So tickt Deutschlands Skisprung-Hoffnung

tz-Interview mit Eisenbichlers Ex-Trainer: „Früher schnell auf 180“

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Machte Markus Eisenbichler einst fit für den Weltcup: B-Kader-Trainer Bernhard Metzler sieht großes Potenzial in Deutschlands aktuellem Überflieger.

München - Markus Eisenbichler springt seine beste Saison. Auch bei der Vierschanzentournee mischt er vorne mit. Sein Ex-Trainer sieht aber noch Luft nach oben.

Update vom 10. Februar 2018: „An einem perfekten Tag springt auch Eisenbichler um Edelmetall“, lautet unsere Einschätzung. Aber natürlich ist er weit davon weg, zu den Topfavoriten bei Olympia 2018 zu zählen. Wir stellen den deutschen Kader vor.

Wenn jemand über den aktuellen Skisprung-Shootingstar Markus Eisenbichler (25) Bescheid weiß, dann Bernhard Metzler (37). „Wir haben meine Situation analysiert, die Beziehung zu ihm ist sehr angenehm“, sagt Eisi über den Österreicher, bei dem er im Sommer im B-Kader neuen Aufwind fand. Das tz-Interview.

Herr Metzler, warum springt Ihr Schützling so gut?

Metzler: Markus ist ein begnadeter Flieger. Wir wollten nicht nur auf seinen Schwachstellen herumreiten, sondern diese Eigenschaft optimieren, um seine Basis zu erhöhen. Das führt dazu, dass er beispielsweise in Garmisch weit springt, obwohl der Absprung nicht optimal war. Sein Paket scheint sehr stabil zu sein, trotz der neuen Drucksituation.

Skisprung-Deutschland hofft alleine auf ihn.

Metzler: Die Situation ist Neuland. Wenn man beim Neujahrsspringen als Letzter oben sitzt, unten 20.000 auf dich - den besten Deutschen - warten, dann verändert das die Rahmenbedingungen. Deshalb macht Markus einen tollen Job. Er hat sich unter den besten fünf festgebissen, die ersten drei sind extrem gut.

Zu gut für ihn?

Bereit für die Springen in Österreich: Markus Eisenbichler überzeugt bei der 65. Vierschanzentournee.

Metzler: Das würde ich nicht sagen. Markus greift nach wie vor in seine Sprünge ein, was wir sehen, ist noch nicht seine Topform. Wenn alles optimal läuft, darf der Kopf nicht mehr arbeiten, dann funktionieren das System und die Abläufe einfach. Das sind die letzten zwei, drei Prozent, aber er ist nicht weit weg. Ein Podium traue ich ihm jederzeit zu, am ehesten in Bischofshofen. Die Schanze kennt er. In Innsbruck bin ich selbst neugierig, was er leisten kann. Es kommt generell darauf an, dass er ruhig bleibt und nicht gierig wird.

Den Eindruck bekommt man nicht, wenn man ihn sieht.

Metzler: So ist Markus auch nicht. Früher war er schnell auf 180, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen lief. Da hat er Energie liegen gelassen. Aber in den vergangenen zwei Jahren hat er dazugelernt, Markus war schon oben und musste sich wieder dorthin zurückkämpfen. Er hat sich nicht nur sportlich, sondern auch persönlich weiterentwickelt. Er ruht mehr in sich.

Kann er den Telemark sauber setzen?

Metzler: Ja, das war auch einer unserer Sommerbausteine, nur ist das Ergebnis noch nicht gefestigt. So eine Entwicklung dauert sehr lange. In Garmisch kommt dann hinzu, dass er im zweiten Durchgang die grüne Linie sieht, das letzte aus dem Sprung herauspressen will und für eine optimale Landung einen Tick zu lange vorne bleibt. Aber ich habe von ihm auch 140-Meter-Flüge mit perfekter Landung gesehen.

Verraten Sie uns Markus’ wichtigsten Bausteine für einen optimalen Flug?

Metzler: Seine unglaublichen Qualitäten im Flug. Die saubere Skiführung und die Körpervorlage nach dem Absprung, also der Übergang in die Flugphase, das klappt sehr gut bei ihm. Er darf sich im Anlauf nicht zu viele Gedanken über den Absprung machen, sondern soll sich auf seine Stärken konzentrieren. Was die nächsten Tage passiert, kann keiner voraussagen. Was in ihm passiert, da steckt keiner drin, weder ich, noch Bundestrainer Werner Schuster. 

Interview: Mathias Müller

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