Im Skikurs? Ich doch nicht

Der Herminator mit der tz beim Einkehrschwung

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Hermann Maier mit tz-Reporter Mathias ­Müller

Flachau - Die Zeiten, als Hermann Maier die Berge mit unglaublicher Geschwindigkeit hinuntergebrettert ist, sind vorbei. Heute hat er den Spieß umgedreht. Die tz traf ihn beim Einkehrschwung.

Bewölkt. Der Himmel ist grau, als wir Hermann Maier an der Bergstation des Achter Jet in der Skiwelt Flachau treffen. Maier, fesch in schwarzer Skihose und blauer Jacke der eigenen Linie gekleidet, ist dennoch gut gelaunt. Die Zeiten, als der 40-Jährige die Berge mit unglaublicher Geschwindigkeit hinuntergebrettert ist, sind vorbei. Heute hat er den Spieß umgedreht. „Ich gehe hier in meiner Heimat viele Skitouren“, erzählt Maier und präsentiert seinen Telemark-Ski, den er für den heutigen Tag gewählt hat. Er macht immer noch einen fitten Eindruck, man nimmt ihm ab, dass er den Berg auch ohne Gondel hinaufkommt. Und im Gegensatz zu einigen anderen auch wieder runter. Skitouren sind der neue Trend, aber nicht alle können es. „Viele muss man abholen, weil sie sich verfahren und keinen Weg finden.“ Ob ihm das selbst noch nie passiert ist? Maier grinst: „Doch, früher. Aber ich hab’ mich nicht abholen lassen.“

Oben angekommen schwingt sich die Skilegende in die Ski. Auf die erste Abfahrt müssen wir aber noch warten, eine Schar Kinder hat den Herminator entdeckt und fordert ein Autogramm und ein Foto. Wirklich alt sind die Nachwuchs-Maiers noch nicht, vielleicht sieben oder acht. Aktiv können sie ihr Idol nicht gesehen haben. Seinen 40-Meter-Sturz bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano kennen sie höchstens vom Video oder aus Erzählungen. Dennoch ist Maier, der 2009 seinen Rücktritt erklärte, ihr Star.

Auf den Latten lässt er sein Können aufblitzen. Trotz Telemark-Ski kurvt der Doppelolympiasieger wie auf Schienen den Berg hinunter – fast wie es im Weltcup im Moment der Amerikaner Ted Ligety zelebriert, der den Riesenslalomweltcup nach der Materialumstellung fast nach Belieben dominiert. Für Maier, selbst dreimaliger Riesenslalom-Weltcupsieger, liegt das am Selbstvertrauen und an der Technik. „Ich finde die Materialumstellung gut. Jetzt stehen wieder die Fahrer oben, die sauber Skifahren können“, so Maier. Den Kritikpunkt der aktiven Fahrer, der Ski wäre nicht mehr so leicht zu steuern, wischt er beiseite: „Zum Skifahren braucht es eben etwas Kraft, wer die nicht hat, der muss sie sich erarbeiten. Dafür verletzten sich die Kinder nicht mehr so leicht. In meiner Zeit hatte man mit neun oder zehn Jahren noch keinen Kreuzbandriss, heute schon.“

Seine eigene aktive Zeit fällt ihm auch wieder ein, als wir am Riesenslalom-Start stehen: „Beim Rennen 2005 war es hier so eisig, dass uns allen der Schweiß auf der Stirn stand. Ich bin mit dem roten Leiberl des Führenden angereist und war beim Heim-Weltcup besonders motiviert. Leider hat’s mich dann verschnitten und ich bin ausgeschieden.“

Maier kann sich noch gut erinnern, an fast jedes Rennen, wie er versichert. Auch an seine eigenen Anfänge. 1995 arbeitete er noch als Maurer im Ort, ein Jahr später fuhr er beim Weltcuprennen in Flachau als Vorläufer mit – und hätte im Falle einer Wertung Platz zwölf belegt. Maier war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt, trotz des guten Ergebnisses „dauerte es noch ein bisschen, bis der Verband das wirklich glaubte“. An einen Nationenwechsel hat er dennoch nie gedacht.

