tz-Interview

Ist der Winter noch zu retten, Herr Neureuther?

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Rosi Mittermaier und Christian Neureuther vor der Schanze in Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen - Zu viel Schnee in Cortina, zu wenig in Garmisch und Kitzbühel: Das Wetter wirft alles durcheinander. Wir sprachen darüber mit Christian Neureuther und Rosi Mittermaier.

In Garmisch mussten nun auch die Herrenrennen am 1./2. Februar abgesagt werden, in Kitzbühel kämpfen sie mit aller Kraft dafür, dass die Streif renntauglich wird. Der milde Winter hatte schon die Rennen in München und Zagreb verhindert. Und wenn gefahren werden kann, dann auf grenzwertigen Pisten. In Kitzbühel wird per Hubschrauber Schnee zur Strecke gebracht. Das erste Training heute wurde abgesagt, um die Streif zu schonen. Ist der Winter noch zu retten? Wir sprachen über die Auswirkungen und Schlussfolgerungen mit Christian Neureuther und Rosi Mittermaier.

Rosi, Christian, wie sehen Sie die Wetterkapriolen?

Christian: Bei den warmen Temperaturen ist man natürlich immer schnell beim Klimawandel. Es hat auch in der Vergangenheit warme und schneearme Winter gegeben, aber auch ich stelle mir die Frage, wo wir hintreiben und ob man in 50 Jahren bei uns noch Skifahren kann. Der Klimawandel ist ein Fakt, das brauchen wir nicht zu diskutieren.

Rosi: Der österreichische Tourismus investiert sehr viel, bei uns ist man etwas sparsamer, bzw. die Genehmigungsverfahren und Widerstände bezüglich künstlicher Beschneiung sind heftiger.

Sollte man künstlich beschneien?

Rosi: Ich würde da eine Parallele zur Ernährung ziehen. Wenn du zu viel isst, wirst du zu dick. Man muss versuchen, einen Mittelweg zu gehen. Der Skifahrer soll in bestehenden Gebieten optimale Pisten vorfinden. Davon lebt der Wintertourismus. Aber ich bin entschieden dagegen, neue Lifte und Skigebiete zu erschließen. Skitourismus kann und sollte im Einklang mit der Natur erfolgen.

Christian: Bei uns lebt eine ganze Region davon, deshalb brauchen wir attraktive Pisten. Der Wintersport ist ein wichtiger Faktor, ohne Kunstschnee kann man kein Skigebiet betreiben. Der Gast ist anspruchsvoll, der will Schneesicherheit und breite Pisten, die jeden Tag gewalzt werden und brettleben sind. Das geht nur mit Kunstschnee, also müssen wir uns leider diesem Thema stellen. Durch die Klimaveränderung reduziert sich das Angebot an Skipisten, heute braucht man perfekte Anlagen, sonst fahren die Skisportler an einem vorbei. Man kann sich nicht gegen diesen Trend stellen und sagen: „Ich mach da nicht mit“ – außer man verabschiedet sich von diesem touristischen Bereich.

Wie äußert sich das in Garmisch-Partenkirchen?

Christian: Wir haben unsere Zugspitzbahn in den letzten zehn Jahren neu aufgestellt, nach heftigen Problemen Anfang 2000 schreibt sie jetzt wieder schwarze Zahlen und ist der größte Arbeitgeber in der Region. Wir müssen eine neue Eibseeseilbahn bauen, die wahrscheinlich über 30 Millionen kosten wird, das stemmen wir aus eigenen Mitteln. Im Herzen bin ich grün, aber die Natur muss ein Stück weit auch für den Menschen da sein.

Gibt es Grenzen?

Christian: Wenn ich lese, dass in Österreich im Winter zehn Prozent der Energie in die Erzeugung von Schnee fließt, fragt man sich schon. Aber anders können die nicht überleben. Im Gegenzug müssen wir der Natur etwas zurückgeben. In Garmisch haben wir beispielsweise das Skigebiet am Wank geschlossen und renaturiert. Zudem muss man stets fragen, wie man den CO2-Ausstoß in so einem Skigebiet verringern kann. Diesen Fragen muss sich Garmisch stellen – genauso wie Sölden oder Ischgl.

Interview: Mathias Müller

Quelle: tz

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