3. Springen der Tournee steht an

Freitag zurück in Innsbruck: Vom Bergisel ging es langsam bergab

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Richard Freitag bei der Qualifikation in Garmisch-Partenkirchen.

Innsbruck - Richard Freitag triumphierte vor zwei Jahren in Innsbruck, seither stand er nie wieder auf dem Podest. Das einstige Toptalent steckt im Dauer-Tief.

Update vom 28. Dezember 2017: Die deutschen Springer - insbesondere Richard Freitag - gehen beim Auftaktspringen als Favoriten an den Start. Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie den Start der Vierschanzentournee, das Skispringen 2017 in Oberstdorf, live im TV und Livestream sehen können.

Richard Freitag ist erst 25 Jahre alt, beim Gedanken an den größten Tag seiner Karriere überkommt ihn dennoch Nostalgie. "Meinen Sieg in Innsbruck werde ich nie vergessen, das wird immer in meinem Kopf bleiben", sagte der Sachse dem SID über jenen 4. Januar 2015, an dem er ganz oben angekommen war. Wenn die Skisprung-Welt am Mittwoch (14.00/ARD und Eurosport) auf den Tag genau zwei Jahre später wieder auf den Bergisel schaut, steht Freitag nicht im Mittelpunkt - die Hoffnungen, die sein Sieg weckte, haben sich nicht erfüllt.

Zwölf Jahre lang hatten die DSV-Adler vergeblich auf einen Tagessieg bei der Vierschanzentournee gewartet. Dann kam nicht etwa Severin Freund, sondern eben Freitag und erlöste die deutschen Fans mit zwei Traumflügen. Sven Hannawald, der Ende 2002 in Oberstdorf für den zuvor letzten deutschen Tournee-Erfolg gesorgt hatte, jubelte: "Die erzgebirgische Tradition lebt weiter."

Kein Podestplatz seit dem Sieg am Bergisel

Nun sehen die Vorzeichen gänzlich anders aus. Seit jenem Triumph, nach dem Bundestrainer Werner Schuster sein Toptalent als "Diamanten" bezeichnet hatte, ist kein weiterer Sieg hinzu gekommen. Mehr noch: Nicht einmal aufs Podest sprang Freitag seither.

"Seine Entwicklung ist stabil rückläufig, das muss man ganz klar sagen. Es ist definitiv nicht der Schritt gekommen, auf den er und auch wir gehofft haben", sagt Schuster heute. Freitag sei ehrgeizig, gebe alles für den Sport: "Aber er ist noch nicht so vorangekommen, wie er wollte."

Hinzu kam das Pech für Freitag, den 13. - diesen Platz belegt er derzeit in der Tournee-Gesamtwertung. Im Sommer ging sein Skihersteller pleite, der Mixed-Weltmeister von 2015 musste wochenlang neue Bretter austesten und verlor viel Zeit. Erst im August legte er sich fest, springt nun mit Latten des gleichen Ausrüsters wie Markus Eisenbichler und Severin Freund, kämpft seither um Anschluss. "Er hat sich erst im Herbst angefangen zu stabilisieren", sagt Schuster.

Freitag gibt sich kämpferisch

Hinzu kommt die gänzlich ungewohnte Situation im deutschen Team, wo der jahrelange Vorflieger Severin Freund nach seiner Hüft-OP derzeit chancenlos ist. "Für Richard ist das neu, weil er immer die Nummer zwei hinter Severin war. Jetzt ist Severin nicht so in Form, und jetzt ist er nicht einmal mehr die Nummer zwei. Diese Dinge darf man nicht unterschätzen", sagt Coach Schuster.

Freitag gibt sich dennoch kämpferisch, will unbedingt den Anschluss an die Weltspitze schaffen. Vielleicht ja schon in Innsbruck? "Ich schließe nichts aus. Ich gehe das Schritt für Schritt an", sagt Freitag und schwärmt von jenem legendären Hexenkessel, der ihm einst so viel Glück gebracht hatte.

"Die Kulisse, die Berge im Hintergrund, die Stadt unten, das ist einmalig. Das ist wie ein Resonanzkörper, der da unten vollen Ton bringt. Und da springt man rein, das macht echt Laune", sagt Freitag. Klingt ganz, als ob in dem Bergisel-Champion von 2015 nicht nur Nostalgie, sondern noch immer auch eine große Portion Ehrgeiz schlummert.

SID

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