SZ und Standard berichten 

Missbrauchs-Skandal in Österreich: Heftige Vorwürfe gegen Ski-Legenden

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Toni Sailer, gestorben 2009, wird einiges vorgeworfen. 

Skandal in Österreich? Laut übereinstimmender Medienberichte sollen den beiden Ski-Legenden Karl Kahr und Toni Sailer sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden. 

Die SZ berichtet von zwei Sportlerinnen, die eidesstattliche Erklärungen abgeben haben sollen. Kahr und dem 2009 verstorbenen österreichischen Ski-Helden Toni Sailer würden in drei Fällen sexueller Missbrauch vorgeworfen, schreibt die Zeitung. Diese Übergriffe sollen sich bereits in den 1960er-Jahren zugetragen haben. Der Österreichische Skiverband (OSV) gab auf SZ-Anfrage an, nichts von den Vorwürfen gegen Kahr zu wissen.

Nicola Werdenigge brachte die Lawine ins Rollen

Die Lawine ins Rollen brachte Nicola Werdenigg, die sich öffentlich dazu bekannte. Andere Frauen - also Opfer von Sailer oder Kahr - wollen nicht genannt werden, machten aber ähnliche Aussagen. Die ehemalige Rennläuferin Werdenigg wurde auch von der Britin Helen Scott-Smith bestätigt. Werdenigg, nun 59 Jahre alt und Journalistin, berichtete der SZ: „Die Trainer haben sich die 15- bis 20-jährigen Mädchen aufgeteilt, sie haben sie als Objekte betrachtet mit denen sie ihre Beziehungsspiele spielten. Das war eine österreichische Kultur, eine Unkultur.“ Sie nennt bei den „Trainern“ keine Namen, aber alles geschah, als sie als junge Nachwuchssportlerin in Österreich trainierte. 

Werdenigg erzählt vieles. Unter anderem, dass es so weit gegangen sei, dass viele Athletinnen einen Nachteil hatten, wenn sie im perversen Gebilde der Verantwortlichen nicht mitspielten. Der Startplatz sei gefährdet gewesen oder die Skier verwachst, sodass ein gutes Resultat nicht möglich war. Mittlerweile soll der ÖSV eine Hotline eingerichtet haben, bei der sich Opfer melden können. Allerdings bekamen Medienhäuser und die Opferorganisation Hinweise, die weiter reichen, als nur beim Skisport. Die SZ zitiert: „Wir reden von vielen Sportarten, aber die Schwerpunkte liegen bei Ski und Fußball, von der Pubertät aufwärts.“

Auch auf Internaten soll es oft schlimm zugegangen sein. Es wird von einer Einrichtung in Stams gesprochen, bei der es rund gegangen sei. Ein ehemaliger Schüler von 1972 bis 1976 berichtet bei der SZ von einem „pädophilen Heimleiter, bei dem es zwei Optionen gegeben hat: Streicheln oder prügeln.“ Die Gestreichelten hätten kein Problem gehabt, andere schon. Doch wie konnten diese Fälle so lange geheim gehalten werden? Am Beispiel Toni Sailer und seinem Verhältnis zu den Medien werden einige Beispiele genannt. 

Schützten die Medien Toni Sailer?

Die Vorwürfe gegen Sailer, 1956 der erste dreifache Olympiasieger im alpinen Ski-Rennsport und bereits zu Lebzeiten eine der Ikonen in Österreich, sind nicht neu. Im März 1974 soll er am Rande eines Weltcup-Slaloms im polnischen Zakopane eine 28 Jahre alte Prostituierte misshandelt haben. Sailer war damals 38 Jahre alt und ÖSV-Alpinchef.

Der Standard, schreibt auch, dass Sailer „Dank der Intervention Mächtiger und dank des Schweigekartells, das Journalisten mit sympathischen Sportlern und Funktionären bilden“, geschützt wurde. Zu der Vergewaltigung im polnischen Zakopane gab es gegensätzliche Berichte unterschiedlicher Zeitungen. Die Österreicher sollen Sailer geschützt haben, in den deutschen Zeitungen wurde über die mögliche Vergewaltigung des Ski-Idols berichtet. Von krone.at kommt sogar der Artikel: „Toni Sailer anzupatzen, ist eine riesige Sauerei.", eine österreichische Tageszeitung

Sailer, der später als ÖSV-Direktor arbeitete, warf 1976 dem Stern, der vom Fall Sailer ausführlich berichtete, „falsche Berichterstattung“ vor. Weitere Gerüchte und Vorwürfe verflachten. Vor allem die Krone-Zeitung stellte Sailer immer wieder positiv dar. Letztendlich wurde er 1999 sogar zum Jahrhundertsportler Österreichs gewählt. 

In der Krone-Zeitung, die sich unter berühmten Wintersportlern umhörte, stand der Satz: „Beschämend, einen Toten so anzuschwärzen." Dieses Zitat stammt von der erfolgreichsten österreichische Ski-Athletin Annemarie Moser-Pröll, die nicht die einzige berühmte Wintersportlerin ist, die Sailer verteidigt. Der SZ nach soll sie bei Servus TV außerdem folgendes gesagt haben: „Da gehören immer zwei dazu.“ Auch der FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache redet von einer „miesen Kampagne gegen Sailer“. 

Auch Sailers gutem Freund Karl Kahr werden heftige Dinge vorgeworfen. Österreichs Ski-Legende und einer der erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des Landes  hat schwere Missbrauchsvorwürfe gegen seine Person entschieden von sich gewiesen. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Kahr wird von sexueller Nötigung bis zur Vergewaltigung einiges vorgeworfen. Eine ehemalige Skifahrerin, die nicht genannt werden will, berichtete der SZ folgendes: „Ich habe schon geschlafen, da ist Kahr auf einmal ins dunkle Zimmer gekommen und hat mich vergewaltigt. Er war mein Trainer, du hast zu ihm aufgeschaut als 16-jähriges Mädchen. Ich war jedenfalls total geschockt, da kannst du nicht um Hilfe rufen.“ Das alles geschah in den 1960er Jahren. Das Opfer, das wusste, dass es nicht das einzige gewesen war, erzählte diese Geschehnisse lange niemanden, erst als die #MeToo-Debatte anfing und Werdeniggs Geschichte publik wurde, wandte auch sie sich an die Öffentlichkeit. 

Die SZ zitiert unterdessen einen Anwalt des heute 85-Jährigen. Die Vorwürfe gegen Kahr seien "samt und sonders aus der Luft gegriffen", heißt es dort, und "kein einziger der von Ihnen genannten Vorfälle" habe "jemals stattgefunden".

Der Vorwurf der Behörden: "Notzucht", Vergewaltigung. Dies geht aus den Akten hervor, die die Zeitung der Standard, das Recherchekollektiv Dossier und der Radiosender Ö1 ausgewertet haben.

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