Tongas „Skistar“ will nach St. Moritz

In München: Südsee-Wedler trainiert für Ski-WM

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Kasete Naufahu Skeen startet für den Südseestaat Tonga.

München - Eine jamaikanische Mannschaft bei einer Bob-WM gab‘s schon mal. Jetzt will erstmals ein Skifahrer aus Tonga bei Olympischen Spielen antreten. Sein Trainer glaubt fest an ihn.

Beim Eintritt ins Fitnessstudio, in einem Hinterhof in München, erntet der Reporter ein kurzes Lächeln – dann ist der Blick von Kasete Naufahu Skeen, der sein langes, krauses Haar, zu einem Zopf zusammengebunden hat, wieder voll fokussiert. Kasete, schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzes T-Shirt aber pinke Socken, hat eine Vision: Er will sich 2018 als erster Skifahrer Tongas für die Olympischen Spiele qualifizieren, vorher ist er schon bei der WM in St. Moritz am Start. Kasete ist der Münchner Südsee-Wedler!

Unterstützung erfährt der Sohn einer englischen Mutter und eines tongalesischen Vaters durch Steve Grundmann. Der Münchner war bereits 2014 in Sotschi, damals noch für Togo, und traf bei der Eröffnungsfeier auf Modeschöpfer Willy Bogner, der die Kleidung für Tongas Kultrodler Bruno Banani entworfen hatte. Man kam ins Gespräch und Bogner berichtete, dass sich der verstorbene König Tupou IV immer einen Skifahrer bei Olympia gewünscht hatte. Das Ergebnis sind Kasete, die Langläufer Makeleta Stephan und Pita Taufatofua und die Gründung der Royal Tonga Ski Federation.

Der 34-jährige Kasete stand im Alter von zwölf Jahren erstmals bei einem Schulausflug in Kitzbühel auf den Ski, vor fünf Jahren entfachte seine Leidenschaft durch seine schwedische Freundin erneut. Vergangene Woche flog er zu ihr nach Åre und bereitet sich dort bis Silvester auf seine ersten offiziellen Rennen vor. „Mittlerweile fühle ich mich bereit für mein erstes Rennen“, sagt er. Für Pyeongchang braucht er eine gewisse Anzahl an FIS-Punkten, bei der Ski-WM im Februar in St. Moritz ist er auch so startberechtigt und tritt im Riesenslalom-Qualifikationsrennen an.

Kasete beim Krafttraining.

Trainiert wird Kasete von Hermann Aigner, der Südtiroler war früher Italiens Nationaltrainer und zuletzt für ein paar Jahre technischer Direktor der chinesischen Ski-Nationalmannschaft. „Kasete kann es schaffen“, glaubt Aigner. Wie ernst sein Schützling es nimmt, beweist seine körperliche Entwicklung im vergangenen Jahr. Fast 25 Kilogramm hat Kasete abgenommen, auch weil er seine Ernährung mit Hilfe einer Cousine, die Ernährungsberaterin ist, umgestellt und einiges an Muskelmasse zugelegt hat. „Ich habe viele Menschen, die mich unterstützen“, sagt Kasete, dessen Spendenaufruf im Internet übererfüllt wurde. Auch in Tonga ist man stolz auf ihn. „Ich war zwar nur einmal als Kind dort, weil der Flug sehr teuer ist, aber ich habe Familie dort und Tonga ist nicht sehr groß, da kennt jeder jeden“, so Kasete, der eigentlich in London lebt.

Dafür führt in seine Reise öfters nach München und dann meist ins Kaindl-Athletic-Studio in der Westendstraße. Hier holt er sich wertvolle Tipps für das Krafttraining mit und ohne Gewichten und lässt seine Leistungsfähigkeit regelmäßig überprüfen. An diesem Tag bekommt Kasete noch ein, zwei Übungen für seine Flexibilität in der Hüfte empfohlen. Er lächelt, als das Training beendet ist: „Ich habe ein großes Ziel vor Augen und ich spüre derzeit sehr oft, dass ich genau das machen will, speziell in den Bergen fühle ich mich sehr wohl.“ Man glaubt es ihm gerne, ein bisschen trainieren wird er für 2018 noch müssen. Sollte er sich für Pyeongchang qualifizieren, wäre er allerdings einer der Farbtupfer, die die olympische Bewegung derzeit gut gebrauchen kann. Ansprechende Socken hat Kasete jetzt schon.

Mathias Müller

Quelle: tz

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