Ortswechsel. Übungslift Bingo Jet. Hier treffen wir Hermanns Bruder Alexander. Er leitet die Hermann-Maier-Skischule im Ort und schaut mit seiner Gruppe vorbei. Hat der Herminator auch im Skikurs angefangen? „Nein, nicht dass ich wüsste. Aber ich erinnere mich, dass ich früher mal in einer deutschen Racegruppe mitgefahren bin“, erzählt Maier. Aha, die Deutschen haben dem großen Hermann Maier also das Skifahren beigebracht? Nicht ganz. „Danach bin ich nicht mehr gewachsen“, entgegnet Maier lachend – Folge der Krankheit Morbus Osgood-Schlatter, die vor allem jugendliche Sportler trifft.

Der Nachwuchs liegt ihm am Herzen, deswegen haben die Maiers in Flachau eine Initiative zusammen mit den Schulen gegründet. „Wir wollen, dass die Kinder mit dem Schnee und den Ski in Berührung kommen. Auch in Österreich ist das Skifahren nicht mehr so populär wie früher“, so der 40-Jährige. Während Maier das erzählt, scheint die Sonne. Die Wolken haben sich verzogen. Die nächste Abfahrt kann kommen.

mm

"Auf der Titanic waren alle gesund": Die Sport-Sprüche des Jahres

„Uli, ich wünsch dir, bleib gesund. Gesundheit ist das Wichtigste im Leben. Na fast: Die auf der Titanic waren alle gesund - aber sie hatten kein Glück.“ (Franz Beckenbauer am 13.1. zu seinem Präsidenten-Nachfolger Uli Hoeneß bei der Gala zu dessen 60. Geburtstag) © dpa
Es gab drei Leute im Stadion, die es nicht gesehen haben. Und die, die am Bierstand waren.“ (Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs am 21. Januar nach dem 0:0 beim 1. FC Kaiserslautern über den nicht geahndeten Tritt von FCK-Stürmer Dorge Kouemaha an den Kopf von Sebastian Prödl) © dpa
Mainz ist sehr gut organisiert. Wir haben ja nicht gegen den FC Hönnetepöpp gespielt.“ (Schalkes Trainer Huub Stevens am 4. Februar nach dem 1:1 gegen Mainz 05) © dpa
„Da können drei Otto Rehhagel auf der Bank sitzen und José Mourinho noch dazu - wenn wir so weiterspielen, dann kann uns keiner helfen.“ (Hertha-Kapitän André Mijatovic am 25. Februar nach dem 0:3 in Augsburg) © dpa
„In Euro.“ (Schalkes Manager Horst Heldt am 1. März auf die Frage, ob er das Vertragsangebot für Raúl in Deutsch, Englisch oder Spanisch verfasst habe.) © dpa
„Wie das auch im echten Leben ist, gibt es noch ein paar Gurken, die auf der Strecke rumfahren.“ (Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel über die Kollision mit HRT-Pilot Narain Karthikeyan beim Großen Preis von Malaysia am 25. März) © dpa
„Das wär' nicht schlecht. Haben Sie einen?“ (Hoffenheims Trainer Markus Babbel am 21. April auf die Frage eines Journalisten, ob Hoffenheim nicht einen braucht, der die Tore macht) © dpa
„Halb Angst... Ich habe 1943 in einem Keller im Ruhrgebiet gesessen, als uns die Amerikaner bombardiert haben.“ (Hertha-Trainer Otto Rehhagel am 25. Mai auf die Frage, ob er bei den Ausschreitungen in der Schlussphase des Relegationsspiels in Düsseldorf Angst gehabt habe) © dpa
„Mir blieb nichts anderes übrig, als den Ball reinzuschießen. Ich hätte 80 Meter wieder zurücklaufen müssen.“ (Deutschland Matchwinner Lars Bender am 18. Juni in Danzig zu seinem EM-Siegtor gegen Dänemark) © dpa
„Ich kannte seinen Namen nicht. Ich habe Chirac zu ihm gesagt.“ (Der Führende der Tour-de-France Bradley Wiggins am 20. Juli nach der Siegerehrung, die Frankreichs Staatspräsident François Hollande als Ehrengast vornahm) © dpa
„Ich muss jetzt ganz schnell betäubende Mittel in mich reinschütten.“ (Hockey-Nationalspieler Philipp Zeller nach dem Gewinn der olympischen Goldmedaille) © dapd
