Zu Besuch bei Hermann Maier

Die tz auf der Piste mit dem Papinator

Immer noch flott unterwegs: Hermann Maier zu Hause in Flachau.

Flachau - Hermann Maier (41) fürchtete früher weder Tod noch Teufel. Heute zählt für das ehemalige Ski-Ass vor allem eines: Seine Familie.

Familiengerecht. Ja genau, familiengerecht sollte das Skigebiet für Hermann Maier (41) schon sein. Der Mann, der früher weder Tod noch Teufel fürchtete und 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano mit seinem legendären Sturz für Aufsehen sorgte, ist ruhiger geworden. Heute zählt für den Herminator vor allem eines: Seine Familie. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Carina Schneller (31) hat er seit 29. August Zwillinge – Liselotte und Florentine. Aus dem Herminator wurde ein stolzer Papinator.

„Meine Form war schon mal besser“, berichtet Maier als wir in seinem Heimatskigebiet Flachau gemeinsam im Lift sitzen. „Ich kann jedem, der Kinder bekommt, nur empfehlen, ein wenig vorzuschlafen.“ Wenn es einmal so weit ist, sei die Zeit ein knappes Gut. Eine Skitour ist Maier vor Weihnachten dennoch schon gegangen. Oft schnallt er sich gemeinsam mit seinem Bruder Alex, dem Leiter der Hermann-Maier-Skischule, die Bretter unter die Füße. „Am liebsten fahren wir in Flachau. Gerne auch ein wenig abseits der Piste“, sagt Maier. Und das mit der fehlenden Form war bestimmt nur Understatement… Skifahren ist immer noch sein Ding. Aber auch in der Entwicklung und Erziehung seiner Mädels kennt sich der Papinator bestens aus. Öffentlich spricht er nicht allzuviel darüber. Privates soll privat bleiben. „Ich mache eben alles, was eine stillende Mutter auch macht“, sagt Maier mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ob er das genauso gut beherrscht wie den Schnee? „Das hängt ganz vom vergleichbaren Niveau ab“, so Maier.

Hermann Maier (r.) mit tz-Reporter Mathias Müller

Ortswechsel. Auf der Piste gibt er als unser Skiguide den Takt an. Die Hermann-Maier-Weltcupstrecke unter dem Star Jet 1 ist unser erstes Ziel. Der snow space Flachau ist sein Planet, hier kennt er jeden Winkel und findet Wege, die es eigentlich gar nicht gibt. Ein rumänischer Kollege scheint die Form von Maier tatsächlich testen zu wollen. „Ist das alles, was du drauf hast“, plärrt er zu ihm hinüber. Wenige Sekunden später hat er nur noch einen Ski am Fuß, der andere ist einige Meter über ihm im Schnee stecken geblieben. „Halt mehr Abstand, mein rumänischer Harakiri-Freund“, reagiert Maier gelassen. „Es gibt hier keinen Pokal zu gewinnen.“ Dacht ich’s mir doch, für uns reicht seine Form also allemal noch.

Später, auf der Alm, haben sich die Gemüter wieder beruhigt. So sollte es auch sein, in der Vorweihnachtszeit. Auch ein Hermi-, Verzeihung, Papinator, genießt die stade Zeit. „Vor und nach Weihnachten ist immer ziemlich viel Trubel in Flachau, an Heiligabend kommt der Ort zu Ruhe, ich mag das sehr“, sagt Maier, der die Feiertage im Kreis seiner Lieben verbringt. Wie freudig Liselotte und Florentine bei der traditionellen Würstlsuppn zugreifen werden, bleibt abzuwarten. Das ein oder andere Geschenk werden sie aber wohl abstauben. Maiers schelmische Antwort: „Ich habe sie schon gefragt, was sie wollen, aber bisher kam noch keine Antwort. Und überhaupt, Wünsche müssen schriftlich eingereicht werden, sonst zählt es nicht.“ Sollte das Christkind irgendwann die ersten Ski vorbeibringen, ist Hermanns Mutter Gerti gefragt. „Sie darf ihnen die ersten Schwünge beibringen, später kümmere ich mich darum.“

Für Oma Gerti ist das alles sicher kein Problem, immerhin hat sie es auch mit den beiden wilden Jungs Hermann und Alex geschafft. Mit zehn Jahren seien die schon mit dem Moped herumgefahren, und auch wenn ein Baum 30 Meter hoch war, habe der Hermann oben herausgeschaut, erzählte Gerti Maier jüngst. Jetzt haben die Mädels den Spieß umgedreht und halten Papa Hermann auf Trab. „Schön langsam wird es aber besser mit dem Schlafen“, sagt Maier und blickt entspannt in die Zukunft. Kann er auch, als Herminator hat er schließlich schon ganz andere Dinge gemeistert.

Vom Herminator zum Papinator

Hermann Maier, der Mann, der 1998 von Terminator Arnold Schwarzenegger zum ­Herminator ernannt wurde – er wird umringt von strahlenden Kindern, und alle grinsen um die Wette. Vom Herminator zum Papinator? Es sind natürlich nicht alles ­Kinder von Maier (hier wird er im Rahmen einer Werbeaktion der Raiffeisen-Bank geherzt). Trotzdem hat der 41-jährige Österreicher mehr von einem Papinator. Seit September ist er stolzer Vater von Zwillingen. Es läuft also auch nach seinem Karriere-­Ende alles prima für den Olympia-Sieger von 1998. Seit dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2009 kümmert er sich um wohltätige Projekte. Seit 2009 ist Maier Botschafter der Laureus Stiftung, er startet gerne bei Charity-Ski-Rennen – aber die meiste Zeit versucht er mit seinen beiden Töchtern zu ­verbringen – eben ganz der ­Papinator.

Fs: Raiffeisen, dpa

Mathias Müller

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Biathlon: Arnd Peiffer gibt nach schwerem Sturz Entwarnung, Franzosen überragen
Biathlon: Arnd Peiffer gibt nach schwerem Sturz Entwarnung, Franzosen überragen
Ski alpin: Thomas Dreßen erreicht mit starker Fahrt die Top-Ten
Ski alpin: Thomas Dreßen erreicht mit starker Fahrt die Top-Ten
Sensation im Ski alpin: Thomas Dreßen siegt bei Comeback
Sensation im Ski alpin: Thomas Dreßen siegt bei Comeback
Skispringen: Eisenbichler ohne Glück, Geiger bester Deutscher
Skispringen: Eisenbichler ohne Glück, Geiger bester Deutscher

Kommentare