Ski-Löwe über seine Olympia-Chancen

Linus Straßer im Interview: „Ich werde den Berg zum Brennen bringen“

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Voll auf Angriff: Linus Straßer (25) will sich noch für Olympia qualifizieren.

Dritter beim City-Event in Oslo – Linus Straßer ist mit einem positiven Erlebnis ins Jahr gestartet. Nun greift der Münchner aber richtig an und will sich noch für Olympia ­qualifizieren.

München -  Am Donnerstag startet der Münchner in Zagreb beim nächsten Slalom, danach folgen die Klassiker in Adelboden (7.1.), Wengen (14.1.), Kitzbühel (21.1.) und Schladming (23.1.). Diese fünf Rennen muss der 25-Jährige vom TSV 1860 München nutzen, um im Februar in Pyeongchang starten zu dürfen. Da das Oslo-Rennen nicht als Qualifikationswettkampf zählt, fehlt ihm noch die nationale Olympianorm (einmal Top-8 oder zweimal Top-15).

Herr Straßer, eine Online-Überschrift zu Ihrem Oslo-Ergebnis lautete: Ein dritter Platz ohne Wert. Sehen Sie das auch so?

Linus Straßer: Das liegt bekanntlich immer im Auge des Betrachters. Für mich hat der dritte Platz einen sehr hohen Stellenwert. Im Bezug auf die Olympia-Qualifikation machen sich alle viel mehr verrückt als ich selbst. Wenn ich gut fahre, dann kommt sie, wenn nicht, dann habe ich es auch nicht verdient.

Im TV-Interview schienen Sie überrascht, dass das Rennen nicht zählt.

Straßer: Ich bin davon ausgegangen, dass es zählt, weil mein Stockholm-City-Sieg vor einem Jahr auch als WM-Qualifikation gezählt hat. Aber im Endeffekt ist es mir einerlei.

Durch das Team-Event dürften Sie ohnehin dabei sein, auch ohne Einzelstart.

Straßer: Entweder bin ich für Olympia qualifiziert und darf dorthin fahren, oder ich bin nicht qualifiziert, dann fahre ich nicht hin. Ich werde dort nicht nur den Teamwettbewerb fahren, sollte es bei diesem Stand bleiben. Aber bei den nächsten fünf Rennen werde ich den Berg zum Brennen bringen und schauen, dass ich die Norm einfahre.

Ihre Trainingsleistungen sollen schon das ganze Jahr sehr gut sein. Ein harte Situation, oder?

Straßer: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ich stecke den Kopf in den Sand oder ich kämpfe weiter. Ich bin für Zweiteres. Es ist wie überall im Leben, bestimmte Sachen brauchen Zeit. Aber wenn man alles für sein Ziel gibt, bin ich sicher, dass man am Ende ein Ergebnis hat, mit dem man zufrieden ist. So sehe ich auch meine Entwicklung in den vergangenen Jahren.

Linus Straßer gibt Vollgas auf der Piste.

2015 waren Sie in Schladming als Fünfter plötzlich mitten in der Welt­spitze. Kam dieses Ergebnis zu früh?

Straßer: Nein, überhaupt nicht. Ich sehe das so: In meiner ersten Saison vor drei Jahren kannte mich keiner und ich bin einfach drauflosgefahren. In der zweiten Saison kannten mich die Medien und dachten, ich wäre der neue Felix Neureuther. Dem ist aber nicht so. Das dritte Jahr nach einer relativ schlechten Saison war schwierig und entscheidend. Es war mir vergangene Saison wichtig, konstant zu fahren und keine Harakiri-Auftritte hinzulegen. Es ist seit meinem Weltcupdebüt nicht nur steil nach oben gegangen, aber ich habe viel dazugelernt. Jetzt ist der nächste Schritt an der Reihe. Es ist eine Frage der Zeit, bis er kommt. Es kann sehr schnell gehen, es kann aber auch noch eine oder zwei Saisons dauern. Für mich selbst ist das nicht einfach, weil ich weiß, dass ich mehr draufhabe.

War ihr 20. Platz vor zwei Wochen in Madonna ein erster Schritt?

Straßer: Madonna war cool, ich war noch nie so zufrieden mit einem 20. Platz. Wenn ich ein paar kleine Fehler nicht gemacht hätte, wäre es noch weiter nach vorne gegangen. So läuft es bei uns Slalom-Fahrern manchmal eben. Ich bin überzeugt, dass auch der zweite Durchgang beim Saisonstart in Levi sehr gut geworden wäre, aber leider bin ich ausgeschieden. Beim nächsten Rennen in Val d’Isere habe ich mich beim Set-Up vergriffen und bin schlecht gefahren. So steht man plötzlich ohne Ergebnis da. Die Medien sind dann oft sehr schnell sehr aufgeregt. Bei mir und bei uns in der Mannschaft hingegen hat es überhaupt keine Aufregung gegeben. Mit Madonna war ich, wie gesagt, sehr zufrieden, Sie können gespannt sein auf die nächsten fünf Rennen.

Dauerhaft in die Top-30 sollte definitiv Ihr Ziel sein, oder?

Straßer: Absolut. Natürlich.

Interview: Mathias Müller

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