Stockerl nach Knie-OP

Super-Luitz: Wie auf Schienen

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Stefan Luitz

München - Was für ein Comeback! Zehn Monate nach seiner Knie-Operation rast Stefan Luitz wieder aufs Stockerl. Möglich macht das eine spezielle Schiene.

Er ist jung und verdammt schnell – zumindest, wenn er ins Ziel kommt! Spätestens seit seinem dritten Platz im Riesenslalom von Val d’Isere vergangenes Wochenende ist Stefan Luitz der neue Shootingstar im Deutschen Skiverband. Bereits 2012 fuhr der heute 21-Jährige in den französischen Alpen überraschend auf Rang zwei. In den darauffolgenden Rennen schied er oft vorzeitig aus. Und im Februar folgte ein brutaler Rückschlag: Beim Slalomtraining am Gudiberg in Garmisch-Partenkirchen riss er sich das Kreuzband am linken Knie. Dass er jetzt, nur zehn Monate später, wieder auf dem Podium steht, hat er Herren-Cheftrainer Charly Waibel, einer neuen Rehaform und einer speziellen Schiene zu verdanken: der PrävenThese. Super-Luitz, der Mann, der wie auf Schienen zum Erfolg rast…

Was bei anderen Sportlern nur eine Behelfseinrichtung ist, wurde für Luitz zur Dauereinrichtung: Ohne seine PrävenThese (eine Wortschöpfung aus Prävention und Prothese) geht Luitz fast gar nicht mehr aus dem Haus beziehungsweise auf die Piste. Er trägt sie nicht nur am lädierten linken, sondern auch am rechten Knie. Entwickelt hat das neue Hilfsmittel eine Projektgruppe rund um Charly Waibel. „Wir haben vor drei Jahren damit begonnen. Die größten Kräfte wirken im Skisport auf das Knie, bisher machen wir aber nichts, um es zu schützen“, so Waibel zur tz. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaften unterstützte die Forschungen mit ansehnlichen Geldbeträgen. Und geht es nach Waibel, sollen zukünftig alle Athleten die PrävenThese tragen – zur Vorbeugung und nicht erst nach einer Verletzung!

Neben Luitz fahren im DSV-Kader unter anderem Andreas Sander und Ronja Mayr mit der Spezialanfertigung. Waibel: „Sie wird zu 100 Prozent individuell angepasst, der Athlet spürt dadurch keine Behinderung.“ Ganz im Gegenteil, die Schiene soll unterstützen und Kräfte absorbieren, ohne die Bewegung zu beeinträchtigen. Luitz kann das bestätigen. „Die PrävenThese bringt mir Sicherheit, ich konnte schon sehr früh nach meinem Kreuzbandriss mit dem Skifahren beginnen. Sie behindert mich in keinerlei Hinsicht“, so Luitz zur tz. Sie scheint zu helfen. Genau, wie die neu gestaltete Reha nach dem Kreuzbandriss. „Der Zeitpunkt war sehr ungünstig. Unter normalen Bedingungen hätte Stefan das Sommertraining verpasst, also haben wir uns überlegt, wie wir den Regenerationsprozess optimieren können“, so Waibel. Seine Idee basiert auf zwei wichtigen Kernpunkten. Man steigt nicht zu früh ins Training ein, sondern wartet, bis das Knie wirklich völlig schmerzfrei ist. Dafür ist die Belastung bei den ersten Einheiten verhältnismäßig hoch. Der zweite Schlüssel ist das therapeutische Skifahren. Normal stehen Athleten erst nach sechs Monaten wieder auf Ski, Luitz hatte bereits nach drei Monaten wieder Kontakt mit Schnee. „Hier mussten wir die meiste Überzeugungsarbeit leisten, weil dieser Schritt nicht alltäglich ist“, erzählt Waibel. Dass es bei Luitz so schnell wieder so gut läuft, hätte auch er nicht geglaubt: „Es war ein Wunschtraum, aber zu erwarten war es nicht. Es ist eine extreme Befriedigung für unser gesamtes Team. Von seinem Kaliber haben wir nicht viele.“

Geht alles gut, soll Luitz in der Zukunft Felix Neureuther beerben. Dafür muss er aber noch etwas klüger in die Rennen gehen. „Ich hoffe, dass er es früher lernt als Felix“, schmunzelt Waibel, „aber Stefan muss jetzt auch nicht immer aufs Podium fahren“. Vielleicht lässt sich genau das aber manchmal nicht vermeiden. Denn wenn der Luitz ins Ziel kommt, dann meist schnell. Weil er eben fährt wie auf Schienen…

Mathias Müller

Quelle: tz

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