Selbstbestimmt bezahlen - Flexible Preise für Kultur

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Flexible Preise in der Schwankhalle in Bremen. Foto: Ingo Wagner

Bremen (dpa) - Für die Performance heute Abend zahle ich 5 Euro. Und das Theaterstück nächste Woche? Das ist mir 20 Euro wert. Wer eine Veranstaltung in der Bremer Schwankhalle besucht, darf an der Abendkasse abwägen.

Feste Eintrittspreise gibt es in dem Kulturzentrum nicht. Wie viel jeder zahlt, ist ihm selbst überlassen. Und das funktioniert? Die Einnahmen sprechen jedenfalls dafür.

Zahlen, wieviel man will - für dieses Prinzip sind vor allem New Yorker Museen und auch die freie Kulturszene bekannt. Doch auch etablierte Kultureinrichtungen in Deutschland experimentieren mit den Eintrittspreisen, meist aber nur für einige Veranstaltungen oder einen begrenzten Zeitraum. Die Schwankhalle hat vor mehr als einem Jahr die Ticketpreise an der Abendkasse komplett abgeschafft. Im Vorverkauf ging das aus technischen Gründen nicht. Da können Besucher zwischen 3, 10, 20, 30 und 100 Euro wählen.

"Die Grundidee war, die Ausweisphilosophie abzuschaffen", sagt Andrea Rösler. Die Besucher sollten nicht länger an der Kasse ihren Studentenausweis vorzeigen müssen oder eine Bescheinigung, dass sie arm sind. Seitdem verlassen sich Rösler und ihre Kollegen darauf, dass die Zuschauer ihre Finanzkraft selbst einschätzen können - und sich solidarisch verhalten. Rösler, die selbst oft an der Kasse sitzt, erlebt es immer wieder, dass Gruppen ihr Geld zusammenwerfen und dann gemeinsam die Tickets kaufen.

Auch im Bremer Literaturkeller kann das Publikum den Eintritt selbst bestimmen. "Wir wollen, dass sich jeder die Kunst leisten kann, auch wenn er wenig Geld hat", sagt Gründer Benedikt Vermeer. 10 bis 12 Euro geben die Zuschauer jedes Mal durchschnittlich, manche deutlich mehr, andere dafür weniger - und damit geht das Prinzip für Vermeer auf. "Es gibt Leute, die seit Jahren kommen, von denen wir wissen, dass sie wenig Geld haben - und sie kommen wirklich regelmäßig."

Der soziale Charakter sei entscheidend für den Erfolg solcher Preismodelle, die Experten wie der Betriebswirtschaftler Marcus Kunter "Pay what you want" (zahle, was du willst) nennen. Die Idee stammt aus dem Internet, wo Nutzer den Preis für Computerspiele, Musik oder Videos oft selbst bestimmen können. Vorreiter war die Rockband Radiohead, die ihr Album "In Rainbows" 2007 auf ihrer Webseite für einen frei wählbaren Betrag zum Download gestellt hatte. "Die haben gut daran verdient", sagt Kunter.

Auch für Theater, Museen oder andere Kultureinrichtungen kann es sich auszahlen, wenn die Besucher über die Preise entscheiden, wie mehrere Forschungsprojekte von Kunter an der Technischen Hochschule in Aachen ergaben. So hat der Zoo in Münster in den vergangenen Jahren dreimal in der eher schwachen Winterzeit für einige Wochen die Eintrittspreise freigegeben. Das Ergebnis: Die Besucher zahlten deutlich weniger, kamen aber zahlreicher. "Durch die Masse haben wir mehr eingenommen", sagt Zoosprecherin Stefanie Heeke. Trotzdem will der Zoo diese Aktion nicht so schnell wieder anbieten. "Wir wollen nicht, dass die Leute bewusst mit ihrem Besuch warten."

Dass die Gefahr von Missbrauch natürlich immer besteht, zeigt sich am "Forum" der Weinerei in Berlin. Dort können Gäste den ganzen Abend Wein trinken und am Ende nach eigenem Ermessen dafür bezahlen. Entstanden sei das Prinzip vor mehr als zehn Jahren bei Weinverkostungen unter Freunden, erzählt Besitzer Philippe Gross. Doch inzwischen hat sich das auch unter den Berlin-Touristen rumgesprochen, die an den Wochenenden die Bar zahlreich besuchten. "Manche nutzen das aus."

Helfen könnte da ein Referenzpreis - also eine Empfehlung, was das Ganze wert sein könnte. "Die Leute orientieren sich in der Regel an der Größe", hat Kunter festgestellt. Das New Yorker Metropolitan Museum of Art schlägt zum Beispiel 25 US-Dollar für den Eintritt von Erwachsenen vor.

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