Top-Biathletin im Interview

Laura Dahlmeier:„Versuche, den Druck locker zu nehmen“

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Die deutsche Paradebiathletin: Laura Dahlmeier aus Garmisch-Partenkirchen.

München - Deutschlands Biathlon-Star Laura Dahlmeier über die gewachsenen Erwartungen und ihre Freiheit, auch mal Pause zu machen

Laura Dahlmeier, hinter Ihnen liegt das bislang erfolgreichste Jahr Ihrer Karriere. Zuletzt wurden Sie bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres auch noch Zweite. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Das ist eine Riesenehre für mich. Gerade in einem Jahr, in dem Olympische Sommerspiele waren und eben die Sommersportler mehr im Mittelpunkt standen. Als Wintersportlerin da Zweite zu werden, ist schon klasse.

Schon erstaunlich. 2014 bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi erlebten die deutschen Biathletinnen noch ein Desaster – doch das ist vergessen, in kurzer Zeit schafften Sie und Ihre Teamkolleginnen die Rückkehr in die Weltelite ...

Ja, das ist superschnell gegangen. Das hätte ich selber nicht für möglich gehalten, dass ich persönlich schon da oben mitmischen kann. Nach dem Tiefpunkt von Sotschi hat sich unheimlich viel getan. Für mich persönlich und in der ganzen Mannschaft. Das macht schon großen Spaß.

„Ich merke schon, dass sich alles auf mich konzentriert“

Spätestens seit der WM im vergangenen März, als Sie fünf Medaillen gewannen, schaut alles auf Sie. Sie sind schließlich derzeit die einzige Siegläuferin im deutschen Team. Eine Belastung?

Ich merke schon, dass sich alles auf mich konzentriert. Das ist sicher nicht so einfach. Gerade wenn es um Termine geht, um das ganze Drumherum und die Abstimmung mit den Medien, da brauche ich ein gutes Team um mich – das ich mit meinem Management und dem Skiverband auch habe. Aber es stimmt schon, das Ganze ist nicht immer einfach zu handhaben. Da muss ich noch dazulernen.

Auch die Erwartungen sind enorm gestiegen ...

Ja, der Druck bei den Rennen hat zugenommen. Ich versuche aber, das nicht zu sehr an mich rankommen zu lassen und es eher locker zu nehmen. Jetzt spricht zum Beispiel momentan jeder davon, dass ich den Gesamtweltcup gewinnen könnte – dabei ist gerade erst einmal das erste Saisondrittel rum.

Man hat fast schon den Eindruck, dass es bereits als leise Enttäuschung bewertet wird, wenn Sie mal das Podest verpassen.

Das habe ich erst vor einer Woche gemerkt. Nach dem Sprint in Nove Mesto hat es da im Fernsehinterview geheißen: „Der erste Rückschlag für Laura Dahlmeier.“ Nun ja: Immerhin bin ich Vierte geworden mit drittbester Laufzeit. Da von einem Rückschlag zu sprechen, ist schon sehr gewagt. Da sollte man die Kirche besser im Dorf lassen. Ich bin jedenfalls nach wie vor glücklich über jede Top-10-Platzierung. Schon von einer Niederlage zu sprechen, nur weil ich mal ein paar Fehler schieße, das ist doch etwas vermessen.

Sie haben ja einen Traumstart hingelegt, drei Einzel- und ein Staffelrennen gewonnen, liegen im Gesamtweltcup klar vorne. Das sind auch für Sie ganz neue Gefühle. In den vergangenen Jahren konnten Sie wegen Verletzung bzw. Krankheit erst verspätet in die Saison einsteigen.

Weihnachten für die Regeneration

Für mich ist es tatsächlich schon ein großer Erfolg, überhaupt bei allen Weltcup-Rennen dabei gewesen zu sein. Ich bin gesund durchgekommen, und das ist mir total wichtig. Und dann war ich bei allen Rennen auch noch unter den Top 10 – das ist superschön. Im letzten Jahr hatte ich zum Beispiel vor Weihnachten nur fünf Starts; diesmal waren es neun. Ich merke schon jetzt, dass es etwas anderes ist, wenn man jedes Rennen läuft. Umso wichtiger ist es, über Weihnachten zu regenerieren und die richtigen Schlüsse für den Rest der Saison zu ziehen. Ich möchte ja auch bei der WM im Februar in Hochfilzen noch richtig gute Leistungen zeigen.

