Wimbledon-Sieg haut Petzschner um - Stich lobt

Jürgen Melzer (oben) herzt Philipp Petzschner
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Jürgen Melzer (oben) herzt Philipp Petzschner

London - Philipp Petzschner ist Wimbledon-Sieger im Doppel mit Jürgen Melzer. Ein Jahr nach Mixed-Siegerin Anna-Lena Grönefeld ist es der größte Erfolg für das deutsche Tennis. Petzschners Vorgänger spendet Lob.

In Südafrika fiel ein Tor nach dem anderen - aber Philipp Petzschner war ahnungslos im Doppel-Finale von Wimbledon. Niemand gab ihm Zeichen wie seinem österreichischen Partner Jürgen Melzer, und eigentlich interessierte es ihn in diesem wichtigsten Moment seines Tennis-Lebens auch gar nicht. Warum auch, war er doch selbst gerade dabei, mit dem 6:1, 7:5, 7:5 gegen die schwedisch-rumänische Kombination Robert Lindstedt/Horia Tecau Sportgeschichte zu schreiben.

Tennis: Die besten Spieler der Welt

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Nach Anna-Lena Grönefeld im Vorjahr im Mixed sollte es der erste Wimbledonsieg eines deutschen Doppelspielers seit Michael Stich sein, der 1992 mit John McEnroe auf dem Heiligen Rasen triumphiert hatte. Dass auch die deutschen Fußballer im WM-Viertelfinale eine Heldentat gegen Argentinien geschafft hatten, erfuhr der Wimbledonsieger mit weichen Knien schließlich erst vom Herzog von Kent, der ihm den silbernen Pokal mit dem 4:0-Ergebnis als Zugabe präsentierte.

Fußball-Fan Petzschner war überwältigt, hatte angesichts des doppelten Triumphes Tränen in den Augen und rang in der Royal Box nach Worten. “Bitte keine Rede; ich kann jetzt wirklich nichts sagen“, flüsterte er Melzer zu und gestand später: “Wenn ich doch was hätte sagen müssen, wäre es bestimmt die kürzeste Rede geworden, die Wimbledon je gehört hat.“ Wo sonst die Sätze nur so sprudeln, war stumme Freude angesagt.

“Ein Grand-Slam-Sieg ist das Größte, etwas Schöneres gibt es nicht“, schwärmte Petzschner und schnappte sich den gelben Matchball. “Der bekommt zu Hause einen Ehrenplatz“, erzählte er. Kurz vorher noch hatte es um eben diesen Ball die erste und bislang einzige Unstimmigkeit im Harmonie-Doppel gegeben. Denn auch Melzer wollte den Ball als Erinnerungsstück. “Und was ist mit mir“, hatte er gefragt und prompt ein zweites Exemplar vom Kollegen zugesteckt bekommen.

Die Freundschaft auf dem Tennisplatz hält seit Anfang des Jahres und war bereits in Zagreb von Erfolg gekrönt. Dass schon im siebten Einsatz der Wimbledonsieg folgen sollte, hatte freilich keiner geahnt. Schließlich betrachten sich Petzschner wie auch Melzer, der unlängst in Roland Garros in seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale stand, nur in zweiter Linie als Doppelspieler. Das Einzel habe immer Vorrang; so wie in Wimbledon, wo für beide als Solisten allerdings gegen die besten der Zunft früh das Aus kam.

Im Achtelfinale scheiterte Melzer an Roger Federer, für Petzschner war schon in der Runde davor Endstation gegen Rafael Nadal. Doch die Leistung in den fünf spannenden Sätzen gegen den wackelnden Spanier, der am Sonntag gegen den Tschechen Tomas Berdych nach seinem zweiten Titel nach 2008 griff, nötigte der Fachwelt höchsten Respekt ab. “Ich habe gezeigt, dass ich auch solche Leute schlagen kann“, sagte Petzschner nach dem Drittrunden-Krimi, den er mit etwas mehr Cleverness und Glück sogar hätte gewinnen können.

Für Michael Stich, der in Wimbledon im Doppel wie 1991 gegen Boris Becker auch im Einzel triumphierte, ist Petzschner trotzdem ein Mann der Zukunft. “Er hat sich konstant verbessert. Dieser Sieg gibt ihm einen weiteren Schub.“ Ganz genau erinnern konnte sich Stich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa nicht mehr an jenen Montag in Wimbledon, an dem er mit dem Amerikaner John McEnroe das US-Duo Jim Grabb und Richey Reneberg im 5. Satz mit 19:17 geschlagen hat. “Bei 13:13 war das Match wegen Dunkelheit vertagt worden“, so Rothenbaum-Chef Stich, der das Erfolgs-Doppel nun bei den German Open in Hamburg erwartet.

Nach dem “perfekten Tag“ verabschiedete sich Petzschner mit dem größten Preisgeld seiner Karriere (183 400 Euro) in der Gewissheit, viele tolle Matches im Alpen-Doppel vor sich zu haben. Jetzt aber wollte er ins gemeinsame Haus in Wimbledon, wo die Familien mit einer Siegesfeier warteten. Und endlich konnte der Wimbledonsieger und Fußball-Fan die Tore sehen von Müller, Friedrich und zweimal Klose.

dpa

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