Die Speedfahrer wieder obenauf

Skifahrer profitieren von Trainer Berthold: „Brenne für die Aufgabe“

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Herren-Cheftrainer Mathias Berthold.

Abfahrtsieger in Kitzbühel, Olympiasieger - in diesen Kategorien durfte man im Deutschen Skiverband lange Jahre nicht im Ansatz denken. Bis Mathias Berthold im Sommer 2014 Herren-Cheftrainer wurde. Der Weg ist noch weit. Aber der Österreicher glaubt daran.

Bormio - Für Mathias Berthold ist die Abfahrt in Bormio vor allem ein weiterer Schritt hin zu den ganz großen Zielen mit den deutschen Abfahrern Thomas Dreßen, Josef Ferstl und Andreas Sander. „Den höchsten Stellenwert hat Olympia, dann kommt Kitzbühel. Aber es wird kein erfolgreiches Olympia geben, wenn es davor kein gutes Bormio, Wengen, Kitzbühel und Garmisch gibt“, sagte der Herren-Cheftrainer des Deutschen Skiverbands im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wir müssen uns stabilisieren für ein oder zwei Rennen, das gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. Aus einer solcher Situation heraus können wir nach ganz vorne angreifen.“

Noch vor wenigen Monaten wäre Berthold für eine solche Aussage belächelt worden - unmittelbar vor dem Wettkampf am Donnerstag (11.45 Uhr) nehmen die internationalen Topstars wie Aksel Lund Svindal die schnellsten deutschen Skirennfahrer aber richtig ernst. „Die reden einen jetzt auch mit dem Vornamen an. Wenn einer sagt, „hey, Pepi“, da weiß man dann schon: Der kennt mich“, berichtete Ferstl.

Sein Sieg im Super-G von Gröden vor Weihnachten, dem ersten eines Deutschen in dieser Disziplin nach fast 27 Jahren, ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit Berthold, mit Abfahrtstrainer Christian Schwaiger - und dem über Monate gewachsenen Selbstvertrauen. „Man steht selbstverständlich unter den besten der Welt am Start und weiß: Hey, die müssen sich jetzt anschnallen, wir können das genauso.“

Ferstl:  „Abfahrer in Deutschland zu sein war über viele Jahre kein Zuckerschlecken.“

Dabei hat der 28 Jahre alte Vater zweier Kinder nicht nur den Sieg in Gröden seinem Trainer zu verdanken, sondern auch die Fortsetzung seiner Karriere als Abfahrer. Wie alle Speedfahrer im Deutschen Skiverband. „Wir haben damals nach 2014 die Grundatzdiskussion geführt, ob wir überhaupt noch ein Abfahrtsteam wollen. Mathias Berthold wollte das unbedingt“, erzählte Alpinchef Wolfgang Maier von der Zeit unmittelbar nach den Winterspielen in Sotschi, als kein deutscher Abfahrer am Start stand. „Abfahrer in Deutschland zu sein war über viele Jahre kein Zuckerschlecken.“

Maier kannte Berthold aus dessen erfolgreicher Zeit als Cheftrainer der DSV-Damen und wollte ihn nach vier Jahren in Österreich zurück holen. Und Berthold glaubte an die Sportler: „Ich habe ihnen gesagt: Eigentlich gibt es euch nicht mehr. Aber ich stehe 1000-prozentig hinter dem Programm.“

Dieses Vertrauen, erzählen Ferstl, Sander und Dreßen, der mit seinem dritten Platz in Beaver Creek für den ersten Podestplatz eines Abfahrers nach 13 Jahren sorgte, hat viel bewirkt. Wenngleich Berthold noch immer ungenutztes Potenzial sieht. „Ich glaube, die sehen sich immer noch nicht da, wo sie sein können“, sagte der 52 Jahre alte Österreicher, der sich auch über die Fahrer der zweiten Reihe freut, wie Dominik Schwaiger oder Manuel Schmid. Und der noch lange beim DSV bleiben will: „Ich brenne für die Aufgabe.“

Berthold weiß wie man Erfolg hat

Wie man die ganz großen Ziele erreicht, das weiß kaum ein Trainer im Weltcup so gut wie Berthold. Mit seiner kommunikativen Art und der Strategie von ehrlicher und klarer Kritik, ohne persönlich zu werden, führte er Maria Höfl-Riesch, Viktoria Rebensburg, Matthias Mayer und Mario Matt zu olympischen Goldmedaillen. 2014 raste Hannes Reichelt zudem zum Sieg auf der Streif. „Die Abfahrt in Kitzbühel zu gewinnen, Olympiagold in der Abfahrt, das ist einfach das Größte. Wer Kitzbühel gewinnt ist unsterblich“, erzählte Berthold von den Erinnerungen.

Als er 2014 kam, habe ihm Maier gesagt, ein Kitzbühel-Sieger oder Olympiasieger in der Abfahrt werde es mit Deutschland nicht geben, berichtete Berthold. „Ich fragte: Warum nicht? Das ist das Ziel.“

dpa

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