Anfangsverdacht gegen den 75-Jährigen

Jetzt ermittelt der Münchner Staatsanwalt gegen Star-Regisseur Dieter Wedel - böser Verdacht

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Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den Regisseur Dieter Wedel (l., 75) wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den Regisseur Dieter Wedel wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat.

Update 10:45 Uhr:

Die Staatsanwaltschaft München I hat Ermittlungen gegen den Regisseur Dieter Wedel bestätigt. Eine Sprecherin sagte am Dienstag auf Anfrage, die Ermittlungen liefen wegen des Anfangsverdachts einer nicht verjährten Sexualstraftat. Der Behörde sei es aber "sehr wichtig", darauf hinzuweisen, dass das Ergebnis der Ermittlungen noch völlig offen sei.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass bei Sexualstraftaten seit einer Strafrechtsverschärfung die Verjährungsfrist bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers ruht. Da eine der von der "Zeit" namentlich benannten Frauen erst 1999 ihren 30. Geburtstag hatte, wäre die Verjährungsfrist von 20 Jahren in ihrem Fall noch nicht abgelaufen. Die Sprecherin wollte zunächst keine weiteren Angaben zur möglichen Dauer des Verfahrens machen und auch vorerst keine Einzelheiten benennen, ob bereits Vernehmungen vorgenommen wurden.

Regisseur weist Vorwürfe zurück

München - Es liege ein Anfangsverdacht gegen den 75-Jährigen vor, sagte am Abend eine Behördensprecherin der dpa. Deshalb sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet

Ausgangspunkt für die Ermittlungen sei, so die Sprecherin weiter, ein Bericht im „Zeit“-Magazin. Dort hatten drei Ex-Schauspielerinnen Wedel beschuldigt, er habe sie in den 90er Jahren sexuell bedrängt. Eine bezichtigt ihn dabei sogar der Vergewaltigung. Wedel hatte die Vorwürfe unmittelbar nach ihrem Bekanntwerden in einer eidesstattlichen Erklärung als "unzutreffend und nicht gerechtfertigt" zurückgewiesen.

Wedel und „MeToo“: Rückzug trotz großer Unterstützung

Es war eine für ihn harmlose Äußerung, mit der sich Starregisseur Dieter Wedel in die Debatte über sexuelle Belästigung in der Filmbranche einschaltete: Er sei als junger Schauspieler für schwul gehalten und von Kollegen sowie Regisseuren sexuell belästigt worden, sagte der 75-Jährige dem Radiosender Hit Radio FFH im November. Nun, zwei Monate später, ist Wedel als Intendant der Hersfelder Festspiele wegen ähnlicher Vorwürfe zurückgetreten. Zudem ermitteln Münchner Staatsanwälte wegen eines Anfangsverdachts. Wedel soll nicht Opfer, sondern Täter gewesen sein.

Damit ist Wedel der erste deutsche Star, für den sich ersthafte Konsequenzen aus der Debatte mit dem Schlagwort „MeToo“ (deutsch: „Ich auch“) ergeben. Die begann im Herbst in den USA mit Vorwürfen gegen einen Hollywood-Produzenten: Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen beschuldigten Harvey Weinstein, sie sexuell belästigt zu haben. Prominente Frauen bestätigen die Vorwürfe. Weinstein wurde von seinem Filmstudio entlassen. „MeToo“ entfacht weltweit einen Sturm der Entrüstung. Vorwürfe gegen weitere Hollywood-Stars folgen.

MeToo-Debatte in Deutschland

In Deutschland wurde „MeToo“ diskutiert, doch richtig Fahrt nahm die Debatte erst Anfang des Jahres auf: Im „Zeit-Magazin“ kommen mehrere, teils namentlich genannte Schauspielerinnen zu Wort, die schwere Anschuldigungen erheben, bis hin zu erzwungenem Sex. Wedel wehrt sich und verweist auf „eine umfassende eidesstattliche Erklärung zu den schweren Anschuldigungen“, die er abgegeben habe.

Bis dahin hatte Wedel einen exzellenten Ruf. Fernseh-Epen wie „Der große Bellheim“ und „Der Schattenmann“ machten ihn berühmt. Als er 2014 die Hersfelder Festspiele übernahm, war dies offenbar eine Herzensangelegenheit. Festspiele waren in der Krise, eigentlich wollte der gebürtige Frankfurter sich wieder dem Film widmen.

Trotz seines Rufs als Erfolgsregisseur galt Wedel auch als schwierig im Umgang, war als Exzentriker und Choleriker bekannt. Er selbst machte keinen Hehl daraus, im Umgang mit Schauspielern hart zu sein: „Im Übrigen besteht die Zusammenarbeit zwischen einem Regisseur und Schauspielern darin, einen Text einzustudieren und wenn es nötig ist, solange zu repetieren, bis der Schauspieler seine Höchstleistung bringt.“ Schikane sei das nicht.

Trotz seines Rufs als Erfolgsregisseur galt Wedel auch als schwierig im Umgang, war als Exzentriker und Choleriker bekannt.

Dieter Wedel gilt alsExzentriker und Choleriker

Nach den Vorwürfen bekam Wedel viel Unterstützung: So warnte die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vor einer Vorverurteilung. Wedels Partnerin Uschi Wolters bezeichnete die Anschuldigungen als „absurd“. Der Bürgermeister der Festspielstadt Bad Hersfeld, Thomas Fehling (parteilos), verteidigte seinen Festspiel-Intendanten: „Ich habe keinen Anlass, an der Glaubwürdigkeit von Dieter Wedel zu zweifeln“, sagte er.

Doch die Vorwürfe gegen Wedel rissen nicht ab: In der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte zuletzt Schauspielerin Iris Berben, Wedel habe sie Ende der 70er Jahre am Set der Fernsehserie „Halbzeit“ gedemütigt, nachdem sie eine Einladung zum Essen abgelehnt habe.

Wedel wies die Vorwürfe stets über seinen Anwalt zurück. Er verweist darauf, dass es bisher nur Anschuldigungen gibt - und keine bewiesenen Fakten.

Doch die Debatte hat ihn körperlich mitgenommen: Als sein Rücktritt und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat am Montag bekannt wurden, lag Wedel wegen einer Herzattacke im Krankenhaus. „Der Umfang, die Art und Weise der Darstellung, die Anfeindungen haben für mich in meinem 76sten Lebensjahr ein für meine Gesundheit und natürlich auch für meine Familie erträgliches Maß weit überschritten“, sagt er. Deswegen werde er sich von jetzt an nicht mehr öffentlich äußern.

dpa

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