauen bekommen. Diese Underdog-Geschichte ist geil. Die ganze Stadt Cincinnati fiebert mit. Es gibt Hoffnung für alle schlechten Teams. In der NFL kann jeder jeden schlagen, auch wenn es im Saisonverlauf immer schwächere Teams gibt.

tz.de: Für die Rams spricht der Heimvorteil in Los Angeles. Nach den Bucs im Vorjahr könnten sie das zweite Team werden, das den Super Bowl in der heimischen Arena gewinnt.

Hauser: Das muss man abwarten, die Fanbase in L.A. wächst nach dem Umzug der Rams nur langsam. Sie sind aber natürlich die Abläufe, das Stadion und die Atmosphäre besser gewohnt. Viele Superstars wie von Miller oder Spieler der Rams-Mannschaft von 2019 waren schon im Super Bowl, das ist ein Vorteil. Das Witzige ist aber: Als gelistetes Auswärtsteam dürfen sie nicht in ihren eigenen Locker Room, soweit ich weiß. Das könnte wieder etwas verändern.

Tom Brady: DAZN-Moderator spricht über Brady-Rücktritt - „War sehr traurig“

tz.de: Hat dich der Rücktritt von Tom Brady überrascht? Er hätte doch noch bis 50 spielen können...

Hauser: Man hat ja darauf gewartet, bis er mit seinen Kindern zusammen in der NFL spielt. Es hat mich überrascht, dass er nicht noch einen Anlauf auf die Vince Lombardi Trophy versucht hat. Er ist in seinem Alter mit über 44 Jahren nun an einem Punkt angekommen, wo er für die Familie da sein möchte. Er war über zwei Jahrzehnte auf Top-Level, das beinhaltet sehr viel harte Arbeit, was vielen gar nicht bewusst ist. Es hat mich nicht überrascht, ich habe schon in den letzten zwei Jahren damit gerechnet. Mich haben allerdings der Zeitpunkt und die Veröffentlichung kurz nach dem Leak überrascht. Ich war sehr traurig, auch wenn er nicht immer beliebt war. Ich kenne die NFL nicht ohne ihn und Big Ben (Anm. d. Red. Ben Roethlisberger von den Pittsburgh Steelers ist ebenfalls zurückgetreten). Wir verlieren den krassesten NFL-Spieler aller Zeiten, das habe ich noch nicht realisiert.

tz.de: Die NFL verliert mit Brady und Roethlisberger wie erwähnt ihre großen Aushängeschilder. Beginnt nun eine neue Zeitrechnung?

Hauser: Auf jeden Fall. Man muss sich nur anschauen, wer Anfang der 20er ist: Joe Burrow steht im Super Bowl, Patrick Mahomes, Josh Allen, Kyler Murray, Justin Herbert hat eine überragende Saison gespielt oder Lamar Jackson, auch wenn er eine nicht so gute Saison hatte. Sie können über das nächste Jahrzehnt diese NFL prägen und haben jetzt schon gezeigt, wie gut sie sind. Dazu gibt es noch vielversprechende Rookies wie Trevor Lawrence. Doch sie werden alle keine Brady-Karriere hinlegen, auch Pat Mahomes nicht. Das wird schwer zu erreichen sein. Ich glaube aber, wir werden jede Menge Spaß mit diesen Quarterbacks haben.

tz.de: Dan Marino (1984), Kurt Warner (1999), Tom Brady (2001), Ben Roethlisberger (2005), Colin Kaepernick (2012) und Russell Wilson (2013) - Burrow ist erst der siebte Quarterback, der es schon in seinem zweiten NFL-Jahr in den Super Bowl schafft. Kann Burrow, der am College zunächst unterschätzt worden war, in die Fußstapfen des großen Brady treten und seine Nachfolge als neuer Quarterback-Superstar der Liga antreten?

Hauser: Er hat das Zeug dazu. Er weiß genau, was seine Receiver können und was seine O-Line trotz Schwächen für ihn leistet. Er vertraut seiner Defense total. Dieses Gesamtbild muss man sehen. Er ist ein Brain und hat sich entwickelt. Man darf nicht vergessen: Er war letztes Jahr verletzt und spielt jetzt so eine tolle Saison mit seinem Buddy Ja‘Marr Chase. Er kann den Ring holen. In Bradys Fußstapfen zu treten, davon ist er aber natürlich noch weit entfernt.

NFL: Deutscher Receiver rockt die Liga - DAZN-Moderator Hauser findet es „sensationell“

tz.de: Ein deutscher Wide Receiver, der mehrere Touchdown-Pässe fängt. Der Deutsch-Amerikaner Amon-Ra St. Brown hat eine beeindruckende Rookie-Saison hingelegt.

Hauser: Mega, es hat am Anfang nicht danach ausgesehen, weil sein Team, die Detroit Lions in den ersten Wochen komplett unterm Radar geschwommen ist. Dann hat er aber richtig geliefert und sogar einen Rookie-Rekord gebrochen. Das ist sensationell. Die Lions wurden belächelt, umso schöner ist diese Underdog-Geschichte. Es freut mich sehr für ihn. Er hat gezeigt, dass wenn man an sich glaubt und hart arbeitet, dann kann man auch für ein schlechteres Team performen.

tz.de: Mit der ENDZN seid ihr in dieser Saison neue Wege gegangen - die NFL-Konferenz wurde erstmals mit deutschem Kommentar präsentiert. Wie fällt das Fazit aus?

Hauser: Mein persönlicher Moment des Jahres war, dass wir die NFL ENDZN machen durften. Die Resonanz war durchweg positiv. Ein großer Dank an unsere Zuschauer, die NFL-Community. Wir haben in den ersten Wochen sehr viel Feedback bekommen. Ich habe das Gefühl, wir haben uns von Woche zu Woche entwickelt und verbessert. Ich bin sehr stolz ein Teil davon gewesen zu sein. Es war etwas Historisches. Es hat so viel Spaß gemacht, die NFL in Deutschland abzufeiern. Wirklich Weltkasse, es war eine richtig coole Saison inklusive fantastischer Teamarbeit aller Beteiligten.

Super Bowl auf DAZN: Große Show mit Überraschungsgästen geplant

tz.de: Für den Super Bowl hat DAZN eine große Show geplant. Auf was dürfen sich die Fans freuen?

Hauser: Ein guter Mix aus Spaß, Expertise und Analyse mit noch mehr Spaß. Wir haben einiges vor und sind um 23.30 Uhr auf Sendung, also eine Stunde vorher. Wir haben tolle Gäste, die wir noch nicht alle verraten. Günter Zapf ist für die Stimmung in L.A. und trifft einen Überraschungsgast. Es wird eine Super-Bowl-Party, um dieses geile Event abzufeiern.

Interview: Christoph Klaucke

Der Super Bowl zwischen den Cincinnati Bengals und den L.A. Rams läuft am Sonntag ab 23.30 Uhr live auf DAZN:

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