„Ich habe Klaas-Jan Huntelaar meinen Vertrag vorgelegt, und ich nehme seinen. Da hat er aber doof geguckt.“ (Schalkes Sportvorstand Horst Heldt am 17. August zu den Vertragsverhandlungen mit dem Bundesliga-Torschützenkönig.) © dpa
„Ich habe eigentlich gesagt, dass ich Samuel Eto'o haben will. Jetzt ist es Edu geworden. Da gab es wohl eine Verwechslung.“ (Fürths Trainer Mike Büskens am 31. August zur Verpflichtung des Schalkers Edu) © dpa
„Deutsche Ärzte haben mir so viel Blut gegeben, dass ich eigentlich einen deutschen Pass bekommen sollte.“ (Der frühere Formel-1-Fahrer Alessandro Zanardi aus Italien, der 2001 auf dem Lausitzring beide Beine verlor und bei den Paralympics in London die Goldmedaille im Zeitfahren gewann, am 5. September) © dpa
„Wer weiß, vielleicht ist es diesmal ja für immer.“ (Michael Schumacher im Scherz bei seiner Formel-1-Rücktrittserklärung am 4. Oktober in Suzuka) © dpa
„Lance Armstrong ist wie der Weihnachtsmann: Wenn man größer ist, merkt man, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt.“ (Radprofi Bradley Wiggins bei der Tour-Präsentation am 23. Oktober in Paris über den wegen jahrelangen Dopings verurteilten Amerikaner) © dpa
„Die Aussagen des holländischen Nationaltrainers sind so relevant, wie wenn in Peking ein Fahrrad umkippen würde.“ (Bayern-Trainer Jupp Heynckes am 2. November zur Kritik von Louis van Gaal, der Vereinspräsident Uli Hoeneß attackiert hatte) © dpa
„Schnee-Weiß Bethlehem.“ (Bayern-Trainer Jupp Heynckes am 4.12. auf die Frage, ob er einen Wunschgegner für das Champions-League-Achtelfinale habe) © dpa
„Ein Mann, der nicht nur Trainer, Manager und Sportdirektor sein möchte, sondern möglichst auch noch Herausgeber der Vereinszeitung.“ (Bayern-Präsident Uli Hoeneß am 9. November über den beim VfL Wolfsburg entlassenen Trainer Felix Magath) © dpa
„Dass Theo Zwanziger kein guter Präsident ist, wusste ich schon lange. Dieses Buch wird ihn nach seinem mehr als peinlichen Rücktritt endgültig in die Isolation treiben.“ (Bayern-Präsident Uli Hoeneß am 11. November zur Autobiografie von Theo Zwanziger, in der auch er vom ehemaligen DFB-Präsidenten scharf kritisiert wird) © dpa
„Ich bin nicht Gott, sondern nur ein Trainer mit Laufschuhen an.“ (Schalkes Trainer Huub Stevens am 20. November auf die Frage, ob Torjäger Klaas-Jan Huntelaar im folgenden Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus wieder treffen werde.) © dpa
„Bei Chelsea ist eine Trainerentlassung nur wie jeder andere Tag im Büro.“ (Chelseas Ex-Trainer André Villas-Boas, heute in Diensten von Tottenham Hotspur, am 22. November über die Entlassung seines Nachfolgers Roberto Di Matteo.) © dpa
„Ich kenn' Pokalendspiele oder Champions-League-Endspiele oder Uefa-Cup-Endspiele. Das sind Spiele, da geht es um alles oder nichts. So viel ich weiß, gibt es für uns aber nach Bremen noch Spiele.“ (Hoffenheims Bundesliga-Trainer Markus Babbel am 30.11. auf die Frage, ob die Partie gegen Werder Bremen ein Endspiel für ihn ist. Nach der anschließenden Niederlage trennte sich der Club von ihm) © dpa
„Hätte er den auch rein gemacht, hieße er jetzt Julian Heber.“ (Trainer Jürgen Klopp am 5.12. über den gescheiterten Versuch des Dortmunder Angreifers Julian Schieber, den Torhüter von Manchester City kurz nach dem Treffer zum 1:0 mit einem Heber zu überlisten) © dpa
„Wir haben versucht, mit der Polizei zu sprechen, damit sie Messi festnimmt.“ (Carlos Gonzalez, Präsident des spanischen Fußball-Zweitligisten Real Club Deportivo Córdoba am 11.12. vor dem Pokalspiel gegen den FC Barcelona mit Weltfußballer Lionel Messi, Foto) © dpa

Quelle: tz

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