Trotzdem: Wenn man das Gelbe Trikot trägt, gibt man es doch nur ungern wieder her?

Klar, ich schau schon ein bisserl auf den Weltcupstand. Es wäre natürlich nicht ganz richtig zu sagen: Mir ist das total egal. Wenn es weiter gut läuft und am Ende klappen sollte, würde ich mich natürlich gigantisch freuen. Aber noch einmal: Ich werde sicher nicht alles dem Gesamtweltcup unterordnen.

In den vergangenen Jahren haben Sie von den Trainern während der Saison die eine oder andere Erholungspause verordnet bekommen. Verzichtet man als Weltcup-Spitzenreiterin wirklich so ohne Weiteres auf Rennen?

Ach, ich bin ganz gut im Aussetzen. Ich lasse mich da nicht stressen oder von außen zu sehr unter Druck zu setzen. Die Position im Weltcup ist dabei egal. Ich versuche, taktisch klug an die Sache heranzugehen, und wenn die Belastung zu groß wird, dann muss ich eben das eine oder andere Rennen auslassen. Es gibt ja auch zwei Streichergebnisse im Weltcup. Unsere Trainer haben sicher das richtige Feingefühl, um die passende Abstimmung zu finden.

Wundermittel habe ich nicht in der Tasche

Sie waren in den vergangenen Jahren ja immer anfällig für Infekte. Diesmal ist Ihre Gesundheit weitaus stabiler. Haben Sie da in der Vorbereitung etwas geändert?

Das Wundermittel, damit ich immer gesund bleibe, habe ich nicht in der Tasche. Aber ich versuche mich noch besser zu schützen und vorzubeugen. Ich achte noch mehr auf die Tipps, die mir meine Betreuer geben. Hinzu kommt mein Trainingsalter – vor zwei, drei Jahren haben mir die Belastungen noch mehr zugesetzt. Inzwischen kenne ich das Geschäft. Ich bin zwar immer noch eine junge Athletin, aber man wächst da rein.

Zuletzt zeigten sich die deutschen Biathletinnen auch mannschaftlich enorm stark. Beim Massenstart in Nove Mesto schaffte es gleich ein DSV-Trio unter die besten Sechs. Ein zusätzlicher Ansporn?

Unser Teamgeist ist wirklich gut, wir sind eine super Mannschaft, wir ticken alle ähnlich. Auch wenn wir Einzelsportler sind, passen wir gut zusammen, das zeichnet uns aus, deswegen sind wir auch mannschaftlich so stark.

Im Weltcup geht es erst Anfang Januar in Oberhof weiter. Wie verbringen Sie die Zeit bis dahin?

Bevor ich wieder ins Grundlagentraining einsteige, mache ich ein paar Tage Pause. Ich brauche auch mal eine Auszeit. Ich freue mich darauf, wenn ich eine Bergtour machen kann, mit den Skiern oder zu Fuß. Und dann möchte ich einige Zeit mit der Familie verbringen. Das kommt ansonsten ja zu kurz, weil ich so viel unterwegs bin. Gerade über Weihnachten ist das schön, wenn wir alle gemeinsam daheim sind und schöne Stunden miteinander verbringen können.

Am 30. Dezember werden Sie beim City Sprint in Garmisch-Partenkirchen. Kommt Ihnen diese Stressspitze in den Weihnachtsferien gelegen?

Für mich ist das keine wirkliche Stressspitze. Ich freue mich wirklich darauf, in Garmisch laufen zu können. Ich mache das auch für die ganzen Einheimischen und Fans, die mir den ganzen Winter über die Daumen drücken. Es ist einfach schön, wenn man da was zurückgeben kann. Und der City Sprint ist ja auch deswegen relativ stressfrei, weil es gerade mal fünf Minuten von mir zu Hause in die Garmischer Fußgängerzone sind. Eine kürzere Anreise zu einem hochkarätig besetzten Rennen gibt es nicht.

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