CDU-"Nein" zur Homo-Ehe

Von Sinnen: "Undemokratischer Skandal"

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Hella von Sinnen will keine "toleranten Geschenke", sondern "dieselben Rechte"

Köln - Hella von Sinnen ist "sprachlos" angesichts der CDU-Entscheidung zur Homo-Ehe. Sie spricht sogar von einem "undemokratischen Skandal". Dabei ist sie an der Institution Ehe nicht sonderlich interessiert.

TV-Komikerin Hella von Sinnen ist verärgert über das Ergebnis der aktuellen Debatte bei der CDU zur Homo-Ehe. „Ich bin sprachlos. Das ist ein undemokratischer Skandal“, sagte die 54-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Köln. „Sollte die CDU bei ihrer Meinung bleiben, wird sie hoffentlich bei der nächsten Wahl die Quittung der Wähler erhalten.“

Nach Protesten des konservativen Unionsflügels tritt die CDU-Spitze um Kanzlerin Angela Merkel bei der steuerlichen Gleichstellung homosexueller Paare mit der Ehe derzeit auf die Bremse. Die Debatte an sich habe sie begrüßt, sagte von Sinnen weiter. So schien diese doch endlich einen Wandel herbeizuführen und die Thematik aufzubrechen.

"Nicht sonderlich an der Institution der Ehe an sich interessiert"

Von Sinnen lebt mit Cornelia Scheel zusammen, der Adoptivtochter des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel. Die beiden kämpfen seit Jahren gegen Diskriminierung von Schwulen und Lesben. 1992 nahmen sie an der Aktion „Standesamt“ in Deutschland teil: Mit rund 250 anderen homosexuellen Paaren reichten sie in mehr als 50 deutschen Städten gleichzeitig einen Antrag auf eine Trauung ein - der abgelehnt wurde. Klagen vor dem Verfassungsgericht wurden nicht angenommen. Von Sinnen nennt Scheel dennoch „meine Frau“. Die beiden haben ihre Beziehung allerdings nie eintragen lassen.

„Ich bin nicht sonderlich an der Institution der Ehe an sich interessiert“, erklärte von Sinnen weiter. „Doch wenn es diese nun mal schon gibt, dann doch bitte auch für homosexuelle Paare.“ „Tolerante Geschenke“ wolle sie von der Politik aber nicht, sondern „dieselben Rechte.“ Gemeinsam mit Dirk Bach habe sie immer davon geträumt, irgendwann mit den Partnern eine Doppelhochzeit und somit den gesellschaftlichen und politischen Durchbruch feiern zu können.

Da "wird doch der heterosexuellen Ehe nichts weggenommen!“

Nicht nachvollziehbar sei für sie vor allem das Argument konservativer Unionsvertreter in der Gleichstellungsdebatte, der Fortbestand der Gesellschaft müsse geschützt werden. „Was ist denn das für ein Gedankenfehler? Wenn zwei Millionen Schwule und Lesben heiraten und Kinder bekommen, dann wird doch der heterosexuellen Ehe nichts weggenommen!“

Sie liebe die Demokratie, sagte von Sinnen weiter. Die Gründerväter des Grundgesetzes hätten einen guten Job gemacht. „Wir dürfen aber nicht verkennen, dass bald 70 Jahre ins Land gezogen sind. Die Zeiten ändern sich!“

Auch Lindner fordert steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe

Schlagersänger Patrick Lindner

Auch Schlagersänger Patrick Lindner (52) hält die steuerliche Gleichstellung homosexueller Paare für längst überfällig. „Diese Diskussion ist schon so weit fortgeschritten, dass es eigentlich ein Hohn wäre, wenn man sich jetzt dagegen stellen würde“, sagte Lindner der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. In der CDU gibt es Streit über die Ausweitung des Ehegattensplittings auf Homosexuelle. Lindner, der einen Adoptivsohn hat, forderte, Familien mit Kindern steuerlich zu fördern. „Ich bin für meinen Partner da, ich kümmere mich, wenn es ihm schlecht geht. Ich habe aber nicht das Recht, irgendeine Sache steuerlich geltend zu machen, wie es die normale Familie kann.“

dpa

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